Drück mich, ich bin ein Kaktus!

  • Schlecht gelaunt, abweisend, besserwisserisch: Pubertierende können ihre Eltern ganz schön belasten.
  • Was Pubertiere von ihren Eltern wollen und brauchen, ist bedingungslose Zuneigung und Rückhalt.
  • Dr. Stefan Schwarz weiß, wie Eltern am besten reagieren können.
Dr. Stefan Schwarz
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Das kennen alle Eltern von pubertierenden Jugendlichen: Es gibt Zoff, das Pubertier weiß alles, kann alles, ist stachelig wie ein Kaktus und ist generell plötzlich ganz anders als das Kind, das man kannte. Die Stimmungen wechseln mindestens sekündlich. Und die Eltern, die sind wegen der ewigen Diskussionen oft erschöpft. Und nun?

Auf der Suche nach positivem Feedback

Es wird nun viel Forschung zu der Frage betrieben, was im Hirn Jugendlicher abläuft. Ein wichtiger Aspekt ist, dass Jugendliche besonders stark auf positives Feedback reagieren, auf Bestätigung, was prägend für ihr Verhalten und wichtig im Zusammenhang mit Lernen ist. Studien zeigen, dass die Gehirne Heranwachsender tatsächlich besonders gut im Lernen durch Einsicht sind. Ja, doch, und zwar besser als die Hirne Erwachsener. Jugendliche erinnern sich leichter an alles, was sie sich aneignen, sie reagieren auch positiver beim Lernen auf entsprechendes Feedback.

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Pubertiere zu begleiten kostet Kraft

Das Gehirn in der Pubertät ist also quasi in einem Ausnahmezustand. Da muss sich der Jugendliche erst mal zurechtfinden. Schon eine große Leistung. Ganz zu schweigen von den Anforderungen in Schule oder Ausbildung. Was die Jugendlichen trotz ihrer Verwandlung in Kakteen in dieser sensiblen Phase brauchen ist Rückhalt, Zuneigung, Respekt und Begleitung. Wobei die Eltern eben immer mehr in den Hintergrund treten und die Jugendlichen „machen lassen“ müssen. Puh, das kostet Kraft. Und nicht immer ist der Ton der Jugendlichen angebracht, sie provozieren und schlagen über die Stränge. Die Eltern nervt das natürlich auch, und sie sind manchmal mürbe.

Im Prinzip sagen die Pubertiere: “Drück mich, ich bin ein Kaktus!” Sie wollen und brauchen bedingungslose Zuneigung und Rückhalt. Die Antwort “Komm her, ich drück dich!” (wörtlich und übertragen) kann viel helfen, auch wenn es für die Eltern stachelig ist.

Dr. Stefan Schwarz ist Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Er praktiziert in Neudrossenfeld in Oberfranken und bloggt unter derkinderarztblog.com.
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