Es muss besser werden

  • Seit fast zwei Jahren prägt die Corona-Pandemie unser Leben. Wie geht es nun weiter?
  • Das Autorinnenteam des RND-Newsletters „Die Pandemie und wir“ ordnet die Nachrichten der Woche ein, gibt Einblicke in wissenschaftliche Erkenntnisse und zeigt Wege in den postpandemischen Alltag.
  • In dieser Woche: ein Impfstoff für Kinder und viele traurige Nachrichten.
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Liebe Leserinnen und Leser,

als Wissenschaftsjournalistin versuche ich eigentlich, mich von Emotionen fernzuhalten. Gefühle haben in unseren Berichten, Analysen oder Erklärtexten zur Corona-Krise nichts verloren. Doch das heißt natürlich nicht, dass mich alles kaltlässt. Besonders nicht in einer Woche wie dieser.

Mehr als 100.000 Menschen sind seit Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland gestorben. Hinter dieser Zahl stehen Menschen, die aus dem Leben gerissen wurden; Familien, die ihre Angehörigen verloren haben; Freundschaften, die es so nicht mehr gibt. Viele von ihnen starben zu Hause, in Pflegeeinrichtungen oder auf einer Intensivstation: „Ich habe noch nie so viele Menschen sterben sehen“, sagt etwa der Intensivpfleger Ralf Berning aus Bielefeld. Zeit für echte Sterbebegleitung und die Sorgen von Angehörigen, die am Bett stehen, habe er kaum, berichtet er dem RND. Denn derzeit laufen die Intensivstationen wieder voll. Und angesichts der aktuellen Infektionszahlen ist klar: Es werden noch sehr viel mehr Menschen an Covid-19 sterben. Der Winter wird hart.

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Viele dieser Tode sind unnötig – durch eine Impfung hätten zahlreiche Menschen ihr Leben retten können. Angesichts dessen ist es kaum zu ertragen, wenn Menschen wieder und immer wieder den Nutzen der Impfung infrage stellen. Oder gar Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen anfeinden, wenn diese in Talkshows, Interviews oder im Radio über die Pandemie und Impfstoffe sprechen. „Das Schlimmste daran ist, dass meine Kinder sehen können, wie jemand mir den Tod wünscht“, berichtet die Infektiologin Marylyn Addo meiner Kollegin Laura Beigel. Was soll man dazu noch sagen?

In der aktuellen Situation fällt es wirklich nicht leicht, aufmunternde Worte zu finden. Pfleger Ralf Bering drückt es daher so aus: „Das Einzige, was bleibt, ist die Hoffnung, dass es irgendwann wirklich wieder besser wird.“ Daran sollten wir uns festhalten. Auch wenn die nächsten Wochen schlimm werden, es muss, nein, es wird besser werden.

Bleiben Sie stark!

Anna Schughart

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PS: „Die Pandemie und wir“ gibt es ab sofort auch zum Hören.

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Erkenntnis der Woche

Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) hat über eine Zulassung des Biontech-Impfstoffs für Kinder ab fünf Jahren entschieden. Kinder ab fünf Jahren sollen von dem Biontech/Pfizer-Impfstoff nur ein Drittel der Erwachsenendosis erhalten und zwei Dosen im Abstand von drei Wochen. Das Mittel von Biontech/Pfizer ist damit der erste Corona-Impfstoff, der in der EU für Kinder unter zwölf Jahren zugelassen ist.

In Deutschland würden nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erst ab dem 20. Dezember 2,4 Millionen Dosen des Biontech/Pfizer-Vakzins für Kinder zur Verfügung stehen. Auch eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) steht noch aus. Sie will darüber bis Ende Dezember entscheiden – „möglichst bis zum Start der Auslieferung des Kinderimpfstoffs an die Länder“, sagte Stiko-Chef Thomas Mertens. Es ist unklar, wie viele Medizinerinnen und Mediziner auch ohne Stiko-Empfehlung impfen werden. Denn diese gilt als fachliche Orientierung für die Ärzteschaft.

Schon im Voraus machte Mertens klar, dass die Abwägung im Falle der Kinder schwierig sei. „Es gibt noch keine validen Auswertungen dazu, welche möglichen Nebenwirkungen es gibt, und ob infolge der Impfungen Fälle von Myokarditis aufgetreten sind“, sagte er vergangene Woche im Gespräch mit meiner Kollegin Saskia Heinze. Zu beachten sei auch, dass unter Zwölfjährige glücklicherweise nur sehr selten schwer erkrankten und auch die Krankenhäuser nicht belasteten.

Pandemie in Zahlen

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Alltagswissen

Das Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, steigt. Und plötzlich sind viele alte Fragen wieder aktuell: Auf welche Symptome sollte man achten – und was mache ich in einem solchen Fall? Daher hier noch mal die wichtigsten Antworten: Die häufigsten Krankheits­symptome einer Infektion sind: Husten, Fieber und Schnupfen. Störungen des Geruchs- oder Geschmackssinns zeigen sich bei etwa jedem fünften Betroffenen. Bei Geimpften treten diese Symptome in der Regel seltener auf als bei Ungeimpften.

Wer diese Symptome an sich entdeckt, sollte zu Hause bleiben und direkte Kontakte einschränken. „Rufen Sie Ihre Hausarztpraxis oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116 117 an“, rät die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Diese klären Sie über das weitere Vorgehen auf. Falls Sie Teil einer Risikogruppe sind, weisen Sie im Gespräch unbedingt darauf hin. In Notfällen, wie akuter Atemnot, sollte man direkt die Notfallnummer 112 wählen.

Zitat der Woche

„Wahrscheinlich wird am Ende dieses Winters so ziemlich jeder in Deutschland (…) geimpft, genesen oder gestorben sein.“

Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister

Forschungsfortschritt

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Das Coronavirus tötet. Pathologinnen und Pathologen haben im Laufe der Pandemie viele gestorbene Covid-19-Patientinnen und -Patienten obduziert und untersucht, um herauszufinden, was das Virus mit dem Körper anrichtet – und welche Folgen der Infektion todesursächlich waren. Im Laufe der Pandemie habe man durch die Untersuchung viele wichtige Erkenntnisse zu tödlichen Covid-19-Krankheitsverläufen gewonnen, berichtet Gustavo Baretton, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pathologie.

„Das Hauptzielorgan ist die Lunge, dort befällt das Virus die Zellen am häufigsten“, sagt Baretton. Die häufigste Todesursache sind daher Lungenschäden. Doch das heißt nicht, dass das Virus ausschließlich die Lunge befällt. „Covid-19 ist eine Systemerkrankung, die keineswegs auf die Lunge beschränkt ist. Auch in anderen Organen kann das Virus Zellen infizieren“, sagt Baretton. Die Niere, das Herz, das Gehirn: Alle Organe können also durch eine Infektion schwer beschädigt werden. Und klar ist: Die meisten Covid-Patienten sterben an Corona – nicht mit.

Pandemie im Ausland

Muss Gibraltar etwa Weihnachten absagen? Die erwachsene Bevölkerung des britischen Überseegebiets ist größtenteils durchgeimpft. Doch dann begannen die Zahlen in der 34.000-Einwohner-Kolonie zu steigen. Dramatisch ist die Lage allerdings nicht. Dass man in der Kolonie viele Fälle entdeckt, liegt unter anderem an den vielen Tests, die dort durchgeführt werden, berichtet unser Korrespondent Martin Dahms. Auch liege die Impfquote wohl nicht, wie teilweise behauptet, bei 100 Prozent. Und so stellte Gibraltars Chief Minister Fabian Picardo dann auch auf Twitter vor einigen Tagen klar, dass man Weihnachten NICHT abgesagt habe. Jedoch aber große, staatlich organisierte Veranstaltungen.

Was kommt

Deutschland kriegt einen Corona-Krisenstab. Das kündigte der künftige Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Mittwoch an. Scholz sagte, der Krisenstab werde die Lage kontinuierlich begutachten und beobachten und die Umsetzung der in der vergangenen Woche von der Bund-Länder-Runde gemeinsam mit der geschäftsführenden Kanzlerin Angela Merkel (CDU) beschlossenen Maßnahmen prüfen. Zudem werde im Kanzleramt eine Expertengruppe eingerichtet, die die Corona-Lage täglich beurteilen und an die Regierung berichten solle. Darunter würden Virologen, Epidemiologen, Soziologen und Psychologen sowie weitere Fachleute sein. „Wir brauchen diesen wissenschaftlichen Sachverstand, um zu klugen Erkenntnissen zu kommen“, so Scholz.

Scholz versprach, die neue Bundesregierung wolle zudem die Impfkampagne weiter massiv voranbringen und dafür die Kapazitäten der Impfzentren deutlich ausweisen. Mobile Teams sollten in Städten und Regionen unterwegs sein, Ärzte und Apotheker sollten stärker eingebunden werden.

Was die Pandemie leichter macht

Wenn es draußen regnet, stürmt, hagelt oder schneit: Auch Seilspringen ist ein besonders effektiver Sport, der sich auch in den eigenen vier Wänden ausüben lässt. © Quelle: Christin Klose/dpa-tmn

Mindestens 30 bis 40 Minuten am Tag sollten sich Menschen bewegen – besonders solche, die bei ihrer Arbeit viel sitzen. Negative Auswirkungen auf die Gesundheit können auf diese Weise wieder ausgeglichen werden. Doch im schmuddeligen Pandemieherbst ist die Lust, draußen Sport zu machen, bei vielen Menschen eher gering. Das Gute: Trainieren kann man auch drinnen.

Viele kleine Übungen ergeben hier ein abwechslungsreiches Training, das das Herz-Kreislauf-System stärkt. Ingo Froböse, Professor an der Deutschen Sporthochschule Köln, empfiehlt folgende Übungen: Sidesteps, Hampelmann und Burpees. Für die Sidesteps aufrecht mit eng geschlossenen Füßen auf eine rutschfeste Matte stellen. Anschließend seitlich hin- und herhüpfen. Bei der Übung Hampelmann ebenfalls aufrecht hinstellen, dann beim Hoch­springen die Beine spreizen und gleichzeitig die Hände über dem Kopf zusammen­klatschen. Bei den Burpees erfolgt zunächst ein Sprung aus dem Stand heraus, die Arme dabei nach oben reißen. Anschließend in den Liegestütz gehen, danach in die Hocke, wieder springen und alles von vorn

Was sonst noch wichtig ist

Hausarbeit macht eigentlich den wenigsten Menschen Spaß. Doch gerade ältere Menschen haben guten Grund, den Wischmopp zu schwingen: Arbeiten im Haushalt können Aufmerksamkeitsspanne und Muskelkraft vergrößern, das Gedächtnis schärfen und das Sturzrisiko vermindern, wie Forschende im Fachjournal „BMJ Open“ berichten. Hausarbeit bedeute mehr körperliche Aktivität – und wirke sich daher wie andere Bewegungsarten auch positiv auf die Gesundheit aus, insbesondere bei älteren Menschen.

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