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„Es mutiert fröhlich vor sich hin“: Wie häufig sind Coronavirus-Mutationen?

  • Ein Forscherteam aus Thüringen hat untersucht, wie hoch das Potenzial des Coronavirus ist, Mutationen zu bilden.
  • Zu erwarten seien demnach etwa 23 SARS-CoV-2-Mutationen pro Jahr.
  • Labore haben derweil einen ersten Überblick über Corona-Varianten in Deutschland.
Alice Mecke
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Hannover. Nahezu täglich werden in Deutschland Corona-Mutationen aus Großbritannien und teils Südafrika und Brasilien entdeckt. Die schnelle Ausbreitung verunsichert Experten, da über die Eigenschaften dieser Virusmutanten bislang wenig bekannt ist. Generell ist eine hohe Anzahl an Virusvarianten nicht ungewöhnlich, da Viren ständig mutieren. Doch die große Frage ist, ob die Mutationen gefährlicher oder ansteckender sind als das ursprüngliche Virus.

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Forscher aus Thüringen haben nun untersucht, wie hoch das Potenzial des Coronavirus ist, Mutationen zu bilden. Ein Bioinformatikteam im Institut für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Jena hat dafür Coronavirus-Proben aus verschiedenen Regionen Thüringens sequenziert, um genetische Veränderungen des Virus festzustellen. In ihrer Untersuchung verglichen die Forscher diese Proben mit 10.000 Genomen aus der gesamten Bundesrepublik, Europa und der Welt. In den Stichproben befanden sich auch die bislang bekannten Mutationslinien aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien.

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Das Virus „mutiert fröhlich vor sich hin“

Das Ergebnis der am 26. Januar auf einem Preprint-Server veröffentlichten Studie zeigt: Das Genom des Coronavirus SARS-CoV-2 ist besonders groß. Mit etwa 30.000 Basen ist es das größte bekannte Genom aller RNA-Viren, heißt es in einer Pressemitteilung des Universitätsklinikums. Bei der Teilung und somit der Vermehrung der Viruszellen wird jedes Mal die Erbinformation des Virus kopiert. Dabei entstehen zufällige Fehler, die zu Mutationen führen können. Zu erwarten seien etwa 23 SARS-CoV-2-Mutationen pro Jahr.

„Das Virus verändert sich, wie es statistisch zu erwarten ist: Es mutiert fröhlich vor sich hin“, sagte Studienleiter Christian Brandt vom Institut für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene. Die Proben aus Deutschland ließen sich derzeit acht Hauptlinien des Coronavirus zuordnen.

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Weitere Sequenzierungen sind nötig

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Die Wissenschaftler gehen zudem davon aus, dass sich in Europa hochfrequente Abstammungslinien noch weiter in Deutschland verbreiten werden. Um wirksam dagegen vorgehen zu können, sei es von großer Bedeutung, die Entwicklung der Situation im Blick zu behalten.

Die begonnene Impfkampagne erhöhe den Selektionsdruck auf das Virus: Es werden solche Mutationsformen bevorzugt, die die Immunisierung unterlaufen können, teilen die Wissenschaftler mit. „Umso wichtiger ist bei den derzeitigen Inzidenzen eine engmaschige molekulargenetische Überwachung des Infektionsgeschehens“, betont Mathias Pletz, Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Jena.

Deutsche Labore verschaffen sich einen Überblick

An dieser Überwachung arbeiten derzeit viele Labore in Deutschland – mit einem ersten Erfolg. Nach Zehntausenden Testungen konnte ein erster Überblick über die Ausbreitung von Corona-Varianten hierzulande erfolgen. „Was hier durchs Land schwirrt, ist im einstelligen Prozentbereich“, sagte der Laborbetreiber Evangelos Kotsopoulos am Dienstag bei einem Pressegespräch des Verbands der Akkreditierten Labore in der Medizin.

Er betonte aber, dass erst seit einer guten Woche gezielt getestet werde und die Zahlen bisher meist aus der Clusternachverfolgung stammten. Sprich: Die Menschen in den Infektionsherden können sich gegenseitig mit mutierten Virus-Varianten infizieren, weswegen eine statistische Verzerrung wahrscheinlich ist.

Corona-Tests sollen mit PCR-Kit nachgetestet werden

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Mit speziellen Tests wollen die Labore einen flächendeckenden Überblick über hochansteckende Corona-Mutanten wie die britische Variante B 1.1.7 bekommen. Zu dem Zweck sollen etwa 8 bis 10 Prozent aller positiven Corona-Tests mit einem separaten sogenannten PCR-Kit nachgetestet werden. „Das wird hier massiv hochgefahren“, sagte Kotsopoulos.

Die benötigten Kits gebe es aber erst seit etwas mehr als einer Woche. In der vergangenen Woche seien mehrere Zehntausend PCR-Nachtestungen auf Mutanten durchgeführt worden. Mit einem genauen Ergebnis könne in wenigen Tagen gerechnet werden, hieß es. Auch das Robert-Koch-Institut werde dazu einen Bericht veröffentlichen.

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Mutiert die Mutatante bereits?

Auch neue Coronavirus-Varianten, wie etwa die britische Variante B.1.1.7, können sich weiter verändern. Laut britischen Wissenschaftlern ist das bereits geschehen. Tests an einigen Proben hätten eine Mutation namens E484K identifiziert, die bereits in den „besorgniserregenden“ Varianten in Südafrika und Brasilien beobachtet wurde. Die Proteinmutation namens E484K sei bislang in elf britischen Mutationen, den B 1.1.7-Sequenzen, nachgewiesen, heißt es in einem Bericht der britischen Gesundheitsbehörde.

mit dpa

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