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  • Digitaler Impfpass: Ansturm auf Apotheken erwartet - zusätzliches Personal gefordert

Ansturm auf digitalen Impfpass in Apotheken erwartet: „Es geht gar nicht ohne zusätzliches Personal“

  • Ab heute dürfen Apotheken den digitalen Impfpass ausstellen, doch nicht alle machen sofort mit.
  • Die Apotheker warnen vor einem Ansturm und rüsten sich mit zusätzlichem Personal.
  • Doch können Apotheken auch die gefälschten Impfpässe erkennen?
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Der digitale Impfpass soll Reisen, Restaurantbesuche und mehr einfacher machen. Vollständig Geimpfte können 14 Tage nach ihrer letzten Impfung den Impfstatus auch digital erhalten. Diesen digitalen Impfpass dürfen nun auch Apotheken ausstellen.

„Das Interesse der Apotheken ist groß“, sagt Christian Splett vom Deutschen Apothekerverband dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Der Verband bietet mit mein-apothekenmanager.de ein Portal an, auf dem die meisten Apotheken mit dem Impfzertifikatangebot auffindbar sein sollen. Der Deutsche Apothekerverband hofft, dass „bald eine vierstellige Zahl an Apotheken über das Portal gefunden werden kann“.

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Splett sagt dem RND: „Wir gehen davon aus, dass es langsam mehr werden.“ Dennoch sollten Bürgerinnen und Bürger erst einmal online nachschauen, welche Apotheken den digitalen Impfpass anbieten. Zwar haben sich bereits rund 70 Prozent der Apotheken auf dem Portal registriert. Doch nicht alle haben sich auch für das Impfzertifikat angemeldet.

Maximal 10 Prozent der Apotheken dabei

Verhalten optimistisch zeigt sich der Vorsitzende des Apothekerverbands Nordrhein, Thomas Preis: „Das kommt alles sehr kurzfristig“, sagte er dem RND. „Maximal 10 Prozent der Apotheken können am Montag starten“, ist seine Einschätzung für die Apotheken in seiner Region. Er rechnet ebenso wie der Deutsche Apothekerverband damit, dass es einen großen Ansturm geben wird. „Wir haben jetzt schon Vorreservierungen in vielen Apotheken in dreistelliger Höhe, und die kommen auch am Montag“, sagt Preis.

Um das digitale Impfzertifikat anbieten zu können, müssen sich Apotheken auf der Plattform des Deutschen Apothekerverbands registrieren. Das Problem dabei: Den Registrierungscode haben die Apotheken bereits im Dezember per Post erhalten. Nun haben offenbar viele Apotheken den Code nicht mehr und müssen ihn erneut anfordern. Das geht unter anderem aus einer Mitteilung des Apothekerverbands Bayern hervor. Auch deshalb können nun offenbar weniger Apotheken das digitale Impfzertifikat anbieten.

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Apothekerverband Nordrhein widerspricht Spahn

Am Donnerstag hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angekündigt, dass bis Ende Juni der digitale Impfpass für alle zur Verfügung steht, die ihn haben wollen. Daran glaubt der Vorsitzende des Apothekerverbands Nordrhein nicht. „Wir erwarten nicht, dass jeder Bürger bis Ende des Monats das Zertifikat auf dem Handy hat“, sagt Preis dem RND.

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Das liege unter anderem daran, dass die Ausstellung der Impfzertifikate sehr viel Zeit in Anspruch nehme. „Ein Kunde wird uns ungefähr zehn Minuten Zeit kosten. Wir brauchen also sehr lange, um die bisher rund 1000 bis 2000 geimpften Kunden pro Apotheke abzuarbeiten.“ Außerdem gebe es einen erheblichen Beratungsbedarf in allen Altersgruppen bezüglich der Nutzung der Corona-Warn-App und der Cov-App und darüber, „wie man den digitalen Impfpass einsetzt“.

Apotheken stocken Personal auf

„Es geht gar nicht ohne zusätzliches Personal in den meisten Apotheken, weil der Ansturm sehr groß sein wird und der Vorgang sehr zeitintensiv ist“, sagt Preis dem RND.

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Der Deutsche Apothekerverband weist darauf hin, dass es bei vielen Apotheken noch offene Fragen gebe. „Sie müssen wissen, was vor Ort genau geprüft werden muss. Das Gesetz fordert die Überprüfung der ‚Impfdokumentation‘ – aber was heißt das? Muss man das gelbe Heft mitbringen oder reichen auch Ersatzdokumente, die ein Impfzentrum ausstellt?“, sagt Christian Splett dem RND. Er kündigt an, den Apotheken Handlungsempfehlungen zur Verfügung zu stellen.

Dringende Bitte: Nicht direkt am Montag kommen

„Wir bitten die Kunden, nicht alle am ersten Tag in die Apotheken zu gehen“, betont Splett. Der gelbe Impfpass sei weiter gültig, und der digitale Impfpass stelle nur eine zusätzliche Möglichkeit dar, seinen Impfstatus auszuweisen, erklärt Splett.

Gefälschte Impfpässe erkennen ist schwierig

Nachdem in der Vergangenheit immer wieder gefälschte Impfpässe aufgetaucht sind, besteht jetzt die Gefahr, dass diese in echte digitale Impfzertifikate umgewandelt werden. Können die Apotheken echte von falschen Impfpässen erkennen? Splett ist zuversichtlich: „Apotheken müssen jedes Jahr Tausende rosa Papierrezepte auf Echtheit prüfen, teilweise mit sehr teuren Medikamenten. Deshalb trauen sie sich auch zu, einen Impfpass zu kontrollieren“, sagt er dem RND.

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Doch wenn die Fälschungen gut gemacht sind, könnten auch Apotheken überlistet werden: „Wenn Sie mit einem perfekt gefälschten gelben Impfpass an der Grenze einen Polizisten überzeugen können, wird das möglicherweise auch in der Apotheke möglich sein. Aber wir gehen davon aus, dass dies Einzelfälle sind“, so Splett.

Apotheker warnt: Massenansturm aus dem Dezember dürfe sich nicht wiederholen

Apotheker Rolf-Günther Westhaus bestätigt für die Essener Apotheken: „Wir haben eine große Nachfrage nach dem digitalen Impfpass.“ Der große Ansturm im Dezember dürfe sich jetzt nicht wiederholen. „Das schaffen wir gar nicht“, sagt er dem RND. Gerade jetzt seien viele Mitarbeiter im Urlaub. Für seine Apotheke habe er extra für Montag eine Mitarbeiterin auf „Stand-by“.

Westhaus hofft, dass am Montag die Ausstellung der digitalen Impfzertifikate klappt. „Das Problem ist, dass die Daten zum RKI geschickt und geprüft werden. Ich hoffe nur, dass der Server das durchhält“, sagt er dem RND.

Regelungen in Bundesländern unterschiedlich

Ob, ab wann und auf welchem Weg neben Apotheken auch Impfzentren oder Ärzte auch Nachweise für die bereits vor der Einführung vollständig geimpften rund 20 Millionen Menschen ausstellen, hängt vom jeweiligen Bundesland ab. In Bayern oder Sachsen-Anhalt etwa sollen Menschen, die bereits in Impfzentren geimpft worden sind, über eigens eingerichtete Websites Zugang zum Zertifikat bekommen. In Baden-Württemberg sollen Impfnachweise laut Gesundheitsministerium im Laufe der nächsten Wochen nachträglich per Post verschickt werden.

In Thüringen hatte die Kassenärztliche Vereinigung am Freitag dagegen klargestellt, dass eine nachträgliche Ausstellung des digitalen Impfpasses für bereits Geimpfte in den Impfzentren und Impfstellen nicht möglich sei, weil der Aufwand nicht zu bewältigen sei. Auch in Nordrhein-Westfalen hatten die Kassenärztlichen Vereinigungen erklärt, dass in den Arztpraxen und Impfzentren zunächst noch keine elektronischen Impfzertifikate ausgestellt werden könnten.

Digitaler Impfpass: Nicht alle Apotheken machen mit

Apotheker Westhaus verweist darauf, dass einige seiner Kollegen auch in Zukunft das Zertifikat wohl nicht anbieten werden. „Viele Apotheken sind so klein, dass sie gar nicht das Personal haben, diesen Service anzubieten“, sagt er im Gespräch mit dem RND. Hinzu komme, dass einige Apotheker gar nicht die Räumlichkeiten hätten oder über die technischen Voraussetzungen verfügen würden. Zudem lohne es sich nicht immer, den Service anzubieten: „Es lohnt sich finanziell erst dann, wenn man zig Impfpässe eingepflegt hat“, so die Einschätzung des Apothekers.

Kritisch sieht Westhaus auch die Überprüfung der gelben Impfpässe: „Hier gibt es viele Ungereimtheiten: Wenn Ärzte die Chargenbezeichnung handschriftlich hinzugefügt haben, dann haben wir gar keine Chance, die Echtheit zu überprüfen. Wir können ja nicht jedes Mal den Arzt anrufen und nachfragen“, so Westhaus gegenüber dem RND. Die Apotheker können sich Mühe geben beim Überprüfen, doch einen gefälschten Impfpass könnten sie „nicht hundertprozentig erkennen“.

mit dpa

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