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Steigende Sieben-Tage-Inzidenz: Wie gefährlich wird die vierte Welle?

  • Die Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen steigt in Deutschland wieder an.
  • Allerdings unterscheidet sich dieser Sommer vom Vorjahr.
  • Worauf kommt es nun an?
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Die Tendenz? Steigend. Die Delta-Variante treibt die Ansteckungen mit dem Coronavirus in Deutschland wieder nach oben. In Zahlen: Anfang der Woche lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 6,4. Am Donnerstag bezifferte das Robert Koch-Institut die zur Beurteilung des Infektionsgeschehens wichtige Kennzahl bereits mit 8,0. Und an diesem Freitag liegt sie bei 8,6 (Stand: 16. Juli).

Ein langsamer Anstieg der Fallzahlen ist bereits seit Anfang Juli zu beobachten. Zwar auf niedrigem Niveau und vorerst nur leicht steigend, aber in nahezu allen Altersgruppen. Auch der Sieben-Tage-R-Wert liegt wieder oberhalb der kritischen Marke von eins, „zuletzt mit leicht steigender Tendenz“, wie das RKI in seinem Situationsbericht vermerkt. Es ist also wahrscheinlich, dass sich die Infektionsdynamik angesichts der Ausbreitung der ansteckenderen Delta-Variante deutschlandweit weiter beschleunigen wird.

Offen ist nur, wie schnell und stark die Ansteckungen unter den noch nicht Geimpften stattfinden werden – und zu wie vielen Erkrankungen mit Covid-19 und in der Folge wohl auch mit Long Covid es diesmal kommen wird.

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Entscheidend ist die Impfquote – also wie viele noch Ungeimpfte im Sommer ihr Impfangebot wahrnehmen werden. Das RKI geht in einer Simulation davon aus, dass es 85 Prozent vollständig geimpfte Zwölf- bis 59-Jährige und 90 Prozent der über 60-jährigen Geimpften braucht, um eine ausgeprägte vierte Welle zu vermeiden. Zusätzlich hängt eine Menge, wie auch im Vorjahr, am eigenen Verhalten. Es bleibe laut RKI notwendig, dass die Bevölkerung weiterhin die Hygienemaßnahmen beibehält und Kontakte reduziert.

Die vierte Welle – anders als 2020

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Das Gute: Dieser Sommer steht unter anderen Vorzeichen als noch zur selben Zeit im vergangenen Jahr. Eine steigende Inzidenz bedeutet nicht mehr automatisch, dass in der Folge auch die Intensivstationen stark belastet werden. Der Grund? Die bereits vollständig Geimpften. Stand 16. Juli sind rund 45 Prozent der Bevölkerung vor Covid-19 geschützt, rund 60 Prozent haben immerhin eine erste Dosis erhalten.

Mehrere Szenarien mit unterschiedlichen Impfquoten als Startpunkt zeigen, dass die Ansteckungen – vorausgesetzt, der Impfschutz bleibt ausreichend – nicht mehr so stark wie im Vorjahr die über 60-Jährigen treffen werden. Eine Dauerwelle mit vergleichbar vielen Todesfällen und Erkrankten wie im Herbst und Winter wird es sehr wahrscheinlich nicht noch einmal geben.

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Entscheidend: Wie schnell steigen die Zahlen?

„Durch die jetzt schon hohe Impfquote der über 60-Jährigen und hoffentlich bald auch der über 50-Jährigen-Generation werden wir deutlich weniger Intensivpatienten mit Covid-19 sehen, selbst dann, wenn die Inzidenzen stark steigen in den jungen Altersgruppen“, sagt Christian Karagiannidis, Intensivmediziner am Klinikum Köln-Merheim, der auch das Divi-Intensivregister betreut. „Das heißt, die Intensivbelegung und Neuaufnahmen bleiben zwar wichtig, aber sie werden durch den Schutz der vulnerablen Gruppen nicht mehr so stark und schnell steigen, sofern sich die vierte Welle nicht zu schnell aufbaut.“

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So sieht das auch die Physikerin Viola Priesemann, die am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation zum Pandemiegeschehen modelliert. „Wenn Deutschland die 200er-Inzidenz (wie im letzten Winter) überschreiten sollte, dann wird das sicherlich (bei den derzeitigen Varianten) kein Problem für die Intensivstationen darstellen“, twitterte sie am Sonntag, wies aber auch darauf hin: „Aber wenn recht bald die oberen Hunderter erreicht werden, dann kann es wegen des relevanten Anteils ungeimpfter Personen auch im KH (Krankenhaus, Red.) wieder enger werden. Und ein guter Anteil dieser Personen hat bisher noch kein Impfangebot wahrnehmen können.“

Das RKI rät vor diesem Hintergrund weiterhin zur Vorsicht. „Die Rücknahme von Maßnahmen sollte aus epidemiologischer Sicht unbedingt schrittweise und nicht zu schnell erfolgen“, heißt es im aktuellen Situationsbericht. Zur Einschätzung der Infektionslage und seinen Gefahren benötige man zudem mehrere „Kernindikatoren“, wie aus einem RKI-Strategiepapier von Juni hervorgeht. Neben der Inzidenz sei das der Anteil intensivmedizinisch behandelter Covid-19-Fälle an der Gesamtzahl der Bettenkapazität, die wöchentliche Inzidenz hospitalisierter Fälle unter den über 60-Jährigen pro 100.000 Menschen und der Anteil der Kontaktpersonen, die nachverfolgt werden können.

„Ich plädiere ebenfalls sehr stark für einen Dreiklang aus Inzidenz (Infektionsdynamik), Intensivbelegung und -neu­auf­nahmen sowie Krankenhausneuaufnahmen“, sagt Intensivmediziner Karagiannidis. Dieser Dreiklang werde dabei helfen, die Situation präziser einschätzen zu können.

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