Die Sehnsucht nach dem Pandemieende wächst

  • Corona hat uns in einen neuen Alltag gestoßen. Wie arrangieren wir uns damit?
  • Das Autorenteam des RND-Newsletters „Die Pandemie und wir“ ordnet die Nachrichten der Woche ein, gibt Einblicke in wissenschaftliche Erkenntnisse und leistet Hilfestellung für die Krisenzeit.
  • In dieser Woche: Die nächste Etappe der Impfkampagne hat begonnen.
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Liebe Leserinnen und Leser,

ich hoffe, Sie hatten ein schönes und frohes Osterfest. So schön und froh, wie es eben unter Corona-Bedingungen sein kann. Sicherlich haben auch Sie Ostergrüße von Bekannten und Verwandten erhalten. Ist Ihnen dabei das Gleiche aufgefallen wie mir? Überall, ob in Briefen oder Whatsapp-Nachrichten, tauchten die Wörter „Corona“, „Pandemie“ und/oder „Krise“ auf. Die beliebteste Formulierung: „Hoffentlich ist die Pandemie bald zu Ende.“

Ein Ende der Pandemie? Bisher klingt diese Formulierung noch nach Science-Fiction. Oder können Sie sich aktuell vorstellen, in einem voll besetzen Kino zu sitzen – ohne Mundschutz, während Ihr Sitznachbar nur knapp 70 Zentimeter entfernt ist? Hinter dem Wunsch nach einem Ende der Pandemie steckt doch in erster Linie die Sehnsucht nach einer Perspektive. Nicht ohne Grund werden Corona-Experten in letzter Zeit häufig mit der Frage konfrontiert: „Wann, glauben Sie, haben wir die Pandemie hinter uns gelassen?“

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Es erscheint geradezu zynisch, über ein Ende der Corona-Pandemie zu spekulieren, während sich die Intensivstationen in Deutschland wieder füllen und ein härterer Lockdown bevorstehen könnte. Trotzdem ist die Vorstellung einer „Prä-Corona-Normalität“ verlockend. Was würden Sie als Erstes machen, wenn die Pandemie vorbei wäre? Ins Restaurant gehen? Sich mit Freunden treffen? Verreisen?

Ich glaube, selbst die einfachsten Dinge werden uns zunächst schwer fallen. Zum Beispiel: Das Haus ohne Mundschutz verlassen. Aber wer freut sich nicht darauf? Um diesem Ziel ein Stück näher zu kommen, wird nun auch in den Hausarztpraxen geimpft. Alle wichtigen Infos zur nächsten Etappe der Impfkampagne finden Sie in diesem Newsletter.

Bleiben Sie hoffnungsvoll!

Laura Beigel

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Erkenntnis der Woche

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Die Corona-Impfkampagne in Deutschland schreitet weiter voran. Seit Dienstag impfen nun auch Hausärzte. Schon am ersten Tag nach den Osterfeiertagen zeigte sich: Die Nachfrage nach den Impfungen ist hoch. „Das Telefon hat fast durchgängig geklingelt“, berichtete Allgemeinmediziner Jens Wagenknecht meinem Kollegen Ben Kendal. Patienten müssen sich zu Beginn jedoch darauf einstellen, nicht gleich zum Zug zu kommen. In der ersten Woche stehen allen Praxen zusammen 940.000 Impfdosen zur Verfügung, ab Ende April sollen es mehr als drei Millionen Dosen wöchentlich sein.

Verimpft wird in den Hausarztpraxen zunächst nur der Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer. Bald sollen Patienten bei ihren Hausärzten auch die Corona-Vakzine von Astrazeneca sowie von Johnson & Johnson erhalten. Impfungen mit dem mRNA-Impfstoff von Moderna sind erst einmal nicht möglich. Grund dafür sind logistische Herausforderungen.

Doch wer wird in den Hausarztpraxen zuerst geimpft? Der Hausärzteverband hatte sich bereits dafür ausgesprochen, die Impfpriorisierung zu vernachlässigen, sobald genügend Impfdosen verfügbar sind. Bis jetzt ist das jedoch noch nicht der Fall. Damit stellt sich gleich die nächste Frage: Wann können Patienten überhaupt mit einem Impftermin rechnen? Wir haben für Sie die Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Impfstart in den Hausarztpraxen zusammengefasst.

Alltagswissen

Weggeworfene Schutzmasken und Einmalhandschuhe gehören inzwischen zum Straßenbild wie Tauben und Graffiti. Sie liegen verdreckt in den Straßenrinnen, haben sich in Büschen und Bäumen verfangen oder werden von der Flussströmung mitgerissen. Der Corona-Müll verschmutzt nicht nur die Umwelt, sondern stellt auch eine Gefahr für Wild- und Haustiere dar.

„Einmalmasken werden Hunderte von Jahren brauchen, um sich zu zersetzen“, erklären die Biologen Auke-Florian Hiemstra und Liselotte Rambonnet im RND-Interview. „Wir müssen davon ausgehen, dass sie in den kommenden Jahrzehnten, vielleicht sogar für Jahrhunderte, Tieren schaden werden.“ Katzen, Hunde, Vögel, Kleintiere und Fische verfangen sich in dem Müll, verschlucken ihn oder benutzen Masken und Handschuhe als Nistmaterial.

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Ob auf dem Boden oder in den Bäumen – achtlos weggeworfene Schutzmasken finden sich inzwischen überall. © Quelle: Pixabay

„Unser Einmalmaskenverbrauch schadet Tieren und wir müssen vorsichtiger und umsichtiger werden“, mahnen die Forscher. Benutzte Masken und Einmalhandschuhe sollten also nicht einfach achtlos fallen gelassen, sondern ordnungsgemäß entsorgt werden. Wichtig: Beides gehört in den Restmüll und nicht in den gelben Sack oder in die gelbe Tonne. Tipps zur Wiederverwendung von FFP2-Masken finden Sie hier.

Zitat der Woche

Mit jeder Impfung rückt das Pandemieende näher!

Prof. Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, nachdem er sich mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca impfen ließ.

Forschungsfortschritt

Corona-Experten wie die Virologin Melanie Brinkmann und die Physikerin Viola Priesemann fordern schon seit Längerem, dass Deutschland eine No-Covid-Strategie verfolgen sollte. Diese sieht unter anderem vor, die Infektionszahlen so schnell wie möglich auf null zu senken und mit einem Grüne-Zonen-Konzept den Wiedereintrag des Virus zu verhindern. Dadurch könnten zudem volkswirtschaftliche Schäden deutlich reduziert werden, hat das französische Institut Economique Molinari jetzt herausgefunden.

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Die Ökonomen verglichen die Gesundheitsdaten und Daten zur Lage der Konjunktur von 13 Ländern, darunter die zehn größten Wirtschaftsnationen und OECD-Staaten. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass das Bruttosozialprodukt in No-Covid-Ländern 2020 um durchschnittlich 1,2 Prozent zurückging. In Ländern, die auf andere Eindämmungsstrategien gesetzt hatten, zeigte sich hingegen ein Rückgang von rund 3,3 Prozent. Die Wissenschaftler schlussfolgern daraus, dass sich Länder bei der Virusbekämpfung nicht zwischen dem Schutz der Wirtschaft und dem Schutz von Menschenleben entscheiden müssten. Die No-Covid-Strategie zeige, dass beides möglich ist.

Die Pandemie und wir Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.

Pandemie im Ausland

Beinahe täglich verzeichnet das Gesundheitsministerium in Ankara neue Rekordwerte bei den Corona-Neuinfektionen. Im Januar war es der türkischen Regierung noch gelungen, das Infektionsgeschehen mithilfe von strikten Kontaktbeschränkungen unter Kontrolle zu bringen. Drei Monate später ordnete Staatschef Recep Tayyip Erdogan jedoch Lockerungen an: Die Gastronomie durfte wieder öffnen, Ausgangssperren wurden aufgehoben. Dies ebnete den Weg für eine dritte Corona-Welle. 58 der 81 Provinzen sind inzwischen Hochrisikogebiete, in denen an den Wochenenden Ausgangssperren gelten. Eine Maßnahme, die Mitte April, wenn der Fastenmonat Ramadan beginnt, aufs ganze Land ausgeweitet werden soll.

Was kommt

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat Diskussionen um mehr Freiheiten für Geimpfte angeheizt. Ginge es nach ihm, dürfen Menschen, die vollständig gegen das Virus geimpft sind, bald auf Lockerungen hoffen: „Wer vollständig geimpft wurde, kann also in Zukunft wie jemand behandelt werden, der negativ getestet wurde“, sagte Spahn der „Bild am Sonntag“.

Seiner Äußerung vorausgegangen war ein Bericht des Robert-Koch-Instituts. Darin hieß es: „Nach gegenwärtigem Kenntnisstand ist das Risiko einer Virusübertragung durch Personen, die vollständig geimpft wurden, spätestens zum Zeitpunkt ab dem 15. Tag nach Gabe der zweiten Impfdosis geringer als bei Vorliegen eines negativen Antigen-Schnelltests bei symptomlosen infizierten Personen.“ Spahn will nun mit den Länderchefs Konzepte erarbeiten, die beispielsweise vollständig Geimpfte von der Quarantänepflicht befreien könnten.

Mit seiner Einschätzung ist das Robert-Koch-Institut nicht allein. Auch das US-amerikanische Center für Disease Control verwies auf vorläufige Daten, denen zufolge der Impffortschritt mehr Freiheiten ermöglichen könnte. Gleichzeitig warnte die Behörde jedoch davor, dass noch unklar sei, wie gut die Impfstoffe vor Virusmutationen schützen. Darauf wies ebenfalls die europäische Gesundheitsbehörde ECDC hin.

Was die Pandemie leichter macht

In einem Glückstagebuch lassen sich positive Erlebnisse festhalten. © Quelle: Getty Images/iStockphoto

Maskenmangel, Hamsterkäufe, fehlende soziale Kontakte, Lockdown, Impfstoffchaos ... Es gibt viele Dinge, die während der Corona-Pandemie nicht gut gelaufen sind. Fokussieren wir uns jedoch nur auf die negativen Dinge, verlieren wir die positiven aus den Augen. Zum Beispiel ist es innerhalb eines Jahres gelungen, wirksame Impfstoffe gegen Covid-19 zu entwickeln. Unser Alltag hat sich entschleunigt. Wir haben plötzlich Zeit für Dinge, die vorher nie einen Platz auf unserer Tagesordnung hatten. Solidarität und Hilfsbereitschaft haben Einzug gehalten.

Gerade in Krisenzeiten ist es wichtig, negative Denkmuster abzulegen. Doch wie geht das? Psychotherapeut Andreas Hagemann rät, ein Glückstagebuch zu führen. „Dafür setzt man sich jeden Abend für ein paar Minuten hin und reflektiert, was einen am Tag glücklich gemacht hat“, erklärt er. Schon im Kleinen lässt sich unser Glücksempfinden steigern. Dafür kann es beispielsweise reichen, wenn wir jemand anderem von unseren positiven Erlebnisse erzählen.

Falls Sie Anregungen oder Kritik haben, melden Sie sich gerne direkt bei unserem Redaktionsteam: magazin@rnd.de Wir freuen uns!

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