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Falsche Maskenatteste: Wie Corona-Gegner versuchen, die Maskenpflicht zu untergraben

  • Die Maskenpflicht soll Corona-Infektionen verhindern.
  • Doch Corona-Gegner wie die Initiative Querdenken 711 lehnen diese Regel strikt ab.
  • Mithilfe von falschen Attesten versuchen sie, die Maskenpflicht zu umgehen.
Laura Beigel
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Mannheim/Passau. Eine Ärztin aus Baden-Württemberg soll Patienten Atteste zur Befreiung von der Maskenpflicht ausgestellt haben, ohne den tatsächlichen Gesundheitszustand zu kennen. Für 5 Euro soll sie die ärztlichen Bescheinigungen auch an Mitglieder der Telegram-Gruppe “Corona-Rebellen” verschickt haben. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Mannheim gegen die Medizinerin.

Heilpraktiker bittet um Spenden für Corona-Gegner

Wie mühelos Corona-Masken-Atteste zu bekommen sind, zeigt auch eine verdeckte Ermittlung des gemeinnützigen Recherchebüros Correctiv. Mitarbeiter kontaktierten einen Berliner Heilpraktiker, der innerhalb weniger Stunden per E-Mail ein Attest zukommen ließ. “Aus schwerwiegenden Gründen von der Gesichtsmaskenpflicht befreit”, stand darauf. Zusätzlich habe der Heilpraktiker um eine Spende für die Vereinigung Ärzte für Aufklärung, Querdenken 711 oder “andere Vereine, die die Sache unterstützen” gebeten.

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Mit der “Sache” ist der Widerstand gegen geltende Corona-Maßnahmen gemeint. So hatte die Stuttgarter Initiative Querdenken 711 bereits zweimal zu Demonstrationen in Berlin aufgerufen. Bei der bisher letzten Kundgebung am 29. August hatte Gründer Michael Ballweg unter anderem gefordert, die zum Schutz vor der Corona-Pandemie erlassenen Gesetze aufzuheben.

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Eindrücke der Corona-Demo in Berlin
2:54 min
Vor dem Brandenburger Tor geraten Demonstranten und Polizei aneinander.  © RND

Verein ruft zum Verschreiben von Corona-Masken-Attesten auf

Der Fall aus Mannheim sowie die Recherchen von Correctiv zeigen, dass das Netzwerk der Corona-Gegner inzwischen Wege gefunden hat, um Corona-Maßnahmen zu umgehen. Ärzte, die falsche Maskenatteste ausstellen, machen sich jedoch strafbar. In Paragraf 278 des Strafgesetzbuches heißt es:

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“Ärzte und andere approbierte Medizinalpersonen, welche ein unrichtiges Zeugnis über den Gesundheitszustand eines Menschen zum Gebrauch bei einer Behörde oder Versicherungsgesellschaft wider besseres Wissen ausstellen, werden mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.”

§ 278 StGB Ausstellen unrichtiger Gesundheitszeugnisse

Dieses Risiko scheinen einige Mediziner allerdings nicht zu scheuen. Die Initiative Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie (MWGFD) aus Passau listet auf ihrer Internetseite mehr als 30 Ärzte und Heilpraktiker, an die man sich wenden könne, wenn man ein Attest zur Befreiung von der Maskenpflicht brauche. Darunter sind auch Mediziner, die im Ausland ansässig sind.

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Als Begründung nennt der Verein körperliche und psychische Belastungen, die beim Tragen einer Maske auftreten können – beispielsweise Benommenheit, Schwindel, Atemnot und Panikzustände.

“Wir bitten Sie, als unsere ärztlichen Kollegen, sorgfältig zu prüfen, ob Sie nicht auch bei Ihren betroffenen Patienten in den genannten Fällen eine Befreiung von der Gesichtsschutzmaske attestieren können”, heißt es in einem Aufruf von MWGFD. Auch eine entsprechende Formulierung für das Attest ist beigefügt: “aus schwerwiegenden medizinischen Gründen ist ... von der Gesichtsmaskenpflicht befreit”.

Wie wirksam sind Alltagsmasken?

Schon seit längerer Zeit wird über die Wirksamkeit von Alltagsmasken diskutiert. “Eine Sache ist klar, die feuchte Aussprache – also die Tröpfchen –, die werden offensichtlich von einer Maske abgefangen”, sagte Christian Drosten, Virologe an der Berliner Charité, vor wenigen Tagen im NDR-Podcast “Coronavirus-Update”.

Aerosole – also kleine, luftgetragene Partikel, die ebenfalls mit Viren beladen sein können – entweichen hingegen an den Maskenrändern. Allerdings verhindere die Maske, dass gegenüberstehende Personen die Aerosole direkt abbekommen, so Drosten. Bei einer geringen Frischluftzufuhr besteht jedoch die Gefahr, dass sich die Partikel in der Raumluft anreichern und eingeatmet werden können.

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Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) stand einer Maskenpflicht lange Zeit kritisch gegenüber. Zu Beginn der Pandemie riet die Behörde dazu, Masken vor allem dem medizinischen Personal vorzuhalten. Inzwischen hat das Institut seine Haltung geändert und spricht sich für das generelle Tragen einer Alltagsmaske aus.

“Diese Empfehlung beruht auf Untersuchungen, die belegen, dass ein relevanter Anteil von Übertragungen von Sars-CoV-2 unbemerkt erfolgt, das heißt, zu einem Zeitpunkt vor dem Auftreten der ersten Krankheitszeichen”, heißt es auf der Internetseite des RKI. “Eine teilweise Reduktion der unbemerkten Übertragung von infektiösen Tröpfchen durch das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen könnte auf Populationsebene zu einer weiteren Verlangsamung der Ausbreitung beitragen.”

Atteste setzen medizinische Gründe voraus

Ein Attest zur Befreiung von der Maskenpflicht sollen eigentlich nur diejenigen erhalten, die aus medizinischen Gründen keine Maske tragen können. Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) nennt einige Beispiele:

  • Patienten, die durch chronische Lungenerkrankungen wie COPD und Asthma eingeschränkt atmen können. “Allerdings gehören diese Personen auch zu den Risikogruppen bei Covid-19-Erkrankungen und sollten ganz besonders auf ihre eigene Sicherheit achten, wenn sie ohne Mund-Nasen-Bedeckung unterwegs sind”, so die KVBW.
  • Begleitpersonen von Schwerhörigen, Gehörlosen sowie von Menschen mit Demenz oder geistiger Behinderung, denen die Kommunikation durch eine Mund-Nasen-Bedeckung erschwert wird.
  • Patienten, die unter kognitiven Einschränkungen wie Demenz leiden und das Tragen einer Maske als Stresssituation empfinden.
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Atteste, die aus medizinischen Gründen von einem Arzt ausgestellt wurden, müssen an Orten, wo eigentlich eine Maskenpflicht gilt, jederzeit griffbereit sein. Wer sich dort ohne Mundschutz und Attest bewegt, muss mit einer Geldstrafe rechnen. Der Bund und die Länder haben sich jüngst darauf geeinigt, dass Maskenverweigerern ein Bußgeld von mindestens 50 Euro auferlegt werden soll.

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