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  • Erektionsstörung: Was hilft bei Impotenz? Behandlungsmöglichkeiten im Überblick

Tabuthema Erektionsstörungen: Wenn der Penis nicht mehr steht und was dagegen hilft

  • Erektionsstörungen sind weitverbreitet, aber ein Tabu.
  • Dabei sind deutschlandweit Schätzungen zufolge bis zu sechs Millionen Männer davon betroffen.
  • Von Selbsthilfegruppe über Medikamente bis hin zum minimalinvasiven Eingriff: Inzwischen gibt es viele verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Ein Überblick.
Angela Stoll
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„Es war so schrecklich, dass ich es kaum beschreiben kann“, berichtet Werner J. auf der Website der Münchner Selbsthilfegruppe Impotenz. Nach einem Herzinfarkt musste er nämlich „mit Erschrecken feststellen“, dass im Bett nichts mehr ging – auch mit Potenzmittel nicht. Er sei kein Weichei. „Aber das hier ist schwerer zu ertragen als physischer Schmerz, Behinderung und sonstige Quälerei, denn es zerstört das Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl von ganz innen. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen: Es ist die männliche Urangst, ganz tief in den Urinstinkten verankert, dagegen kommt man mit rationaler Betrachtung nicht an.“ Solche Sätze machen klar, welchen Leidensdruck Erektionsstörungen verursachen können. Dabei kann Männern oft geholfen werden, wenn sie den Mut aufbringen, zum Arzt zu gehen.

„Aus Scham bestellen wahrscheinlich viele Betroffene online Medikamente“, sagt der Urologe Jann-Frederik Cremers, leitender Oberarzt am Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie des Universitätsklinikums Münster. Dadurch kann es passieren, dass sie an Mittel geraten, die für sie ungeeignet sind – oder sich Fälschungen einhandeln. Der Experte schätzt, dass bis zu sechs Millionen Männer in Deutschland Erektionsprobleme haben. Mit dem Alter steigt die Häufigkeit: Ein Drittel aller Männer über 60 sind betroffen, ab 70 ist es bereits jeder Zweite. Es gibt aber auch 20-Jährige, die keine Erektion bekommen oder aufrecht­erhalten können, die für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr reicht. Zum Teil sind die Probleme nur vorübergehend. Scheitern aber sechs Monate lang zwei Drittel aller Versuche, Geschlechtsverkehr zu haben, weil der Penis nicht hart genug wird oder zu früh erschlafft, sprechen Mediziner von „erektiler Dysfunktion“.

Die Ursachen für Erektionsprobleme sind vielschichtig

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Die Probleme können ganz verschiedene Ursachen haben. So stecken in vielen Fällen Durchblutungsstörungen dahinter, in manchen aber auch Nervenschädigungen oder hormonelle Störungen. Auch Medikamente (etwa Betablocker oder Antidepressiva) verursachen mitunter Potenzprobleme. Abgesehen davon spielen psychische Faktoren eine große Rolle, manchmal sind sie sogar die einzige Ursache. „Oft handelt es sich um ein multifaktorielles Geschehen“, sagt Cremers.

Der Ablauf einer Erektion ist komplex: Durch sinnliche Reize werden Bereiche des Gehirns erregt und Nervenimpulse ausgesandt, die an den Penis weitergeleitet werden. Sie bewirken, dass die Muskulatur am Penis erschlafft und sich die Arterien weiten. Dadurch wird die Blutzufuhr erhöht, sodass die Schwellkörper im Penis prall werden. Gleichzeitig wird der Abfluss des Blutes verhindert, indem die Venen zusammengepresst werden. In Folge versteift sich der Penis und richtet sich auf. Bei diesem komplizierten Mechanismus kommt es leicht zu Störungen, denen Urologen durch diverse Tests auf die Spur zu kommen versuchen.

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„Die Behandlung richtet sich nach der Ursache“, sagt Cremers. „Die Tatsache, dass eine Erektion ausbleibt, sieht zunächst einfach aus. Bildlich gesprochen ist das wie bei einem Auto, das nicht fährt: Man muss zunächst schauen, was der Grund ist. Ist der Motor kaputt? Ist nicht genug Benzin drin? Ist die Motorsteuerung defekt? Je nach Ursache geht man unterschiedlich vor.“ Daher sollte auch niemand an sich herumdoktern, sondern sich an einen Arzt wenden. Hinzu kommt, dass Erektionsstörungen auf einen drohenden Herzinfarkt oder Schlaganfall hindeuten können.

Medikamente, Vakuumpumpen und minimalinvasive Eingriffe

Sind die Nerven im Penis intakt, helfen Männern oft Phosphodiesterase-5-Hemmer wie Viagra, die für ein paar Stunden die Erektionsfähigkeit verbessern können. Sie gelten zwar als gut verträglich, können aber Nebenwirkungen haben und dürfen beispielsweise bei bestimmten Herzproblemen nicht genommen werden. Ansonsten kommen Medikamente infrage, die direkt in den Penis injiziert oder in die Harnröhre eingeführt werden. Sie führen meist zu einer raschen Versteifung, können aber auch schmerzhafte Dauererektionen hervorrufen.

Eine Option fast ohne Nebenwirkungen sind Vakuumpumpen: Dabei wird auf den Penis ein Zylinder aufgesetzt und über eine Pumpe Unterdruck erzeugt, sodass Blut in die Schwellkörper fließt. Die Erektion wird durch einen Penisring aufrechterhalten.

Manchmal können auch minimalinvasive Eingriffe helfen, etwa dann, wenn sich die Probleme auf Gefäßverengungen im Bereich der Becken- und Penisarterien zurückführen lassen. In solchen Fällen lässt sich das verengte Gefäß über einen Katheter mit einem Ballon weiten und die Durchblutung wiederherstellen. „Um eine Wiederverengung zu verhindern, setzen wir einen Stent ein, der mit Medikamenten beschichtet ist“, erklärt der Gefäßmediziner Christoph Kalka, ärztlicher Leiter des Zentrums für Gefässmedizin Baden (Schweiz). „Bei zwei Dritteln der Patienten, die so behandelt wurden, verbessert sich die Erektionsfähigkeit signifikant und nachhaltig.“ Auch bei einer Störung des venösen Abflusses kann eine Kathetertherapie helfen: Es kommt nämlich vor, dass zwar genug Blut in den Penis gelangt, aber wegen eines „venösen Lecks“ schnell wieder abfließt. So hält sich die Erektion nur kurz. „In dem Fall können wir das Leck minimalinvasiv verkleben, also das Leck dicht machen“, sagt Kalka. „Bei etwa 60 Prozent der Patienten führt der Eingriff zum Erfolg.“

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Sex ohne Geschlechtsverkehr

Sind alle Mittel ausgeschöpft, bleibt die Implantation eines künstlichen Schwellkörpers. Da der Eingriff nicht rückgängig gemacht werden kann, sollte er gut überdacht sein. „Die Patienten, die sich dazu entschließen, haben einen langen Leidensweg hinter sich“, sagt Cremers. Einer Studie zufolge sind die meisten von ihnen nach der OP äußerst zufrieden.

Mit einer rein medizinischen Behandlung ist das Problem aber oft nicht erledigt. Betroffene Männer und ihre Partnerinnen und Partner profitieren von einer begleitenden sexualtherapeutischen Beratung. „Häufig löst sich durch die Gespräche so mancher Knoten“, sagt Katharina Rohmert, Ärztin und Beraterin bei Pro Familia. Manche Paare entdecken dann zum Beispiel Sex ohne Geschlechtsverkehr für sich, sodass die Störung an Bedeutung verliert.

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Außerdem können sich Männer an Selbsthilfegruppen wenden. Das könne „eine wahnsinnige Hilfe sein“, betont die Sexologin Ann-Marlene Henning im RND-Podcast „Ach, komm!“: „Dann fällt der Druck. Und das ist schon mal das Wichtigste.“ Entspannung ist auch eine wichtige Voraussetzung dafür, dass es doch wieder klappt.

Erektionsstörung: Was kann ich bei Potenzproblemen tun?

Je nach Ursache kommen bei Erektionsstörungen ganz unterschiedliche Therapien infrage. Die wichtigsten im Überblick:

  • Gesunder Lebensstil: Regelmäßiger Sport, eine ausgewogene Ernährung, maßvoller Umgang mit Alkohol, nicht rauchen – all das kommt dem ganzen Körper zugute und kann Erektionsprobleme mindern. Unter anderem wird dadurch die Durchblutung sowie die Testosteronproduktion angekurbelt. Bei Übergewicht ist Abnehmen empfehlenswert: Auch das wirkt sich in mehrerlei Hinsicht positiv aus.
  • Beckenbodentraining: Bei leichteren Problemen kann eine gezielte Gymnastik helfen, eine Erektion aufrechtzuerhalten.
  • Medikamente zum Einnehmen: Vielen Männern können PDE-5-Hemmer (Viagra und ähnliche Mittel) helfen. Nicht jeder darf sie nehmen, daher sind sie verschreibungspflichtig. Testosteron-Ersatzpräparate helfen nur bei einem entsprechenden Mangel. Wie gut der pflanzliche Wirkstoff Yohimbin wirkt, ist umstritten. Klar ist jedoch, dass er Nebenwirkungen haben kann.
  • Injektionen/SKAT: Manche Medikamente werden lokal am Penis angewandt, zum Beispiel über eine Spritze direkt in den Schwellkörper injiziert. Alternativ lässt sich der Wirkstoff über einen Applikator in die Harnröhre schieben. Bei schwerwiegenden Gefäßproblemen wirken diese Medikamente in der Regel nicht.
  • Vakuumpumpen: Die Pumpe, die auf den Penis gesetzt wird, erzeugt einen Unterdruck, der eine Erektion hervorruft. Bewährt haben sich solche Systeme insbesondere nach Prostataoperationen: Offenbar helfen die Pumpen Männern, die Erektionsfähigkeit nach dem Eingriff wiederherzustellen.
  • Minimalinvasive Katheterverfahren: Arterielle oder venöse Störungen der Erektion lassen sich mitunter durch minimalinvasive Eingriffe beheben.
  • Operationen: Letztes Mittel ist die Implantation eines künstlichen Schwellkörpers. Es gibt verschiedene Modelle, zum Beispiel hydraulische Prothesen, die über eine Pumpe im Hodensack betätigt werden.
  • Hilfe und Information: Sexualberatung bietet zum Beispiel Pro Familia. Außerdem findet sich auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung eine Adressliste mit Sexualtherapeuten und Sexualtherapeutinnen: https://dgfs.info/sexualtherapeutinnen/

Eine gute Anlaufstelle sind auch Selbsthilfegruppen. So bietet z.B. die SHG Impotenz München regelmäßige Treffen an, beantwortet Fragen per Mail und informiert auf ihrer Webseite umfassend zum Thema https://impotenz-selbsthilfe.de.

Informationen und Adressen finden sich zudem auf der Website der Interessengemeinschaft Impotenz Selbsthilfe: https://impotenz-selbsthilfe.org.

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