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Divi zur Lage auf den Intensivstationen: „Es wird wirklich eng werden in den Krankenhäusern“

  • Mehr als 5000 Corona-Patienten müssen in Deutschland aktuell intensivmedizinisch behandelt werden.
  • Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin prognostiziert, dass die Zahl der Corona-Intensivpatienten weiter steigen wird – trotz Lockdown.
  • Zudem beklagen die Krankenhäuser einen zunehmenden Personalmangel.
Laura Beigel
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Berlin. Seit Ende September steigt die Zahl der Corona-Intensivpatienten in Deutschland kontinuierlich. Am Dienstag verzeichnete die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) 5216 Corona-Patienten, die in mehr als 1280 Krankenhäusern intensivmedizinisch behandelt werden müssen. Rund 22.000 Intensivbetten sind derzeit belegt, 4768 sind noch frei.

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Zahl der Corona-Intensivpatienten wird trotz Lockdown steigen

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DIVI-Präsident Prof. Uwe Janssens warnte bei einer Pressekonferenz am Dienstag davor, dass bei weiterhin hohen Infektionszahlen eine „fortgesetzte Grenzsituation auf den Intensivstationen“ in den kommenden Tagen und Wochen beobachtet werden könne. Grund dafür sei auch ein Mangel an Pflegepersonal und Intensivmedizinern. „Ohne ausreichend vorhandenes Personal können die Intensivbetten nicht betrieben werden, Patienten werden keinesfalls adäquat, qualitativ ausreichend versorgt“, machte Janssens deutlich.

„Es wird wirklich eng werden in den Krankenhäusern“, sagte auch Prof. Christian Karagiannidis. Der medizinisch-wissenschaftliche Leiter des DIVI-Intensivregisters prognostizierte zudem, dass die Zahl der Corona-Intensivpatienten weiter steigen wird, „egal, wie gut der Lockdown im Moment funktioniert“. Karagiannidis geht von rund 6000 Corona-Intensivpatienten aus, die in den kommenden Wochen behandelt werden müssen. „Egal, was wir jetzt tun, wir werden stärker belastet werden insgesamt.“

Noch keine Triage notwendig

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Der Ernstfall, dass Patienten triagiert werden müssen, sei bisher noch nicht in Deutschland eingetreten, betonte Prof. Steffen Weber-Carstens, ebenfalls medizinisch-wissenschaftlicher Leiter des DIVI-Intensivregisters. Gleiches hatte die DIVI bereits vor rund einer Woche in einer Pressemitteilung klargestellt. Die Vereinigung hatte damit auf die Triage-Äußerungen des Ärztlichen Direktors des Klinikums Oberlausitzer Bergland reagiert. Dieser hatte in einem Onlineforum behauptet, dass Patienten im Krankenhaus in Zittau wegen fehlender Beatmungsbetten schon mehrfach triagiert worden seien. Diesen Sachverhalt hatte die Klinik später dementiert.

DIVI-Präsident Janssens forderte ferner eine gesetzliche Regelung für Triagesituationen in der Corona-Pandemie. Die derzeitige Rechtsunsicherheit sei für Ärzte „nicht gut zu ertragen“. Zusammen mit sieben weiteren Fachgesellschaften hatte die DIVI den Leitfaden „Entscheidungen über die Zuteilung intensivmedizinischer Ressourcen im Kontext der Covid-19-Pandemie“ veröffentlicht, der die klinische Erfolgsaussicht als wichtigstes Triagekriterium beschreibt.

Kleeblattkonzept wurde im Osten Deutschlands aktiviert

Um Triagesituationen zu verhindern, werden Corona-Patienten zurzeit auch in andere Kliniken verlegt. Weber-Carstens bestätigte, dass im Osten Deutschlands das Kleeblattkonzept bereits aktiviert wurde – also in den Bundesländern Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin.

Es wird ein sehr hartes Weihnachtsfest werden – auch für Pflegekräfte.

Prof. Uwe Janssens, DIVI-Präsident
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Das Kleeblattkonzept unterteilt Deutschland in fünf Regionen, um Patienten innerhalb dieser zu verlegen. Innerhalb des Kleeblatts-Ost werden aktuell 30 Corona-Intensivpatienten verlegt, zehn weitere Patienten werden in Krankenhäuser im Kleeblatt-Nord überwiesen. „Wir sind in diesem Kleeblatt in einem sehr guten Austausch und haben die Möglichkeit auch recht kurzfristig auf diese lokalen Belastungssituationen zu reagieren und eine entsprechende Umverteilung von Patienten zu gewährleisten“, so Weber-Carstens.

Mit Sorge blicken die Intensivmediziner hingegen auf die kommenden Festtage. „Es wird ein sehr hartes Weihnachtsfest werden – auch für die Pflegekräfte“, sagte Janssens. Der DIVI-Präsident ist jedoch davon überzeugt, dass alle Patienten weiterhin bestmöglich behandelt werden können. Gleichzeitig appellierte er an die Bürger, Weihnachten im kleinstmöglichen Familienkreis zu feiern, um Infektionen zu vermeiden.

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Der medizinisch-wissenschaftliche Leiter des DIVI-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, blickt hinsichtlich der Auslastung der Intensivstationen noch ein Stück weiter in die Zukunft: „Ich befürchte ein bisschen, dass uns das nicht nur über Weihnachten hinaus beschäftigen wird, sondern, dass die nächsten drei bis vier Monate extrem hart werden in den deutschen Krankenhäusern.“ Erst zum Frühjahr rechnet er damit, dass das hohe Niveau der Intensivpatienten sinken wird.



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