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Ende der Schulmasken­pflicht? Experten, Eltern und Schüler sind sich uneinig

  • Einige Bundesländer haben ein Ende der Maskenpflicht in Schulen bereits angekündigt – doch die Meinungen sind gespalten.
  • Einige befürworten ein Aufheben der Pflicht, da sie mit den aktuellen Infektions­zahlen nicht mehr zu rechtfertigen sei.
  • Andere sehen darin wiederum eine Gefahr für die Kinder und erwarten dadurch steigende Corona-Infektionszahlen.
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Berlin. Vor vielen Schultoren wird aktuell über das Ende der Maskenpflicht in Schulen diskutiert. Manche Bundes­länder preschen vor, andere wollen nachziehen. Eltern, Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft sowie Schülerinnen und Schüler sind gleichermaßen gespalten. Während die einen erleichtert sind, dass die Jüngsten endlich keine Masken mehr tragen müssen, bangen die anderen nun um deren Gesundheit.

Zuletzt haben mehrere Bundesländer Lockerungen bei der Maskenpflicht an Schulen angekündigt oder schon umgesetzt: In Berliner Schulen wird ab Montag die Maskenpflicht bis zur einschließlich sechsten Klasse aufgehoben. In Brandenburg ist das bereits der Fall. Auch in Bayern soll die Pflicht nun im Unterricht wegfallen. In Ländern wie Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen wird über solche Schritte beraten. Im Saarland muss schon seit Freitag in Schulen generell keine Maske mehr getragen werden.

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Schulalltag ohne Maske? Für die Jüngsten ist das fremd

Auf deutschen Schulhöfen sind zahlreiche Eltern nun erleichtert, weil sie in den letzten Monaten Mitleid mit ihren Kindern hatten. Viele der Jüngsten kennen einen Schulalltag ohne Maske gar nicht – sie haben ihre Klassen­kameradinnen und -kameraden bisher meist nur mit Mund-Nase-Schutz gesehen. Dabei gilt die Mimik, beispiels­weise ein breites Lächeln, als wichtiger Teil der Kommunikation. Das permanente Tragen einer Maske empfinden wohl die meisten Menschen als unangenehm – ihren Kindern hätten viele Eltern dies am liebsten erspart.

Einige Eltern reagieren aber auch mit Fassungslosigkeit auf die fallende Maskenpflicht in Schulen – unter ihnen Julia A. Noack, Mutter eines Kindes, das eine Berliner Grundschule besucht. „Die Maske ist im Vergleich zu möglichen Schäden durch eine Infektion nur ein kleines Übel. In der Schule sind unsere Kinder unter zwölf durch nichts anderes geschützt“, sagt Noack der Deutschen Presse-Agentur. Abstände seien quasi nicht einzuhalten, Dutzende Kinder säßen stunden­lang gemeinsam in den Räumen. „Ohne Maske wird das eine Durch­seuchung mit Ansage“, kritisiert sie.

Mutter: Beschlüsse kommen zum falschen Zeitpunkt

Noack hat eine Petition gegen das Ende der Maskenpflicht in Berlins Schulen gestartet, Hunderte Menschen haben schon unterzeichnet. Der Beschluss komme zu einer Unzeit, sagt sie: Im Herbst würden sich absehbar die Infektionen in Schulen verstärkt ausbreiten. Zudem warteten Eltern von Kindern unter zwölf sehnsüchtig auf die Zulassung einer Corona-Impfung für sie, die nun schon fast greifbar scheine. Die Kinder, die die Corona-Maßnahmen und Einschränkungen die ganze Zeit mitgetragen hätten, nun fallenzulassen, „das ist einfach komplett unethisch“, findet Noack.

Das verbreitete Narrativ, Covid-19 sei für Kinder harmlos, sei so nicht haltbar, argumentiert die Mutter. „Was nicht richtig kommuniziert wird: Es gibt diese schweren Verläufe. Sie sind zwar seltener, zum Glück, aber dennoch gibt es sie.“

Immunologe sieht steigende Inzidenzen als Folge

Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, bemängelt den Zeitpunkt der Entscheidungen: Eltern von Kindern unter zwölf hätten wegen des für diese Altersgruppe noch nicht zugelassenen Impfstoffs momentan nicht die Wahl, ob sie ihre Kinder impfen ließen. „Man sollte weiter Vorsicht walten lassen und die Infektionen nicht durchlaufen lassen, auch wenn schwere Krankheits­verläufe bei Kindern sehr selten sind“, sagte Watzl. Für die Kinder und Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren sei schon gezeigt worden, dass die Impfung im Vergleich zur Ansteckung das geringere Risiko bedeute.

Nach Einschätzung des Immunologen dürfte das Aufheben der Maskenpflicht an Grundschulen in mehreren Bundes­ländern weiter steigende Inzidenzen bei Kindern in dem Alter zur Folge haben. „Das wird weiter hochgehen.“ Nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) wiesen Kinder und Jugendliche zwischen fünf und neun Jahren vergangene Woche bereits die zweit­höchste Sieben-Tage-Inzidenz unter allen Altersgruppen auf, mit 139 Ansteckungen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche. „Die Masken im Unterricht komplett wegzulassen ist nicht gut. Die Maßnahmen­kombination mit etwa Tests, Maske und Lüften macht den Schutz aus. Mit Testen allein wäre das Virus schwerer unter Kontrolle zu bringen“, sagt Watzl.

Eltern vorerkrankter Kinder reagieren verzweifelt

Noack sagt zudem, dass besonders Kinder mit Vorer­krankungen ohne Masken in den Schulen dem Virus schutzlos ausgeliefert seien. In ihrem persönlichen Umfeld erlebe sie, wie deren Eltern nun verzweifelt versuchten, für ihre Kinder eine Impfung auch ohne Zulassung zu organisieren.

SPD-Gesundheits­experte Karl Lauterbach verweist unterdessen via Twitter auf US-Studien, die belegten, dass Masken in Schulen das Infektions­risiko deutlich senkten. Lauterbach sagt: Ohne Maske müssen andere Vorsichts­maßnahmen greifen: „Meines Erachtens muss dreimal pro Woche in der Klasse getestet werden, will man auf Maske verzichten.“

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„Es ist eine sehr schwierige Frage.“

Dario Schramm ist der Generalsekretär der Bundes­schüler­konferenz

Auch Schülerinnen und Schüler sind sich uneinig

Und wie blicken Schülerinnen und Schüler selbst auf das Fallen der Masken? Auch bei ihnen seien die Meinungen gespalten, sagt Dario Schramm, Generalsekretär der Bundes­schüler­konferenz. Einige Schüler­vertretungen fänden, die Infektionszahlen ließen es zu, die Masken in der Schule wegzulassen und mehr auf Testen, Abstände und Luftfilter zu setzen. Andere hielten Masken weiterhin für die beste Methode zum Schutz vor Corona und wollten sie behalten. „Ich kann das beides nachvollziehen“, sagt Schramm. „Es ist eine sehr schwierige Frage.“ Er kritisiert die unterschiedlichen Vorgehens­weisen der Länder. Besser seien abgestimmte Rahmen­bedingungen.

Die Schülerinnen und Schüler hätten sich aus seiner Sicht inzwischen fast alle an das Masketragen gewöhnt, sagt Schramm. „Die Maske ist nicht mehr so ein Hindernis, sondern sozusagen das täglich Brot.“ Er könne sich vorstellen, dass viele Schülerinnen und Schüler die Maske künftig freiwillig weitertragen, auch ohne eine Pflicht.

RND/dpa

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