Fischstäbchen im Öko-Test: Vor allem Bioprodukte enttäuschen

  • Dank Fischstäbchen bekommt man sogar Kinder dazu, Fisch zu essen.
  • Ein Grund mehr, warum die knusprigen Stäbchen nicht mit Schadstoffen und Co. versehen sein sollten.
  • “Öko-Test” hat nun 20 Sorten untersucht. Vier von ihnen fallen durch, einige können aber guten Gewissens empfohlen werden.
Alice Mecke
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Hannover. Fischstäbchen sind ein Evergreen auf unseren Tellern. Doch woher stammt der verarbeitete Fisch? Und wie wurde er gefangen? Das Magazin (7/2020) “Öko-Test” hat 20 Fischstäbchenmarken testen lassen. Diese wurden aus Supermärkten, Bioläden, von Discountern und Tiefkühllieferdiensten bezogen. Die Preise lagen zwischen 1,99 und 8,98 Euro, bezogen auf eine 450-Gramm-Packung. Sieben Marken konnten mit der Bestnote glänzen, vier schnitten “mangelhaft” oder “ungenügend” ab.

Die Stiftung testete, ob die Fischstäbchen frei von bedenklichen Inhaltsstoffen sind, ob die Produkte aus nachhaltiger Fischerei mit transparenter Lieferkette stammen, und den Geschmack der – im besten Fall – knusprigen Beilagen.

Als Gewinner gingen “Bofrost Fischstäbchen, ca. 15 Stück” und “Käpt’n Iglo 8 Lachs-Stäbchen” aus dem Test hervor. Sie glänzten laut “Öko-Test” durch “nachhaltigen Fischfang und Transparenz und tadellose Inhaltsstoffe”. Im Geschmackstest konnten sie ebenfalls überzeugen.

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Alle Fischstäbchen sind frei von Mineralöl

Eine erfreuliche Nachricht vorweg ist laut “Öko-Test”, dass alle Fischstäbchen im Test frei von Mineralölbestandteilen waren. Diese fänden die Tester sonst sehr häufig in Lebensmitteln. Auch gefährliche Keimbelastungen mit Listerien habe das Labor nicht festgestellt. Damit wurden die Inhaltsstoffe von zwölf der 20 Fischstäbchen mit “sehr gut” bewertet.

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Teilweise erhöhte Fettschadstoffe

In fünf Produkten hat das Labor jedoch – aus Sicht von “Öko-Test” – “erhöhte” Gehalte des Fettschadstoffs 3-MCPD nachgewiesen, in zwei Fischstäbchenmarken war 3-MCPD sogar “stark erhöht”. Darunter waren die Fischstäbchen der Marken “Käpt’n Iglo 15 Fischstäbchen” und “Eismann Fischstäbchen”, weshalb sie unter anderem im Gesamtergebnis die Note “mangelhaft” beziehungsweise “ungenügend” erhielten. Laut “Öko-Test” kann der Fettschadstoff Organschäden hervorrufen: “3-MCPD und seine Ester haben im Tierversuch insbesondere zu Schäden an den Nieren geführt.”

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Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hat deshalb eine maximale Aufnahmemenge für 3-MCPD pro Tag festgelegt. Ein beispielsweise 30 Kilogramm schweres Kind nimmt demnach schon mehr auf, wenn es fünf der Stäbchen von Iglo oder Eismann isst.

Fischstäbchen einer Biomarke fallen durch

“Öko-Test” untersuchte außerdem vier Fischtäbchen in Bioqualität. Von einem Produkt sei man im Test besonders enttäuscht worden, da die Fangmethode “aus wissenschaftlicher Sicht hochproblematisch ist”, heißt es im Magazin. “Alnatura Fischstäbchen aus Seelachsfilet” beziehen Seelachs aus der Nordsee. Nach den vom Anbieter vorgelegten Unterlagen sei dieser mit Grundschleppnetzen gefangen worden. Diese Netze beziehungsweise die schweren Maschinen wirbeln den Meeresgrund in schädlichem Maße durcheinander, weshalb Forscher und Umweltschützer seit Jahren ein Verbot fordern.

Die übrigen Fischstäbchen im Test schneiden in puncto Nachhaltigkeit besser ab. Zum Großteil würden Fischer mit pelagischen (“schwebenden”) Schleppnetzen gefangen. Diese schleifen nicht auf dem Meeresboden entlang wie Grundschleppnetze. “Das Fischen mit mechanischen Handleinen und Reusen gilt als besonders schonend, und der Meeresboden wird nicht berührt”, lobt “Öko-Test”.

Woher kommt mein Fisch?

Neben dem Geschmack oder dem Preis wird es Verbrauchern zunehmend wichtiger zu erfahren, woher ihre Lebensmittel stammen. “Öko-Test” kritisiert daher, dass auf etlichen Packungen genau diese Information fehlte oder ungenau war. Einige Anbieter würden weiterführende Informationen immerhin per Fischauskunft online liefern.

“Aus unserer Sicht sollte es auch selbstverständlich sein, dass Anbieter von Fischstäbchen ihre Lieferketten lückenlos belegen können. Zudem sollten sie die Informationen auch transparent und offen zugänglich machen”, fordern die Tester. Immerhin würden das viele Anbieter inzwischen auch so sehen. Auf Nachfrage könnten die meisten alle Stationen vom Schiff bis zur Produktcharge lückenlos belegen.

Laut “Öko-Test” setzten außerdem die meisten Fischstäbchenproduzenten auf Fische aus gesunden, großen Beständen, etwa Alaska-Seelachs aus dem Nordpazifik. Alle Alaska-Seelachse im Test seien zudem MSC-zertifziert. Sie stammen aus Beständen, die derzeit in Ordnung sind.

RND/Alice Mecke


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