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Fragen und Antworten im Überblick

Paxlovid: Was Sie über die Anti-Corona-Pille wissen müssen – und für wen sie geeignet ist

Eine Person hält das Medikament Paxlovid vom US-Pharmakonzern Pfizer gegen Covid-19 in den Händen.

Eine Person hält das Medikament Paxlovid vom US-Pharmakonzern Pfizer gegen Covid-19 in den Händen.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) haben es schon bekommen, ebenso wie US-Präsident Joe Biden und seine Ehefrau Jill. Die Rede ist vom Corona-Medikament Paxlovid. Die Tablette des US-Pharmariesen Pfizer soll verhindern, dass Infizierte schwer erkranken oder sogar versterben. „Ich glaube tatsächlich, dass die stärkere Behandlung mit diesem Medikament dazu beitragen könnte, dass weniger Corona-Patienten mit einem schweren Verlauf auf den Intensivstationen behandelt werden müssen“, sagte Ende August auch der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, Gernot Marx. „Wenn die Behandlung mit dem Medikament angezeigt ist und der Patient dies auch möchte, sollten Ärzte dies auch stärker als bislang tun.“

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Aber wer kommt für eine Behandlung mit Paxlovid überhaupt infrage? Und wie wirkt das Arzneimittel? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Wie wirkt Paxlovid?

„Paxlovid“ besteht aus zwei verschiedenen Wirkstoffen: Nirmatrelvir und Ritonavir. Ersterer blockiert die Aktivität eines Enzyms, welches das Coronavirus braucht, um sich im menschlichen Körper vermehren zu können. Ohne dieses Enzym ist die Vermehrung des Erregers gestört, er kann sich nicht in den Zellen ausbreiten und schwere Infektionen verursachen. Ritonavir sorgt wiederum dafür, dass Nirmatrelvir möglichst lange im Körper bleibt und nicht direkt wieder abgebaut wird.

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Wie wird Paxlovid verabreicht?

Das Corona-Medikament ist verschreibungspflichtig und sollte immer in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt angewendet werden. In der Verpackungsbeilage empfiehlt Hersteller Pfizer, dass Betroffene zweimal täglich, idealerweise morgens und abends, drei Tabletten einnehmen sollten – jeweils zwei pinkfarbene Pillen Nirmatrelvir und eine weiße Pille Ritonavir. Alle drei Tabletten sollten dabei zusammen zur gleichen Zeit heruntergeschluckt werden. Paxlovid kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Wichtig ist, die Tabletten sollten nicht zerkaut oder zerbrochen werden. Die maximale Behandlungsdauer beträgt fünf Tage.

Für wen ist das Corona-Medikament geeignet?

Paxlovid ist in Europa für Menschen ab 18 Jahren zugelassen. Voraussetzung dafür, dass sie das Medikament erhalten, ist, dass sie ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben, aber keinen zusätzlichen Sauerstoff benötigen. Zudem sollte eine Behandlung möglichst frühzeitig beginnen, spätestens fünf Tage nach dem Einsetzen erster Symptome.

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Das Zeitfenster, in dem Paxlovid angewendet werden kann, schließt sich schnell. Das Problem ist jedoch: Im frühen Stadium sind die Corona-Symptome meist so mild, dass sie viele gar nicht bemerken oder unterschätzen – und deshalb nicht zum Arzt oder zur Ärztin gehen. Sind die Symptome stärker ausgeprägt, ist eine Behandlung mit Paxlovid im schlimmsten Fall nicht mehr möglich.

Jüngeren mit einem geringen Erkrankungsrisiko rät die Weltgesundheitsorganisation WHO von Paxlovid ab. Der Nutzen des Medikaments sei als „vernachlässigbar“ eingestuft worden, heißt es in einer Stellungnahme von Ende April. Die Organisation empfiehlt das Corona-Mittel vorrangig Hochrisikopatientinnen und Hochrisikopatienten.

Wie gut wirkt das Präparat?

Wie gut Paxlovid wirkt, hängt davon ab, wann es eingenommen wird. Beginnt die Behandlung mit dem Medikament in den ersten fünf Tagen nach Beginn der Symptome, kann so das Risiko eines Krankenhausaufenthalts und Todes um 88 Prozent reduziert werden. Das zeigt eine Übersicht der Fachgruppe COVRIIN des Robert Koch-Instituts (RKI). Wird das Arzneimittel innerhalb der ersten drei Tage nach Einsetzen der Symptome eingenommen, senkt es das Erkrankungs- und Sterberisiko sogar um 89 Prozent.

Diese Wirksamkeitsdaten stammen aus klinischen Studien, die Hersteller Pfizer durchgeführt hatte. Teilgenommen hatten knapp 2250 ungeimpfte Erwachsene, die sich innerhalb von fünf Tagen vor der Untersuchung mit Corona infiziert hatten und unter mindestens einer Grunderkrankung litten, sodass sie ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf hatten. Ein Teil der Probandinnen und Probanden bekam Paxlovid, die anderen ein Placebo-Präparat.

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Es gibt bei Paxlovid jedoch ein Problem: Setzen sich bestimmte Mutationen des Coronavirus durch, könnte das Arzneimittel an Wirksamkeit verlieren. Das Medikament setzt an einem bestimmten Enzym des Virus an, der Protease 3CLpro, die eine wichtige Rolle bei seiner Vermehrung spielt. Verändert sich 3CLpro, drohen Resistenzen. In einer Preprint-Studie belgischer Forschender von Anfang Juni setzten sich Mutationen an 3CLpro durch, als das Virus wiederholt niedrigen Dosen des Wirkstoffs Nirmatrelvir ausgesetzt war. Die Wirkung schwächte sich dadurch bis um das 20-Fache ab. Die Ergebnisse müssen noch von unabhängigen Fachleuten geprüft werden. Ebenfalls als Preprint Anfang Juni veröffentlicht wurde eine Studie von Forschenden der Universität Kopenhagen: Diese hatten in Versuchen mögliche Mutationen an 3CLpro ausgemacht, die die Wirksamkeit sogar um das 80-Fache senken könnten.

Gesundheitsminister Lauterbach hält an Isolationspflicht fest

Der Bundesgesundheitsminister will an der Corona-Isolationspflicht festhalten. Bei steigenden Fallzahlen sei alles andere ein falsche Signal, sagte Lauterbach.

Schon jetzt gibt es Mutationen, die die Wirksamkeit von Paxlovid beeinflussen, heißt es in einer US-amerikanischen Preprint-Studie von Ende Juni. Je mehr Paxlovid eingesetzt werde, desto wahrscheinlicher sei es, dass sich diese Mutationen ausbreiten. Es sei dann nur eine Frage der Zeit, bis es zu einer Resistenz komme, sagte der Hauptautor der Studie, Jun Wang, Ende Juni gegenüber dem Wissenschaftsmagazin „Science“.

Ein weiteres Problem mit dem Medikament: In seltenen Fällen erleiden Patientinnen und Patienten wenige Tage nach der Einnahme einen Corona-Rückfall – der sogenannte Rebound-Effekt. Grund dafür ist, dass der Erreger den Körper der Patientinnen und Patienten auch während der Behandlung zu keinem Zeitpunkt vollständig verlassen hat. Dadurch kann sich das Virus im Körper erneut vermehren. Betroffene erhalten also etwa zwei bis acht Tage, nachdem der erste Test nach überstandener Infektion negativ war, erneut ein neues positives Testergebnis, so die US-Gesundheitsbehörde CDC. Hinreichende wissenschaftliche Untersuchungen gibt es zur Ursache des Rebound-Effekts kaum. Forschende des UC San Diego Health vermuten, dass eine unzureichende Dosierung die Ursache für den Rebound-Effekt sein könnte, da diese womöglich nicht die gesamte Virusreplikation stoppen könnte.

Bisherigen Erkenntnissen zufolge sind bis zu acht Prozent der Patientinnen und Patienten nach der Behandlung mit Paxlovid wieder positiv.

Paxlovid: warum manche Patienten wenige Tage nach der Behandlung erneut positiv sind

Das Corona-Medikament Paxlovid soll die Vermehrung des Coronavirus hemmen und schwere Krankheitsverläufe verhindern. In seltenen Fällen erleiden Patientinnen und Patienten wenige Tage nach der Einnahme jedoch einen Corona-Rückfall. Wie kann das sein?

Wirkt Paxlovid auch gegen Corona-Varianten?

Bisher gibt es noch nicht viele Studien, welche die Wirksamkeit von Paxlovid gegen hoch ansteckende Varianten wie Omikron untersuchen. In-vitro-Daten, also Befunde von Laborversuchen, hatten darauf hingedeutet, dass das Medikament durchaus gegen die Corona-Variante wirkt. Bestätigt wurde dies Ende August von einer Studie aus Israel, die im „The New England Journal of Medicine“ erschienen ist. Bei über 65-Jährigen, die Nirmatrelvir – einen der Wirkstoffe von Paxlovid – eingenommen hatten, seien die Hospitalisierungs- und Todesraten „signifikant niedriger“ gewesen als bei denjenigen, die den Wirkstoff nicht erhalten hatten, schrieben die Forschenden.

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Zum Zeitpunkt der Untersuchung dominierte in Israel die Virusvariante Omikron. Was das Forscherteam auch feststellte: Bei jüngeren Erwachsenen zeigte sich kein Nutzen von Nirmatrelvir. Auch Studien des Arzneimittelherstellers Pfizer deuten darauf hin, dass das Medikament wirksam gegen schwere Verläufe bei Omikron und spätere Untervarianten wie BA.5 ist.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Geschmacksstörungen, Durchfall, Erbrechen und Kopfschmerzen, wie der Verpackungsbeilage des Medikaments zu entnehmen ist. Auch Bluthochdruck und Muskelschmerzen wurden zum Teil beobachtet. Wenn Nebenwirkungen auftreten, sollten Betroffene diese ihrem Arzt oder ihrer Ärztin mitteilen.

Besonders wichtig ist auch, dass es aufgrund der Wirkweise des Präparats teilweise zu lebensbedrohlichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen kann. Dazu gehören beispielsweise Krebs- und Herzmedikamente, Blutverdünner, Allergiemittel, Fungizide und Antidepressiva. Es ist daher ratsam, den behandelnden Arzt oder die behandelnde Ärztin im Vorfeld darüber zu informieren, welche Medikamente regelmäßig eingenommen werden. Das sei auch für rezeptfreie Präparate und pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll, hatte die Europäische Arzneimittel-Agentur Ema Ende vergangenen Jahres mitgeteilt.

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Auch Menschen, die Leber- oder Nierenprobleme haben oder an einer nicht diagnostizierten HIV-Erkrankung leiden, sollten auf Paxlovid verzichten. Weil es Hinweise aus Tierstudien gibt, dass hohe Dosen Paxlovid das Wachstum des Fötus beeinflussen können, wird Schwangeren ebenfalls von dem Medikament abgeraten. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind ebenfalls von einer Behandlung mit dem Medikament ausgeschlossen.

Ersetzt Paxlovid die Corona-Impfung?

Nein, denn das Pfizer-Präparat schützt nicht präventiv vor einem schweren Covid-19-Verlauf. Es wird erst unter bestimmten Bedingungen eingenommen, wenn bereits eine Corona-Erkrankung vorliegt, betont das RKI. So müssen geimpften Personen innerhalb von fünf Tagen ab Symtpombeginn mit der Einnahme beginnen, Ungeimpfte sogar innerhalb von drei Tagen. Weiterhin schütze eine Impfung zuverlässiger vor schweren Infektionsverläufen und Tod.

Wir haben diesen Artikel am 30. September 2022 aktualisiert.

RND/lb/ih/kb/tmo

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