Drosten mahnt: Bundesweite Notbremse reicht nicht aus

  • In Deutschland tobt die dritte Corona-Welle.
  • Intensivmediziner schlagen Alarm, während die Bundesregierung ein neues Infektionsschutzgesetz beschließt.
  • Die darin verankerte Bundes-Notbremse allein könne die Lage in den Krankenhäusern aber nicht unter Kontrolle bringen, meint Christian Drosten.
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Berlin. Wegen der Lage auf den Intensivstationen erwartet der Virologe Christian Drosten, dass zusätzlich zur geplanten bundesweiten Corona-Notbremse weitere Maßnahmen nötig sein werden. „Ich denke, dass man anhand der sich jetzt einstellenden Situation in den Krankenhäusern auch noch mal anders reagieren muss“, sagte der Corona-Experte von der Berliner Charité am Dienstag im Podcast „Coronavirus-Update“ bei NDR-Info. Dies müsse sicherlich in „allernächster Zeit“ geschehen. „Ich erwarte jetzt nicht ohne weiteres, dass man damit die Situation in der Intensivmedizin kontrollieren kann“, sagte Drosten mit Blick auf die Entscheidung.

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Merkel: Bundesweite Notbremse ist überfällig
2:32 min
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Änderungen am Infektionsschutzgesetz verteidigt.  © Reuters

Das Bundeskabinett hat am Dienstag eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes beschlossen. Damit müssen sich die Menschen in weiten Teilen Deutschlands auf Ausgangsbeschränkungen und geschlossene Läden nach bundesweit verbindlichen Vorgaben einstellen. Kommende Woche sollen die Neuerungen erst vom Parlament beschlossen werden und dann den Bundesrat passieren - trotz deutlicher Kritik einiger Länder und der Opposition im Bundestag.

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Über die eingeschränkte Aussagekraft der Corona-Meldezahlen nach Ostern sagte Drosten: „Wir müssen wahrscheinlich bis Ende dieser Woche warten, um wieder realistische Zahlen zu sehen.“ Er befürchte, dass man dann wieder in einem Bereich zwischen 20.000 und 30.000 täglich gemeldeten Neuinfektionen landen werde. Durch die Osterferien sieht der Virologe allerdings für die Schulen zunächst einen „nachhaltigen Entschleunigungseffekt“, wie er sagte.

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Intensivmediziner erwarten deutlichen Patientenanstieg

Angesichts steigender Neuinfektionszahlen rechnen auch die Krankenhäuser in Deutschland bereits für Ende April mit 6.000 und mehr Corona-Intensivpatienten. Es sei davon auszugehen, dass deutschlandweit täglich zwischen 50 und 100 neue Patienten aufgenommen werden müssen, sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, Gernot Marx, der „Augsburger Allgemeinen“. Noch im April könne ein Höchststand aller drei Pandemiewellen erreicht werden. „Die Situation ist wirklich sehr, sehr angespannt“, sagte der Aachener Medizinprofessor.

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Von allen Klinikstandorten werde berichtet, dass in der dritten Welle deutlich jüngere Intensivpatienten aufgenommen werden, sagte Marx. „Wir sehen inzwischen sehr viele 40- bis 50-Jährige mit sehr schweren Corona-Verläufen auf den Intensivstationen.“ In der ersten und zweiten Welle seien unter 50-jährige noch eine seltene Ausnahme gewesen. Der Intensivmediziner-Präsident appellierte eindringlich an die Politik, so schnell wie möglich einen strengen Lockdown einzuleiten. Bis die geplanten Änderungen des Infektionsschutzgesetzes umgesetzt seien und sich auf den Intensivstationen ein Effekt bemerkbar mache, würden zwölf bis 14 Tage vergehen.

RND/dpa/epd/ka

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