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Drosten: Mers-Virus könnte „nächster Kandidat” für eine Pandemie sein

  • Derzeit konzentrieren sich Wissenschaftler und Virologen weltweit auf die Erforschung von Covid-19.
  • Christian Drosten indes will sich nach dem Ende der aktuellen Corona-Pandemie dem Mers-Virus widmen.
  • Denn dieses ist nach Drostens Auffassung der nächste Kandidat mit Pandemiepotenzial.
Michèle Förster
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Nach dem Abflauen der aktuellen Covid-19-Pandemie will sich der Chefvirologe der Berliner Charité, Christian Drosten, mit seiner Forschung wieder auf andere Viren konzentrieren. „Wenn der Rummel jetzt vorbei ist, dann werde ich mit einer kleinen Arbeitsgruppe ein neues Thema aufbauen“, sagte Drosten im Gespräch mit dem Wirtschaftsmagazin „Capital“. Im Zentrum seiner Forschung sollen dann nicht mehr die aktuellen Coronaviren (Sars-Cov2) stehen, sondern die Mers-Viren. Dieser Virenstamm hätte laut dem Charité-Virologen das Potenzial, der „nächste Pandemiekandidat“ zu werden.

Mers: Ein Erreger aus der Familie der Coronaviren

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Mit Mers wird gemeinhin das Middle East Respiratory Syndrome beschrieben, das zur Gruppe der Coronaviren gehört. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) mitteilt, bezeichnet Mers-CoV eine Infektion der oberen Atemwege, die erstmals im April 2012 auf der Arabischen Halbinsel nachgewiesen wurde. Seitdem verbreitet sich das Virus überwiegend in Saudi-Arabien.

Die wenigen Fälle, die bisher außerhalb der Arabischen Halbinsel bekannt wurden, standen mit einem vorangegangenen Aufenthalt in dieser Region oder engem Kontakt zu anderen Mers-Infizierten in Zusammenhang. 2015 meldeten die südkoreanischen Gesundheitsbehörden einen Ausbruch des Virus, der auf einen importierten Mers-Fall zurückging. Unter dem medizinischen Personal, Kontaktpersonen und Angehörigen der infizierten Person gab es innerhalb weniger Wochen 186 weitere Erkrankungen. In 38 Fällen führte die Infektion zum Tod, so das RKI.

Mers-CoV-Übertragung und geografische Reichweite. © Quelle: WHO

In Europa wurden nur einzelne importierte Fälle oder Sekundärfälle registriert. In Deutschland sind laut RKI bislang drei Fälle von Mers bekannt geworden. 2012 und 2013 wurde je ein an Mers erkrankter Patient aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten hierzulande behandelt. 2015 trat die Erkrankung bei einem Patienten auf, der zuvor einen Kamelmarkt auf der Arabischen Halbinsel besucht hatte. Er verstarb drei Monate später an den Spätfolgen der Erkrankung. Bei einer Kontaktperson des Infizierten konnten ebenfalls Antikörper gegen Mers-Coronaviren nachgewiesen werden. Die Erkrankung verlief jedoch unbemerkt und symptomfrei.

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Wie entsteht ein Impfstoff?
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Nach einem Impfstoff gegen Covid-19 wird unnachgiebig geforscht. Innerhalb von nur einem Jahr war bereits der erste Kandidat in der Zulassungsphase.

Wie unterscheiden sich Sars-CoV-2 und Mers?

Wie auch beim aktuellen Coronavirus handelt es sich bei Mers-CoV um einen zoonotischen Erreger – also um ein Virus, das von Tieren auf Menschen übertragen werden kann. Als wahrscheinlichste Ansteckungsquelle gelten laut der Weltgesundheitsorganisation WHO Dromedare. Allerdings lassen sich nicht alle Primärfälle darauf zurückführen, schränkt das RKI ein. Auch die Ansteckung von Kontaktpersonen (Sekundärinfektion) wurde beobachtet. Unentdeckte Infektionen können zu großen Ausbrüchen führen, wie es etwa in Krankenhäusern in Riyadh seit 2015 immer wieder der Fall ist.

Die Inkubationszeit bei einer Infektion mit Mers beträgt in der Regel ein bis zwei Wochen. Dabei ist der Höhepunkt der Ausscheidung von Virusmaterial über die oberen Atemwege nach sieben bis zehn Tagen erreicht, wie aus einem Vergleich von knapp 100 Studien zu Sars, Mers und Sars-CoV-2 im „The Lancet Microbe“ hervorgeht. Im Gegensatz zu Sars-CoV-2 vermehren sich die Viren demnach langsamer und eine Übertragung durch asymptomatische Personen erfolgt praktisch nicht, stellten die schottischen Wissenschaftler fest.

Symptome, Verlauf und Behandlungsmöglichkeiten

Bei gesunden Menschen verläuft die Mers-Erkrankung in der Regel asymptomatisch oder mit milden grippeähnlichen Symptomen, klärt die WHO auf. Die Beschwerden ähneln mit Fieber, Husten, Kurzatmigkeit und zum Teil Durchfall denen einer Sars-CoV-2-Infektion. Bei schweren Mers-Verläufen kann sich ebenfalls eine Lungenentzündung entwickeln, die in ein akutes Atemnotsyndrom übergehen kann. Schwere Verläufe treten überwiegend bei Menschen mit chronischen Vorerkrankungen wie Diabetes, Herzerkrankungen und chronischen Nieren- oder Lungenerkrankungen auf. Die mit etwa 35 Prozent hohe Sterblichkeitsrate erklärt die WHO damit, dass milde oder asymptomatische Mers-Fälle nicht registriert werden.

Bisher ist noch kein Impfstoff gegen Mers-CoV und keine spezifische Behandlung verfügbar, obwohl mehrere in der Entwicklung sind. Anfang des Jahres haben sich jedoch zwei Impfstoffkandidaten gegen das Virus in Phase-1-Studien als sicher erwiesen. Die im Magazin „The Lancet Infectious Diseases“ publizierten Ergebnisse aus Hamburg und Oxford belegen, dass es bei der Impfung zu einer Immunantwort gegen das Virus kommt. Ob diese ausreicht, um wirksam vor einer Infektion zu schützen, ist noch unklar.

Wie groß ist das Pandemiepotenzial von Mers?

„Eine Ausbreitung als Epidemie oder Pandemie halte ich für äußerst unwahrscheinlich“, hatte Drosten noch 2015 dem „Focus“ gesagt. Diese Einschätzung begründete er mit der langsamen Mutation von Coronaviren. Mers-CoV hätte daher kaum Gelegenheit, sich an den Menschen anzupassen. Die WHO stuft Mers jedoch als „Priority Disease“ ein – als eine Krankheit, deren Erforschung und Entwicklung von Medikamenten höchste Priorität eingeräumt werden sollte. Der Ausbruch in Südkorea zeigte zudem, dass Mers das Potenzial für eine Pandemie hat. Auch Drosten hat seine Meinung nun offenbar geändert.

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Wichtig für die Einschätzung eines globalen Verbreitungsrisikos sei laut dem RKI, dass es „bislang keine Hinweise auf eine anhaltende, unkontrollierte Mensch-zu-Mensch-Übertragung gibt“. Importierte Krankheitsfälle könnten jedoch, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt werden, im Krankenhaus zu weiteren Ansteckungen führen.

Bis September 2020 verzeichnete das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) mehr als 2500 laborbestätigte Fälle in 27 Ländern, darunter mehr als 800 Todesfälle. Der bisher höchste Anstieg der Infektionen war mit über 750 Mers-Fällen im Jahr 2014 verzeichnet worden. In diesem Jahr wurden bisher 61 Fälle registriert, alle auf der Arabischen Halbinsel.

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