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  • Entzündungshemmer gegen Corona: Cortison kann Sterblichkeit bei schweren Verläufen von Covid-19 senken

Kortikosteroide: Weniger Tote nach Therapie mit Entzündungshemmern

  • Entzündungshemmer wie Cortison können die Sterblichkeit bei Covid-19 senken.
  • Die WHO empfiehlt die Behandlung ab sofort bei schweren Verläufen.
  • Bei leichteren Verläufen rät sie klar von einer Behandlung ab.
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Die Fachzeitschrift “JAMA” schreibt von einem “wichtigen Schritt vorwärts bei der Behandlung von Patienten mit Covid-19”. “JAMA” hatte in dieser Woche mehrere Fachartikel veröffentlicht, die zur neuen Empfehlung der WHO geführt hatten. Demnach kann eine Behandlung mit Entzündungshemmern aus der Gruppe der Kortikosteroide das Leben von Covid-Patienten retten. In klinischen Studien starben nach einer Behandlung bis zu 30 Prozent weniger Erkrankte. Schon vor einigen Wochen war eine Studie zu Behandlungserfolgen vorveröffentlicht worden. Nun ist offenbar auch die WHO überzeugt.

Eindämmung von überschießender Immunreaktion

Kortikosteroide sind Hormone, die der Körper natürlicherweise selbst herstellt, ein wichtiger Vertreter ist das Hormon Cortisol. Ihr Name leitet sich vom lateinischen Wort Cortex für Rinde ab, weil sie in der Nebennierenrinde gebildet werden. Kortikosteroide werden bei Schlafmangel oder dauerhafter Anspannung vermehrt ausgeschüttet, weshalb man sie auch als Stresshormone bezeichnet. Sie sind für die Regulation von Stoffwechselvorgängen wichtig. Unter anderem hemmen sie aber auch Entzündungen, indem sie das Immunsystem des Körpers unterdrücken. Die Medizin macht sich diesen Effekt seit Langem zunutze. Mit künstlich hergestellten Kortikosteroiden wie Dexamethason oder Hydrocortison werden unter anderem Asthma, Allergien oder Autoimmunerkrankungen behandelt. Und nun wohl auch schwere Fälle von Corona. Dabei bekämpfen die Medikamente nicht das Virus selbst. Sie sollen eine überschießende und gefährliche Reaktion des Immunsystems eindämmen, die eine wichtige Rolle bei schweren Verläufen spielt.

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Große Sorgen bei Asthmapatienten

Allerdings gibt es einen Grund, dass Dexamethason oder Hydrocortison nicht schon eher zur Behandlung empfohlen wurden. Es habe zwar früh Hinweise gegeben, dass Kortikosteroide bei der Therapie von Covid-19 helfen könnten, heißt es in einem Editorial im “JAMA”-Journal. Allerdings habe man befürchtet, das Immunsystem könne das Virus gar nicht mehr bekämpfen, wenn es zu stark unterdrückt werde.

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Aus demselben Grund hatten zu Beginn des Corona-Ausbruchs viele Asthma-Patienten Sorge, ihr Cortisonspray weiter zu nehmen. Fachärzte hatten aber dringend dazu aufgefordert, die Therapie fortzuführen. Inzwischen geht man davon aus, dass gut eingestellte Asthmatiker, die Cortison nehmen, kein erhöhtes Infektionsrisiko haben.

Klar ist: Kortikosteroide können starke unerwünschte Nebenwirkungen haben, wenn sie hochdosiert verabreicht werden. Sie können die Anfälligkeit für andere Infekte erhöhen, den Blutzuckerspiegel dramatisch erhöhen oder ein Delirium auslösen. Seit der Ausbreitung des Coronavirus sei es daher für Ärzte schwierig gewesen, den möglichen Nutzen von Kortikosteroiden gegen einen möglichen Schaden abzuwägen, heißt es im “JAMA”-Artikel.

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Empfehlung gilt nur für schwer Erkrankte

Nun scheint die Lösung gefunden zu sein. Während bei gefährlichen Verläufen mit starker Immunreaktion eine Behandlung sinnvoll scheint, könnte sie bei leichten Verläufen mehr schaden als nutzen. Daher empfiehlt auch die WHO die Therapie nur für schwer Erkrankte.

In der neuen Richtlinie begründet sie die Empfehlung so: Patienten mit lebensbedrohlichen Verläufen würden sich ziemlich sicher selbst für eine Therapie mit Kortikosteroiden entscheiden, wenn ihnen alle Studiendaten bekannt wären. Patienten, die weniger schwer erkrankt sind, hingegen nicht – wegen des ungünstigeren Nutzen-Risiko-Profils. Die Autoren der Richtlinie warnen davor, die Medikamente wahllos bei Corona-Patienten einzusetzen, da dann die weltweiten Vorräte erschöpft werden könnten. Sie stünden dann nicht mehr denjenigen zur Verfügung, denen sie wirklich helfen.

Hinweise auf eine effektive und günstige Behandlung

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Nach Medikamenten zur Behandlung des Coronavirus wurde und wird weiterhin weltweit gesucht. In der EU ist bereits seit Juli das Mittel Remdesivir zugelassen. Im Gegensatz zu Kortikosteroiden wirkt es antiviral, also gegen das Virus selbst. Es war ursprünglich zur Behandlung von Ebola entwickelt worden. Remdesivir konnte in klinischen Studien bei mittelschweren Fällen von Covid-19 die Erkrankungsdauer verkürzen. Ein deutlicher Effekt auf die Sterblichkeit ist aber noch nicht erwiesen. Antivirale Medikamente müssen zudem möglichst frühzeitig verabreicht werden, damit das Virus an einer Vermehrung gehindert wird.

Auch zur Behandlung mit Kortikosteroiden bleiben vorerst noch Fragen offen. So sollen weitere Studien untersuchen, welche Untergruppe der schwer Erkrankten am besten auf eine Therapie anspricht und bei welchen Patienten die Gefahr für Nebenwirkungen erhöht ist. Die Autoren des “JAMA”-Editorials zeigen sich aber optimistisch: Es gebe “Hinweise und Hoffnung darauf, dass eine effektive, günstige und sichere Behandlung gefunden wurde“.

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