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Newsletter „Die Pandemie und wir“

Einfache Antworten auf komplizierte Fragen?

Das mit Spannung erwartete Gutachten eines Sachverständigenrats zu den bisherigen Corona-Schutzmaßnahmen soll an diesem Freitag veröffentlicht werden.

Liebe Leserinnen und Leser,

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welche Corona-Maßnahmen waren wirklich nötig? Welche Entbehrungen wirklich nützlich? Das zu hinterfragen ist sinnvoll. Denn viele Pandemieentscheidungen mussten in einer absoluten Ausnahmesituation getroffen werden. Der Blick in die Vergangenheit kann nun helfen, zu verstehen, welche Maßnahmen welchen Effekt hatten. Das ist kompliziert, doch eine Maßnahmen-Evaluation, wie sie ein Sachverständigenausschuss der Bundesregierung am Freitag an Gesundheitsminister Karl Lauterbach übergeben will, kann theoretisch durchaus ein erster Schritt sein. Und helfen, es dann beim nächsten Mal besser zu machen.

Doch ist daran wirklich jemand ernsthaft interessiert? Für Nuancen ist in der öffentlichen Corona-Diskussion inzwischen kaum noch Platz. Die verschiedenen Lager haben sich eingegraben und sind alle überzeugt davon, den einzig richtigen Blick auf die Pandemie zu haben. Das betrifft nicht nur #Team Drosten verus „Querdenker“. Selbst Fachleute haben sich häufig entsprechend und eindeutig positioniert. Es scheint nur noch darum zu gehen, zu entscheiden, wer recht hatte. Nicht, was richtig war.

Kein abschließendes „Corona-Zeugnis“

Wer hatte also recht – die Vorsichtigen oder die Entspannten? Eine simple Antwort auf diese komplizierte Frage ist verlockend. Denn die Pandemie hat uns allen extrem viel abverlangt. Wie schön wäre es da, wenn uns jemand zum Schluss ganz offiziell besiegeln würde, dass zumindest wir alles richtig gemacht haben. Wenn jemand sagen würde: Ja, du hast recht, es war sinnvoll, dass wir im Frühjahr 2020 zwei Meter Abstand beim Joggen gehalten haben. Oder irgendwo stünde: Ja, du hast recht, es war nicht nötig, im Restaurant die Maske auf dem Weg zur Toilette aufzuziehen.

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Doch darauf wird man vergeblich warten. Auch der Bericht des Sachverständigenausschusses kann kein abschließendes „Corona-Zeugnis“ sein. Keine einfache Möglichkeit, um ein für allemal den Daumen über jeder Maßnahme zu senken oder zu heben. Maskenpflicht: ja oder nein. Schulschließungen: ja oder nein. Das kann ein einzelner Bericht dieser Art überhaupt nicht leisten, wie meine Kollegin Saskia Heinze erklärt. Und so markiert er auch ganz sicher nicht den Endpunkt der wissenschaftlichen Forschung.

Die Kommission will den Bericht am Freitagmittag vorstellen. Alles dazu lesen Sie dann auf RND.de – was sonst noch wichtig ist in diesem Newsletter.

Bleiben Sie stark!

Anna Schughart

 

Was wichtig war

Wie sieht die Strategie für den Herbst aus? Mit einem Sieben-Punkte-Plan will Gesundheitsminister Karl Lauterbach verhindern, dass steigende Infektionszahlen im Herbst wieder zu einem Problem werden. Teile des Konzepts sind unter anderem: eine Impfkampagne mit angepasstem Omikron-Impfstoff; ein Pandemieradar, der bessere Vorhersagen über neue Coronavirus-Wellen ermöglichen soll; und auch ein Versorgungs- und Hygienekonzept für Pflegeeinrichtungen und Pflegedienste.

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Eine Maßnahme des Corona-Plans tritt schon jetzt in Kraft: Das kostenlose Schnelltestangebot wird, bis auf Ausnahmen, „ausgesetzt“. Schnelltests auf Staats- und damit Steuerzahlerkosten an Teststationen oder in Apotheken soll es ab Donnerstag, 30. Juni, nur noch für bestimmte Gruppen geben. Ausgenommen sind: Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können. Auch Haushaltsangehörige von Infizierten, Kinder bis fünf Jahre und Bewohner und Besucher von Pflegeheimen, Einrichtungen für Menschen mit Behinderung und Kliniken sollen sich weiterhin kostenlos testen lassen können. Das gilt ebenso für Menschen, die nach einer Corona-Infektion einen Beleg dafür brauchen, dass sie wieder negativ sind, damit sie etwa zurück zur Arbeit können. Alle anderen müssen dagegen künftig 3 Euro bezahlen.

 

Alltagswissen

Menschen in Lissabon steigen am Martim-Moniz-Platz in die Straßenbahn ein. In dem beliebten Urlaubsland Portugal steigen die Corona-Zahlen wegen der Ausbreitung der ansteckenderen Omikron-Subvariante BA.5 wieder an.

Menschen in Lissabon steigen am Martim-Moniz-Platz in die Straßenbahn ein. In dem beliebten Urlaubsland Portugal steigen die Corona-Zahlen wegen der Ausbreitung der ansteckenderen Omikron-Subvariante BA.5 wieder an.

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Die Omikron-Variante BA.5 dominiert inzwischen die Corona-Lage in Deutschland. Dieser Virenstamm hat mit neuen Mutationen sogar noch einmal einen Verbreitungsvorteil gegenüber den bereits sehr ansteckenden Mutanten BA.1 und BA.2. Sehr viele Menschen können sich also in kurzer Zeit anstecken – und das sogar im Sommer. Doch erkranken sie auch schwerer?

Die Omikron-Linien BA.1 und BA.2, die noch im Winter und Frühjahr zirkulierten, waren dafür bekannt, weniger krank zu machen als die vorher dominante und sehr tödliche Delta-Variante. Bei BA.5 könnte dieser Trend nun wieder gebrochen sein. Dafür gibt es zumindest erste Hinweise. Denn dieser Omikron-Subtyp trägt unter anderem die Mutation „L452R“. Diese gab es auch im Delta-Virus, sie ist bislang mit einem schweren Krankheitsverlauf assoziiert. „Ich denke nicht, dass es wieder zu überfüllten Intensivstationen kommen wird, aber das Rad dreht sich wieder mehr in Richtung Krankheit, ja“, sagte dazu der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité.

 

Pandemie in Zahlen

 

Forschungsfortschritt

Eine Corona-Infektion steigert einer dänischen Studie zufolge das Risiko einer Alzheimer-Diagnose in den darauffolgenden zwölf Monaten deutlich. Im Vergleich zu Nichtinfizierten hatte bei Infizierten 3,5-mal so häufig ein Arzt oder eine Ärztin Alzheimer festgestellt, schreiben Pardis Zarifkar und ihr Team im Fachblatt „Frontiers in Neurology“.

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Es ist bereits länger bekannt, dass Atemwegserkrankungen wie Corona zu Entzündungsreaktionen führen, die einen schädigenden Einfluss auf Nervenzellen im Gehirn verstärken können. Unklar ist aber, ob die Corona-Infektion Alzheimer bei den untersuchten Fällen nicht ausgelöst, sondern lediglich Symptome einer schon bestehenden Erkrankung zutage gefördert hat. Es sei lediglich gezeigt worden, dass nach einer Infektion häufiger Symptome diagnostiziert werden, sagte Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.

 

Gut gesagt

Ich hoffe, dass die Schulferien den Anstieg der Erkrankungsfälle etwas dämpfen werden. Aber ab September, fürchte ich, werden wir sehr hohe Fallzahlen haben.

Der Virologe Christian Drosten

im „Spiegel“ über den Corona-Ausblick für Deutschland nach den Sommerferien

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Warum Christian Drosten seine Meinung geändert hat und inzwischen nicht mehr von einem entspannten Herbst ausgeht, lesen Sie hier.

 

Pandemie im Ausland

Wer in den Sommerferien ins Ausland verreisen will, muss wissen, welche Corona-Bestimmungen bei der Einreise in verschiedene Urlaubsziele gelten. Ein Blick ins europäische Ausland zeigt jedoch: Trotz zumeist steigender Fallzahlen sind die Corona-Maßnahmen weitgehend aufgehoben.

In Portugal jedoch sind die Infektionszahlen derzeit etwas höher. Die Corona-Maßnahmen wurden auch nicht ganz so weitgehend aufgegeben wie in anderen Ländern. Bei der Einreise gilt weiter die 3-G-Regel, Urlauber und Urlauberinnen müssen also nachweisen, dass sie geimpft, getestet oder genesen sind. Wie in Spanien gibt es auch noch eine Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln.

 

Gesundes Zusatzwissen

Virus

Virus

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Wie gefährlich sind die Affenpocken? Der Notfallausschuss der Weltgesundheitsorganisation hat am Wochenende den Ausbruch vorerst nicht als internationale Notlage bewertet. Der Ausschuss will die Lage jedoch rasch neu bewerten, falls die Zahl der Ansteckungen oder der betroffenen Länder stark ansteigt, falls gehäuft Fälle unter vulnerablen Gruppen auftreten oder falls sich das Virus verändert. Er sei „tief besorgt über die Ausbreitung der Affenpocken“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Um den Ausbruch einzudämmen, müssten Maßnahmen wie Überwachung, Risikokommunikation, Kontaktverfolgung, Isolation, Behandlung und Impfungen verstärkt werden, sagte Ghebreyesus. Die Mitgliedsstaaten müssten wachsam bleiben, um eine Ausbreitung zu verhindern. Dazu zähle auch eine faire Impfstoffverteilung.

Meine Kollegin Saskia Heinze hat mit einem Affenpockenpatienten gesprochen. Er sagt: „Aus eigener Erfahrung kann ich auch nur dazu raten, Ruhe zu bewahren und den Verdacht ärztlich abklären zu lassen.“ Das ganze Interview lesen Sie hier (RND+).

 

Was das Leben leichter macht

Macht es sich im Leben bezahlt, freundlich und zuvorkommend zu sein? Oder haben es egoistische Menschen leichter? Amerikanische Forschende haben dazu eine neue Studie vorgelegt, die sich RND-Autorin Irene Habich angeschaut hat (RND+). Den Ergebnissen zufolge wirkt sich Nettigkeit in vielerlei Hinsicht positiv auf die Lebensumstände aus, aber nicht in jeder Lebenslage.

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„Nette“ Menschen hatten öfter befriedigende und erfüllende persönliche Beziehungen, am Arbeitsplatz und im Privatleben gleichermaßen. Hohe Werte auf der sogenannten Verträglichkeitsskala halfen außerdem dabei, eine gute Work-Life-Balance aufrechtzuerhalten. „Nette“ Menschen hätten allerdings auch weniger Durchsetzungsvermögen, würden Konflikte vermeiden und weniger für sich selbst einstehen. Zudem könnten sie leichter ausgenutzt werden. Sie neigten außerdem dazu, zu sehr von anderen abhängig zu sein.

 

Was sonst noch wichtig ist

Der Boden in Deutschland wird gefährlich trocken.

Der Boden in Deutschland wird gefährlich trocken.

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Der diesjährige Sommer hat in Deutschland mit einem „deutlich“ zu warmen, zu trockenen und sehr sonnigen Juni begonnen. Das Problem: 2018 bis 2020 waren in Deutschland außer­gewöhnlich trockene Jahre – und das Jahr 2021, mit seinen gemäßigten Temperaturen und genügend Nieder­schlägen, reicht nicht aus, um den Böden ihre Feuchtigkeit wieder zurückzugeben. Was das für Konsequenzen hat, hat RND-Datenjournalist Johannes Christ aufbereitet: Ein Zeitraffer zeigt, wie Deutschland in einer Boden­tiefe von 30 bis 40 Zentimetern in den vergangenen sieben Wochen kontinuierlich ausgetrocknet ist.

Auch in den kommenden Jahren werden Trockenheit und Dürre in Deutschland und vielen anderen Ländern voraussichtlich öfter auftreten. Der Grund sind die steigenden Temperaturen, sagt Andreas Brömser vom DWD: „Die Niederschlags­mengen pro Jahr haben sich in den vergangenen Jahren kaum verändert. Dafür wird es wärmer und die Verdunstung steigt.“

 

Falls Sie Anregungen oder Kritik haben, melden Sie sich gerne direkt bei unserem Redaktionsteam: magazin@rnd.de. Wir freuen uns!

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