Forscher: Extreme Maßnahmen helfen gegen die Ausbreitung des Coronavirus

Abstand halten: Das Einzige, was während der Epidemie hilft, solange es weder Impfstoff noch Medikamente gegen Covid-19 gibt.

Abstand halten: Das Einzige, was während der Epidemie hilft, solange es weder Impfstoff noch Medikamente gegen Covid-19 gibt.

Wann und wie kommt der Alltag zurück, fragen sich Menschen auf der ganzen Welt. Die Regierungen haben im Rekordtempo strikte Maßnahmen zur Verlangsamung der Corona-Pandemie ergriffen. Kontaktreduzierung, Reiseverbote, Ausgangsbeschränkungen, Schulschließungen – die in der konkreten Ausgestaltung unterschiedlichen Regeln haben alle das gleiche Ziel: Menschen auf Distanz zu anderen Menschen halten – damit sich Sars-CoV-2 nicht noch schneller ausbreitet.

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Ob die für Deutschland getroffenen Maßnahmen einen wünschenswerten Effekt haben, könne man erst in den nächsten Tagen wirklich einschätzen, prognostizierte Charité-Virologe Christian Drosten bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Berlin. Denn die Fallzahlen spiegelten immer die Lage von vor zwei Wochen wider.

Durch Kontaktverbot Zeit gewinnen – aber das Virus bleibt

Man könne trotz Kontakteinschränkungen nicht erwarten, dass es keine Neuerkrankungen und Todesfälle gebe. Es gehe durch die Maßnahmen vielmehr darum, zu verhindern, die Erkrankungswelle weiter exponenziell ansteigen zu lassen. Und Zeit zu gewinnen, damit sich die Intensivstationen in den Kliniken auf mehr Patienten vorbereiten können – und Impfstoff – und Medikamentenentwicklung vorangetrieben werden. Sprich: Aufhalten lässt sich das Virus nicht.

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Weil es so eine Lage noch nie gegeben hat, lasse sich der Erfolg einzelner Maßnahmen zur Kontaktreduzierung wie Schulschließungen, Reisebeschränkungen und Ausgangsbeschränkungen derzeit nur schwer beurteilen, betonen Wissenschaftler. Ihr Blick richtet sich deshalb vor allem auf China, wo das Virus bereits Mitte Dezember ausgebrochen ist.

Studien belegen: Drastische Maßnahmen in China sinnvoll

Dort gibt es immerhin schon Daten: In einer am Mittwoch in der Fachzeitschrift “Science” veröffentlichten Studie hat ein internationales Forscherteam, unter anderem von der University of Oxford und der Harvard University, versucht, den Erfolg von Reisebeschränkungen in Wuhan zu definieren. Als Grundlage verwendeten sie Echtzeit-Mobilitätsdaten, die offiziell gemeldeten Erkrankungsfälle und die über die Zeit der Epidemie messbaren Veränderungen der Fallzahlen.

Coronavirus: Blick nach China macht Hoffnung
19.03.2020, China, Peking: Die Besucher mit Mundschutz genie��en einen Spaziergang an einem sonnigen Tag. China hat gerade erst damit begonnen, die Reisebeschr��nkungen innerhalb des Landes zu lockern, hat aber die 14-t��gige Quarant��ne f��r diejenigen, die aus ��bersee nach Peking, Shanghai und anderswo kommen, versch��rft, in Erwartung eines neuen Zustroms von Studenten und anderen Heimkehrern. Foto: Ng Han Guan/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Nach Wochen der Isolation waren viele Einwohner Pekings am Samstag das erste Mal wieder vor der Haustür und genossen das schöne Frühlingswetter.

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“Die drastischen Kontrollmaßnahmen in China haben die Verbreitung von Covid-19 erheblich abgeschwächt”, urteilen die Wissenschaftler. Vor allem Reisebeschränkungen seien im Frühstadium der Epidemie effektiv, wenn sie in stark betroffenen Gebieten durchgesetzt werden.

Zu diesem Ergebnis kommt auch eine mathematische Modellstudie, die am Donnerstag in der Fachzeitschrift “Lancet” erschienen ist. “Die Kombination aus physischer Distanzierung und Reisebeschränkungen hat dazu beigetragen, die Übertragung von Covid-19 im Verlauf des anhaltenden Ausbruchs in Wuhan zu senken”, heißt es darin.

Schulschließung, Reiseverbot, Homeoffice: Forschung braucht Daten

Die Forscher betonen allerdings, es bedürfe weiterer Arbeiten, um den Erfolg einzelner Kontrollmaßnahmen ausmachen zu können und inwiefern sie sich die Balance mit negativen Effekten durch Freiheitseinschränkungen, Wirtschaft und Gesellschaft halten.

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Wie lange lassen sich die Maßnahmen in Deutschland aufrecht erhalten? Bei der Planung möglicher Ausstiegsszenarien infolge strikter Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen orientieren sich auch hierzulande Politiker an epidemiologischen Modellstudien.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) erklärte am Donnerstag, die Leopoldina, Nationale Akademie der Wissenschaften, werde die Grundlage für diese Pläne aus verschiedenen Blickwinkeln entwickeln. Dabei spielten dann nicht nur epidemiologische, sondern auch soziologische und wirtschaftliche Fragestellungen eine wichtige Rolle.

Einzelne Maßnahmen könnten möglicherweise wieder gezielt gelockert werden, deutete auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in einem ZEIT-Interview an. Für nach den Osterferien gebe es dann einen Strategieplan für das weitere Vorgehen.



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