Drosten hält Schnelltests für unsicher, empfiehlt aber weiteren Einsatz

  • Antigen-Schnelltests sind ungenauer als ein PCR-Nachweis.
  • Laut Charité-Virologe Christian Drosten werden Infektionen damit selbst dann nicht immer erkannt, wenn jemand ansteckend ist.
  • Die Tests sollten aber trotzdem weiter eingesetzt werden, findet Drosten.
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Der Charité-Virologe Christian Drosten hat in seinem NDR-Podcast „Coronavirus-Update“ davor gewarnt, sich nach einem Antigen-Schnelltest in falscher Sicherheit zu wiegen. Die Tests könnten eine Infektion in der frühen, aber hochansteckenden Phase noch nicht nachweisen. Das hätte die Erfahrung in den Diagnose-Laboren gezeigt.

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Corona-Schnelltests für zu Hause – Wie geht das?
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Ab März bekommen alle Bürger in Deutschland ein Anrecht auf kostenlose Schnelltests.  © RND/Marc Mensing

„Die Schnelltests schlagen erst am Tag eins nach Symptom-Beginn an, da ist man aber schon drei Tage lang infektiös“, so Drosten im Podcast. „Wenn man davon ausgeht, dass eine infizierte Person in der Regel acht Tage lang ansteckend ist, heißt das: An fünf von acht Tagen entdecke ich mit dem Antigentest eine Infektion, an drei Tagen werde ich sie übersehen.“

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Wer sich ganz auf das Ergebnis eines Schnelltests verlasse, könne womöglich andere infizieren. Man brauche die Schnelltests zwar trotzdem unbedingt. Deren Einsatz sei aber „nicht so simpel“, wie es in der Politik dargestellt werde. Er erwarte in den kommenden Monaten noch weitere Studiendaten dazu, sagte Drosten. Er schätzt, dass zwischen 40 Prozent und 60 Prozent der Infektionen bei Schnelltests übersehen würden.

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Schnelltests schlagen erst bei größerer Viruslast an

Dass Schnelltest weniger genau sind als PCR-Tests, ist seit Langem bekannt. Während ein PCR-Test selbst kleine Mengen des Virus in Abstrichen aus dem Nasenrachenraum aufspüren kann, schlagen Antigenteste erst bei einer größeren Viruslast an. Sie weisen nicht wie der PCR-Test Erbgutfragmente des Virus, sondern Proteine des Virus nach.

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Antigen-Schnelltests sollen daher auch nicht eingesetzt werden, um Infektionen sicher aufzuspüren, sondern um auszuschließen, dass jemand im Moment, in dem er sich testet, nicht ansteckend ist – dann würde nämlich eine erhöhte Virenlast vorliegen. Drosten selbst hatte in der Vergangenheit gesagt, dass Antigentests vermutlich anschlagen, wenn jemand infektiös ist. Nun scheint der Virologe seine Einschätzung geändert zu haben.

Einen Einsatz der Schnelltests in Schulen hält Drosten aber trotzdem für sinnvoll, da dadurch Cluster aufgespürt werden könnten, wenn auch vielleicht nicht jede einzelne Infektion. Auch Schnelltests am Arbeitsplatz empfiehlt der Virologe. Er betont aber, bei einem positiven Schnelltests müsse immer möglichst schnell ein PCR-Test zur Überprüfung durchgeführt werden.

Falsch positive Testergebnisse deutlich häufiger als falsch negative

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Kinderärzte hingegen hatten hingegen schon in der Vergangenheit vom Einsatz der Schnelltests in Schulen abgeraten, gerade wegen deren Ungenauigkeit. Es sei zu erwarten, „dass die Zahl falsch negativer und falsch positiver Ergebnisse inakzeptabel hoch sein und weit mehr Schaden als Nutzen“ mit sich bringen würde, heißt es in einer Stellungnahme der Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte und der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene von Ende Februar.

Auch Experten des Kompetenznetz Public Health zu Covid-19 hatten bereits vor einem unkritischen Einsatz von Schnelltests gewarnt. Diese böten zwar Chancen bei der Bekämpfung der Sars-CoV-2 Pandemie. Jedoch müssten die Auswirkungen von falsch-positiven und falsch-negativen Testergebnissen berücksichtigt werden, heißt es in einer Veröffentlichung des Netzwerks verschiedener Fachgesellschaften und Experten.

Der Anteil, zu dem die Tests eine infektiöse, also eine ansteckende Person nicht erkennen (falsch negative Ergebnisse) variiert laut Kompetenznetz Public Health bei den aktuell in Deutschland verfügbaren Tests zwischen 5 und 20 Prozent. Falsch-positive Ergebnisse – also positive Testergebnisse bei nicht Infizierten – seien vor allem bei Symptomlosen deutlich häufiger. Laut einer Hochrechnung des Kompetenznetz könnten auf ein falsch negatives Testergebnis 50 falsch positive Testergebnisse kommen.

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Drosten plädiert für weitere Maßnahmen neben Corona-Notbremse
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Der Virologe Christian Drosten hält neben der geplanten bundesweiten Notbremse weitere Maßnahmen für notwendig.  © dpa

Debatte um Antigen-Schnelltests in Mecklenburg Vorpommern

Das Kompetenznetz Public Health weist darauf hin, dass zur Zuverlässigkeit der in Deutschland verfügbaren Tests noch zu wenig bekannt sei und nur die Herstellerangaben vorlägen. Es seien daher weitere, unabhängige Untersuchungen erforderlich.

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In Mecklenburg Vorpommern wird derzeit ebenfalls über die Aussagekraft der Schnelltests debattiert. Sie werden dort nicht nur in Schulen, sondern auch beim Friseurbesuch oder in Geschäften eingesetzt. Die Besitzer von Ferienwohnungen hatten daraufhin geklagt, wie die „Ostseezeitung“ berichtet. Sie wollten die Erlaubnis, wieder an Touristen zu vermieten, schließlich könnten auch sie dabei Schnelltests durchführen. Die Anwälte des Landes hatten daraufhin argumentiert, die Tests seien nicht geeignet, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Die Anwältin der Vermieter kritisierte das als Ungleichbehandlung, da die Geschäfte unter der Auflage, Schnelltests durchzuführen, öffnen konnten. Die ersten Geschäfte in Mecklenburg-Vorpommern haben laut „Ostseezeitung“ aber ohnehin schon wieder geschlossen – seit Einführung der Testpflicht seien zu wenig Kunden gekommen.

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