Einstellungssache: Auch mit Diabetes genussvoll essen

  • Die Diagnose Diabetes muss nicht heißen, nicht mehr mit Genuss essen zu dürfen.
  • Oft ist zwar Abnehmen angesagt, aber das funktioniert auch mit einer schmackhaften und ausgewogenen Mischkost.
  • Auch auf Süßes müssen Erkrankte nicht verzichten und können Zucker leicht durch Süßstoffe oder Erythrit ersetzen.
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Bad Mergentheim/Frechen. Die Diagnose Diabetes ist für Betroffene zunächst oft ein Schock. Viele glauben, sich bis ans Ende ihrer Tage an eine strenge und vor allem eintönige Diät halten zu müssen, um die Stoffwechselkrankheit in den Griff zu bekommen.

Typ-2-Diabetes kommt am häufigsten vor

Fasten statt genießen also - doch stimmt das? "Nein, das ist definitiv falsch", sagt die Ökotrophologin Astrid Tombek von der Diabetes-Klinik Bad Mergentheim. Genuss ist nach ihren Angaben bei der Ernährungstherapie des Typ-2-Diabetes sogar sehr wichtig. Wer das Essen nicht als Gaumenfreude empfinde, könne mittel- und langfristig nicht die ärztlichen Ernährungsempfehlungen umsetzen, sagt sie.

In Deutschland gibt es nach Angaben der Deutschen Diabetes-Hilfe aktuell über sieben Millionen Menschen mit Diabetes. Demnach kommen pro Jahr mehr als eine halbe Million Neuerkrankungen hinzu. Dies entspreche etwa 1500 Neuerkrankungen am Tag.

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Typ-1-Diabetes ist zumeist erblich bedingt. Betroffene benötigen aufgrund eines Insulinmangels lebenslang Insulin-Injektionen. "Hier muss die richtige Insulindosierung gefunden werden, was von Fall zu Fall verschieden ist", erklärt Tombek. Zudem gehe es darum, zwischen dem Spritzen von Insulin und den Mahlzeiten individuell unterschiedliche zeitliche Abstände einzuhalten.

Beim weit überwiegenden Teil der Diabetiker liegt aber ein Typ-2-Diabetes vor. Er tritt meist nach dem 40. Lebensjahr auf, ist ebenfalls häufig genetisch bedingt, und zugleich verbunden mit wenig körperlicher Bewegung und starkem Übergewicht.

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Schmackhafte und ausgewogene Mischkost

In solchen Fällen ist erst einmal Abnehmen angesagt. "Das funktioniert am besten mit einer schmackhaften und ausgewogenen Mischkost", sagt die Kochbuch-Autorin und Fachjournalistin Kirsten Metternich von Wolff. Diabetiker brauchen sich der Expertin zufolge auch in der Familie keine eigenen Mahlzeiten zuzubereiten. Ihre Ernährungsweise ist nicht groß anders als die von Gesunden.

Im Klartext heißt das: Möglichst wenig Zucker, wenig fettes und vor allem rotes Fleisch, wenig Wurstwaren, wenig fettreiche Milchprodukte und kein Fast Food - stattdessen viel Gemüse, frische Blattsalate und mageres Fleisch. "Statt Wurst kann man fettreduzierten Käse oder einen Quarkaufstrich nehmen", schlägt Tombek vor.

Auch ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornbrot und Hülsenfrüchte sollten auf den Tisch kommen. Laut der Autorin ist es ein weit verbreiteter Irrglaube zu denken, Diabetiker müssten die Low Carb Diät praktizieren, also möglichst wenig Kohlenhydrate essen.

Essensrituale mit besserer Qualität

Bei der Ernährungstherapie für Diabetiker gilt: Bewahren, was für die Lebensqualität wichtig ist, aber ungünstige Muster ändern.

Wer etwa aus Gewohnheit jeden Abend Schokolade isst, sollte darauf verzichten. "Alternativ kann man bestimmten Essritualen auch eine bessere Qualität geben", erklärt Tombek, die Mitglied der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) ist. Dann gibt es statt fetthaltigen Chips zum Beispiel gesündere Nüsse.

Süßer Geschmack ist erlaubt

Das heißt aber nicht, dass es nicht auch süß schmecken darf. "Bei Backrezepten lässt sich Zucker leicht durch Süßstoffe oder Erythrit austauschen oder zumindest teilweise ersetzen", sagt Metternich von Wolff. Vorsicht bei Obstsäften und Smoothies: Sie können durch den hohen Zuckeranteil zu ungewollten Blutzuckerspitzen führen.

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Natürlich dürfen sich auch Diabetiker dann und wann mal kleine Ausrutscher erlauben und essensmäßig über die Stränge schlagen, so die Buchautorin. Zum Ausgleich ist mehr Bewegung angesagt. Und am nächsten Tag geht es mit den neuen gesunden Gewohnheiten weiter.

RND/dpa

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