Eine Pille voller Erwartungen

  • Seit mehr als einem Jahr prägt die Corona-Pandemie unser Leben. Wie geht es nun weiter?
  • Das Autorinnenteam des RND-Newsletters „Die Pandemie und wir“ ordnet die Nachrichten der Woche ein, gibt Einblicke in wissenschaftliche Erkenntnisse und zeigt Wege in den postpandemischen Alltag.
  • In dieser Woche: Wieso es trotz Impfung auch Therapien braucht.
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Liebe Leserinnen und Leser,

schnell eine Tablette schlucken, um Sars-CoV-2 bereits zu Beginn der Infektion zu stoppen? So ein Medikament schien vor wenigen Monaten noch in sehr weiter Ferne zu sein. Deshalb überrascht die Nachricht von einer möglichen neuen Arznei gegen Covid-19: Molnupiravir, ein Wirkstoff, der als Pille über den Mund verabreicht wird und das Erkrankungsrisiko massiv senken soll.

Zwar wurden schon zu Pandemiebeginn Dexamethason und Remdesivir ins Auge gefasst. Die Mittel können den Krankheitsverlauf von Covid-19 im fortgeschrittenen Stadium zumindest teilweise abmildern. Aber der ganz große Therapiedurchbruch gelang bislang nicht. Die Impfung ist und bleibt die beste Prophylaxe gegen die Erkrankung, wie Fachleute regelmäßig betonen.

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Noch Zukunftsmusik, aber möglich: Eine Pille gegen Corona

Trotzdem ist inzwischen auch klar: Nicht jeder und jede ist und bleibt durch den Piks ausreichend geschützt. Es wird trotz der Impfungen immer Menschen geben, die sich mit dem Coronavirus infizieren. Deshalb braucht es auch in Zukunft noch Therapien. Insbesondere für die vielen Menschen, die mit Immunschwäche, Rheuma oder Krebs zu kämpfen haben. Aber auch für diejenigen, die in dieser Welt keinen Zugang zu Impfstoffen haben.

Molnupiravir könnte da ein Anfang sein. Womöglich irgendwann sogar eine Arznei, die man sich bei ersten merkbaren Symptomen in der Apotheke holen kann. Der Weg bis zum realen Einsatz ist aber noch lang. Der harte Beweis über die Wirksamkeit fehlt noch, ebenso wie die Studien zum Mittel. Man darf auch nicht vergessen, dass es in dieser Pandemie schon mehrere Hypes um neue Wunderkapseln gab, die dann doch nicht den gewünschten Effekt hatten.

Aber es ist darauf zu hoffen, dass die Forschung in den kommenden Monaten immer bessere Therapiemöglichkeiten findet, damit wir alle dem Virus auch auf lange Sicht die Stirn bieten können. Was genau die Hersteller von Molnupiravir versprechen und wie Fachleute das einschätzen, können Sie in unserer Rubrik „Forschungsfortschritt“ nachlesen.

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Bleiben Sie stark!

Saskia Heinze

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Die Pandemie und wir Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise ‒ jeden Donnerstag.

Erkenntnis der Woche

Die Corona-Impfungen in Deutschland sind nach einer neuen Auswertung des Robert Koch-Instituts wohl schon weiter als in der Meldestatistik erfasst. Es sei anzunehmen, dass unter den Erwachsenen bereits bis zu 84 Prozent mindestens einmal und bis zu 80 Prozent vollständig geimpft sind, heißt es in einem aktuellen RKI-Bericht mit Stichtag 5. Oktober. Das entspräche jeweils um fünf Prozentpunkte höheren Impfquoten als nach offiziellen Meldungen der Impfstellen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach von „richtig guten Nachrichten“ und hält Masken-Vorgaben im Freien nicht mehr für nötig. In Innenräumen blieben Zugangsregeln für Geimpfte, Genesene und Getestete (3G) mit der Option für 2G nur für Geimpfte und Genesene aber wichtig - ebenso Hygieneregeln mit Abstand und Masken besonders in Bus und Bahn.

Zahlen der Woche

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Alltagswissen

Deutschland könnte im Herbst und Winter gleichzeitig eine wachsende Corona- und Grippewelle drohen. Deshalb empfiehlt das Robert Koch-Institut (RKI) Grippeimpfungen insbesondere Älteren über 60, chronisch Kranken, Schwangeren, medizinischem Personal, pflegenden Angehörigen und Menschen, die beruflich mit viel Publikumsverkehr zu tun haben. Aber auch alle anderen könnten sich nach Rücksprache mit Ärzten gegen Grippe impfen lassen, betonte diese Woche RKI-Chef Lothar Wieler. Das lässt sich auch mit der Corona-Impfung kombinieren. Diese wird allen ab zwölf Jahren empfohlen.

Die Ständige Impfkommission hat diese Woche zudem eine neue Empfehlung für eine Auffrischimpfung gegen Covid-19 herausgegeben. Das Gremium spricht sich nun für eine Booster-Dosis für über 70-Jährige und bestimmte Risikogruppen aus. Und wer mit dem Vakzin von Johnson & Johnson geimpft wurde, soll eine zusätzliche mRNA-Dosis erhalten können. Mehr Informationen gibt der Hausarzt oder die Hausärztin.

Zitat der Woche

Neben der größten Sorge, dass die Impfung gegen Covid-19 möglicherweise nicht sicher genug ist, fühlen sich zwei von drei Ungeimpften durch Politik und Gesellschaft unter Druck gesetzt.

Prof. Jonas Schreyögg, Ökonom, der in einer Studie gezeigt hat, dass sich zweifelnde Ungeimpfte nicht durch Maßnahmen wie 2G und kostenpflichtige Tests für eine Impfung entscheiden.

Forschungsfortschritt

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Eine vielversprechende Therapieoption: Das US-Pharmaunternehmen Merck (in Europa MSD) hat erfolgsversprechende erste Zwischenergebnisse zum Medikament Molnupiravir veröffentlicht. Seine klinische Phase-3-Studie führt der Hersteller zusammen mit dem Unternehmen Ridgeback Biotherapeutics durch. Die Tablette gegen Covid-19 soll das Risiko für schwere Covid-19-Verläufe und Tod um 50 Prozent senken. Der Wirkstoff wird bereits am Menschen erprobt.

Ursprünglich wurde die Tablette als Grippemedikament entwickelt. Im Körper hemmt der Wirkstoff die RNA-Polymerase des Zielvirus – und damit auch Coronaviren. Es blockiert also seine Vermehrung in der Zelle. Fachleute nennen das auch Replikation. Der Trick: Ein falscher Baustein wird in das Erbgut eingebaut und verursacht dort Mutationen.

Bestätigt sich, dass Molnupiravir sicher, verträglich und effektiv ist, könnte das Mittel Fachleuten zufolge vorerst bei Erkrankten mit Risikofaktoren im ambulanten Bereich in der Frühphase von Covid-19 infrage kommen. Die Gabe ist vergleichsweise einfach – über den Mund, und das maximal bis fünf Tage nach Symptombeginn. Auch ein Einsatz als prophylaktisch eingesetzte Tablette aus der Apotheke ist bei dieser Form grundsätzlich denkbar. Es sind dafür aber noch weitere Studien notwendig.

Pandemie im Ausland

Im Großraum Sydney werden die strikten Corona-Maßnahmen wohl gelockert. © Quelle: Getty Images

Aufatmen im australischen Bundesstaat New South Wales und in der Millionenstadt Sydney: Weil dort inzwischen 70 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft sind, hat die Regionalregierung weitreichende Lockerungen der strikten Corona-Beschränkungen angekündigt. Bereits ab Montag dürfen vollständig Geimpfte – erstmals seit 100 Tagen – wieder in Restaurants essen und in Fitnessstudios gehen.

Zudem können sich wieder zehn statt wie bisher fünf Erwachsene in Privathäusern treffen, im Freien sind Versammlungen von 30 statt wie bisher 20 Menschen erlaubt, wie Regionalpremier Dominic Perrottet am Donnerstag erklärte. Ab dem 18. Oktober sollen zudem schrittweise die Schulen wieder aufmachen. Wenn 80 Prozent der Bürgerinnen und Bürger doppelt geimpft sind, sollen weitere Regeln aufgehoben oder entschärft werden.

Was kommt

Die Bundesländer diskutieren gegenwärtig kontrovers über die Maskenpflicht in Schulen – und gehen nach den Herbstferien unterschiedliche Wege. Während Hessens Schülerinnen und Schüler dann öfter zum Corona-Test und auch noch im Unterricht am Platz eine Maske tragen müssen, hat die nordrhein-westfälische Landesregierung eine Lockerung ab dem 2. November in Aussicht gestellt, ohne Tragen am Sitzplatz. Einen ähnlichen Weg wollen Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein gehen. In Thüringen, Bayern, dem Saarland und Berlin wurde die Masken- und Testpflicht auf der Schulbank bereits abgeschafft.

RKI-Chef Wieler betonte diese Woche hingegen, man sehe keinen Anlass, zumindest bis zum Frühjahr 2022 an der Empfehlung zu Corona-Schutzmaßnahmen an Schulen, Kitas und in Alten- und Pflegeheimen zu rütteln. Im Herbst und Winter sei wegen der Zunahme von Kontakten in Innenräumen auch mit steigenden Infektionszahlen zu rechnen. Man sei wegen des Risikos von Langzeitfolgen wie Long Covid unverändert der Ansicht, „dass wir Kinder zu schützen haben“. Er betonte: „Wir wollen, dass Kitas und Schulen aufbleiben, aber bitte unter Beibehaltung von Schutzmaßnahmen.“

Was die Pandemie leichter macht

Die Homeofficeregelungen während der Corona-Pandemie haben vor allem kleineren Unternehmen gezeigt, dass sie in Sachen hybride Arbeitswelt noch großen Nachholbedarf haben. © Quelle: imago images/MiS

Einige sitzen zusammen in einem Raum, andere werden digital zugeschaltet: Hybrid-Meetings gehören seit der Corona-Pandemie für viele zum Arbeitsalltag. Solche Besprechungen sind komplexer als die persönlichen und die rein virtuellen Treffen. „Die Technik ist wichtig, aber noch wichtiger sind die Menschen und die Zielsetzung des Meetings“, sagt Sandra Dirks. Die Expertin in Sachen Live-Online-Meetings hat meiner Kollegin Katrin Schreiter erklärt: „Egal ob offline oder online – bei einer hybriden Konferenz muss jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer beteiligt werden.“

Dabei sollte vor allem immer klar sein, wer gerade spricht. „Das heißt, der- oder diejenige müssen auf dem Bildschirm zu sehen sein. Und auch der Ton muss passen.“ In der Offlinegruppe müsste zumindest ein externes Mikro vorhanden sein, das man weiterreichen könne. „Einfach nur lauter zu sprechen, reicht nicht!“, weiß Dirks aus Erfahrung. Ihr Tipp: „Wer nur ein kleines Budget hat, kann ein extra Smartphone nutzen, das die Runde macht.“

Was sonst noch wichtig ist

6,7 Millionen der 18- bis 64-Jährigen in Deutschland konsumieren Alkohol in gesundheitlich riskanter Form, heißt es in einem Bericht des Bundesgesundheitsministeriums. Eine davon war mehrere Jahre lang Nathalie Stüben. Heute trinkt die 36-Jährige hingegen keinen einzigen Tropfen mehr – was wie ein neues Leben sei, wie sie im Gespräch mit uns deutlich machte. Um sich vom Alkohol zu lösen, rät Stüben dazu, verschiedene Sachen ausprobieren, um herauszufinden, was am besten zur eigenen Persönlichkeit passt.

Man könne sich an eine Suchtberatungsstelle wenden, Bücher zu Alkoholismus lesen, zu einem Schamanen gehen, zu den Anonymen Alkoholikern – oder in die Suchtklinik. „Jeder und jede tickt anders“, betont die Journalistin. Man könne sich auch selbstkritisch fragen: Trinke ich immer wieder mehr, als ich wollte? Machen mir Freizeitaktivitäten ohne Alkohol noch Spaß? Trinke ich, um etwas zu erreichen? Um abzuschalten? Um besser einschlafen zu können? „Sobald Alkohol gezielt eingesetzt wird, um zu verändern, wie wir uns fühlen, bewegt man sich weg vom Genuss, rein in einen kritischen Bereich“, erklärt Stüben.

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