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Experten: Mehr als 9000 Suizide in Deutschland – deutlich mehr Männer betroffen

  • Dem Nationalen Suizidpräventionsprogramm zufolge begehen jährlich mehr als 9000 Menschen in Deutschland Suizid.
  • Die Anzahl der Suizidversuche könne auf mindestens 100.000 im Jahr geschätzt werden.
  • Das Durchschnittsalter liegt laut Präventionsprogramm bei 57 Jahren.
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Kassel. Im Jahr 2018 haben sich in Deutschland nach Angaben des Nationalen Suizidpräventionsprogramms 9396 Menschen selbst getötet, 7111 Männer und 2285 Frauen. Das Suizidrisiko steige bei Frauen und Männern mit dem Lebensalter, teilte der Sprecher des Präventionsprogramms, Reinhard Lindner, am Mittwoch aus Anlass des Welttages der Suizidprävention am Donnerstag mit. Das durchschnittliche Lebensalter eines durch Suizid Verstorbenen liege bei 57 Jahren.

Tod durch Suizid häufiger als durch Aids oder Verkehrsunfälle

In Deutschland sterben somit ungefähr genauso viele Menschen durch Suizid wie durch Verkehrsunfälle, Aids, illegale Drogen und Gewalttaten zusammen, wie Lindner sagte, der an der Universität Kassel Professor für Theorie, Empirie und Methoden der Sozialen Therapie ist. Die Anzahl der Suizidversuche könne auf mindestens 100.000 im Jahr geschätzt werden. Zahlen für 2019 liegen noch nicht vor.

Ob und wie sich die Corona-Pandemie auf die Suizidrate auswirke, lasse sich derzeit nicht sagen, ergänzte Barbara Schneider, die zusammen mit Lindner das Nationale Suizidpräventionsprogramm leitet. Es sei aber offensichtlich, dass die Versorgungslage für Menschen in seelischen Krisen durch die Pandemie beeinträchtigt sei. Die Belastung der Bevölkerung nehme insgesamt unter den Bedingungen von Corona zu.

Assistierter Suizid könnte wirksame Suizidprävention verhindern

Lindner warnte zudem vor einer weitgehenden Freigabe des assistierten Suizides. Dies hätte gravierende Auswirkungen auf eine wirksame Suizidprävention. “In Würde zu sterben bedeutet für die Suizidprävention, dass kein Mensch in eine Lebenslage geraten oder gebracht werden darf, in der der Suizid ihm als einzige Option erscheint”, erklärte er. Das Bundesverfassungsgericht hatte im Februar den Paragrafen 217 Strafgesetzbuch zur geschäftsmäßigen Förderung der Sterbehilfe für verfassungswidrig und damit nichtig erklärt. “Durch dieses Urteil besteht die Gefahr, dass die Gesellschaft die Hand loslässt, die uns entgegengestreckt wird”, warnte Lindner.

Das Nationale Suizidpräventionsprogramm ist ein Netzwerk aus mehr als 90 Institutionen, Organisationen und Verbänden. Am 10. September wird weltweit jährlich der Welttag der Suizidprävention begangen. Auch das Nationale Suizidpräventionsprogramm, die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention und die Deutsche Akademie für Suizidprävention stellen dazu eine Videobotschaft bereit. Themen sind dabei die Suizidstatistik für Deutschland, Auswirkungen der Covid-19-Pandemie und die Debatte um den assisitierten Suizid.

Haben Sie Suizidgedanken? Dann wenden Sie sich bitte an folgende Rufnummern:

Telefonhotline (kostenfrei, 24 h), auch Auskunft über lokale Hilfsdienste:

(0800) 111 0 111 (ev.)

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(0800) 111 0 222 (rk.)

(0800) 111 0 333 (für Kinder/Jugendliche)

E-Mail unter www.telefonseelsorge.de

RND/epd

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