Faktencheck: Sinken die Corona-Fallzahlen, weil weniger getestet wird?

  • Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland ist seit mehreren Wochen rückläufig.
  • Zugleich werden auch weniger Corona-Tests durchgeführt.
  • Ist die geringe Testquote womöglich der Grund für die niedrigen Inzidenzen? Ein Faktencheck.
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Die Entwicklung der Corona-Kennzahlen stimmt optimistisch: Die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland geht seit Ende April kontinuierlich zurück – ebenso wie die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz. Letztere bezifferte das Robert Koch-Institut (RKI) am Donnerstagmorgen mit 6,6. Gleichzeitig fällt jedoch auf, dass auch die Zahl der Corona-Tests rückläufig ist. Kann es also sein, dass die niedrigen Inzidenzen einfach einer geringeren Testquote geschuldet sind?

Anteil positiver Testergebnisse ist entscheidend

Im ersten Moment erscheint es plausibel, dass die Corona-Fallzahlen sinken, weil weniger getestet wird. Denn werden weniger Tests durchgeführt, können auch weniger Infektionen festgestellt werden. Ganz so einfach ist die Interpretation der RKI-Zahlen jedoch nicht. Das wird deutlich, wenn man die Zahl der Tests mit dem Anteil der positiven Testergebnisse vergleicht:

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Die Grafik zeigt, dass die Zahl der Corona-Tests ab der 17. Kalenderwoche (26. April bis 02. Mai) gesunken ist, in der 20. Kalenderwoche (17. bis 23. Mai) allerdings noch einmal zugenommen hat. Auffällig ist, dass in der Woche bis zum 23.vMai der Anteil der positiven Testergebnisse weiter rückläufig ist, obwohl mehr getestet wurde.

Genauer gesagt wurden in der 20. Kalenderwoche insgesamt 1.218.879 Corona-Tests durchgeführt, von denen 70.279 positiv ausfielenv– das entspricht einer Positivenquote von 5,77 Prozent. In der Vorwoche waren es 1.100.259 Tests, von denen 90.312 ein positives Ergebnis aufwiesen (8,2 Prozent). Diese Entwicklung verdeutlicht, dass sich die niedrigen Inzidenzen nicht nur anhand der Testzahlen erklären lassen.

Mehrere Faktoren beeinflussen die Corona-Fallzahlen

Vielmehr ist es so, dass sich insgesamt weniger Menschen in Deutschland mit dem Coronavirus infizieren als beispielsweise noch im Januar. Auch die Impfquote trägt dazu bei, dass die Inzidenzen sinken. Mehr als die Hälfte der Deutschen hat eine erste Impfung erhalten, rund ein Drittel ist bereits vollständig geimpft. Der durch die Impfungen aufgebaute Immunschutz verhindert, dass sich das Virus verbreiten kann. Somit sinkt auch das Infektionsrisiko in der Bevölkerung.

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Ein weiterer Faktor, der die Entwicklung der Inzidenzen beeinflusst, ist die Saisonalität. Sonnenlicht und wärmere Temperaturen können das Coronavirus abschwächen. Hinzu kommen die noch geltenden Corona-Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht, die zu einem geänderten Verhalten der Bürgerinnen und Bürger geführt haben und dadurch die Ausbreitung des Erregers eindämmen. Das heißt, bei der Beurteilung der Corona-Fallzahlen spielen mehrere Faktoren eine Rolle.

Expertinnen und Experten raten deshalb seit Monaten dazu, nicht nur alleine auf die Inzidenzen zu schauen, um die Infektionslage zu bewerten. Auch die Reproduktionszahl – also wie viele Menschen eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt – muss berücksichtigt werden, genauso wie die Auslastung der Intensivstationen, die Zahl der Todesfälle und die Ausbreitung der Virusvarianten. Gerade Letztere gilt es angesichts der ansteckenderen Virusvariante Delta, die in Deutschland derzeit zirkuliert, genau im Blick zu behalten.

RND

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