Die Rückkehr zur Normalität ist überraschend schwer

  • Seit gut eineinhalb Jahren prägt die Corona-Pandemie unser Leben. Wie geht es nun weiter?
  • Das Autorinnenteam des RND-Newsletters „Die Pandemie und wir“ ordnet die Nachrichten der Woche ein, gibt Einblicke in wissenschaftliche Erkenntnisse und zeigt Wege in den postpandemischen Alltag.
  • In dieser Woche: Ende der epidemischen Lage, Ende der Pandemie?
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Liebe Leserinnen und Leser,

eigentlich muss man im Rijksmuseum in Amsterdam keine Masken tragen. In den Niederlanden gilt die Maskenpflicht nur noch im öffentlichen Nahverkehr. Und so laufen die allermeisten Touristen und Touristinnen ganz ohne Mund-Nasen-Bedeckung an den Bildern von Rembrandt und Vermeer vorbei. In den leeren, weiten Räumen des Museums, wo nicht allzu viel los ist, ist das tatsächlich ganz angenehm. Doch spätestens vor „Nachtwache“ und „Dienstmagd mit Milchkrug“ staut es sich dann doch. Die meisten Menschen scheint das nicht zu stören – mich schon.

Als die Pandemie noch ganz am Anfang stand, da war die „neue“ Realität ein beliebtes Schlagwort. Es fasste ganz gut die Erfahrung zusammen, dass sich gerade unser Alltag fundamental verändert. Masken, Tests, Homeoffice, Kontaktbeschränkungen, an das alles musste man sich erst einmal gewöhnen. Manchen fiel das ganz leicht, anderen schwer. Ich persönlich scheine, wie ich in Amsterdam festgestellt habe, nun eher ein Problem damit zu haben, die Maske einfach wieder wegzulassen. Auch große Menschenmassen fühlen sich für mich noch ungewohnt und irgendwie nicht ganz richtig an.

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Ich denke, daran zeigt sich: Auch die Rückkehr in die „alte“ Normalität wird Arbeit sein. Wie schnell wohl das alte Gefühl der Normalität wieder zurückkommt? Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg könnte das Ende der epidemischen Lage nationaler Tragweite sein. Zumindest aus politischer Sicht. Warum Expertinnen und Experten das jedoch auch kritisch sehen und wieso das nicht das Ende aller Maßnahmen bedeutet, lesen Sie in diesem Newsletter.

Bleiben Sie stark!

Anna Schughart

Die Pandemie und wir Unser Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise ‒ jeden Donnerstag.
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Erkenntnis der Woche

Seit rund eineinhalb Jahren befindet sich Deutschland im Corona-Ausnahmezustand. Damals stellte der Bundestag die sogenannte epidemische Lage fest. Sie ermöglicht es den Regierungen von Bund und Ländern, ohne Zustimmung der Parlamente Schutzmaßnahmen anzuordnen. Doch Ende November könnte diese besondere Situation laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn beendet werden. Das heißt jedoch nicht, dass dann auch keine Corona-Maßnahmen mehr gelten – oder nötig wären. „Kein Bundesland wäre so verrückt, bei den derzeitigen Fallzahlen auf Zugangsbeschränkungen für geschlossene Räume zu verzichten oder die Maskenpflicht in Bus und Bahn zu begraben“, sagte etwa der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

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Michael Hallek, Leiter der Klinik I für Innere Medizin an der Kölner Uniklinik, kritisierte die Entscheidung trotzdem als „völlig falsches Signal“. Die Situation sei nicht besser als Anfang September, die Zahl der Infektionen bei Kindern sei noch sehr hoch, die Datenlage zu Long Covid widersprüchlich. Das Ende der pandemischen Lage sei daher in seinen Augen „keine wissenschaftlich-objektive Feststellung, sondern eine politische Entscheidung“.

Pandemie in Zahlen

Alltagswissen

Menschen, die ein hohes Risiko haben, schwer an Corona zu erkranken, sollten sich ein drittes Mal impfen lassen. Das empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko). Dazu zählen zum Beispiel Menschen, die älter als 70 Jahre sind oder deren Immunsystem geschwächt ist – beispielsweise durch Vorerkrankungen. Aber auch Personal, Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeeinrichtungen oder Menschen, die in gesundheitlichen Einrichtungen arbeiten, sollten das Angebot der Boosterimpfung wahrnehmen.

Wer zwei Impfdosen von Biontech/Pfizer oder Moderna erhalten hat, dem empfiehlt die Stiko, bei der Auffrischungsimpfung den gleichen Impfstoff noch einmal zu nehmen. Wer vollständig mit Astrazeneca oder Johnson & Johnson geimpft wurde, erhält als Auffrischung einen mRNA-Impfstoff. Für das weitere Vorgehen sollte man Kontakt mit dem Hausarzt oder der Hausärztin aufnehmen.

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Zitat der Woche

Wir stolpern in eine Krise.

Matthew Taylor, Leiter der NHS Confideration, die das Gesundheitssystem in England, Wales und Nordirland präsentiert, über die steigenden Corona-Zahlen

Forschungsfortschritt

Es war lange eines der Rätsel dieser Pandemie: Rauchen gilt als Risikofaktor für schwere Verläufe von Covid-19. Aber es gibt auch Untersuchungen, die zeigen, dass Raucher und Raucherinnen sich womöglich seltener infizieren. Neue Studien lösen den scheinbaren Widerspruch nun auf, erklärt unsere Autorin Irene Habich.

Demnach ist beides möglich: Rauchende könnten sich seltener infizieren, etwa weil der Rachen bei Rauchenden gereizt ist und es dort mehr Immunaktivität gibt. Im Fall einer Infektion erkranken Raucher und Raucherinnen aber häufiger schwerer. Auch das Risiko, an einer Covid-19-Erkrankung zu versterben, ist laut einer Studie zwei- bis sechsmal so hoch. Klar ist in jedem Fall: Die allgemeinen gesundheitlichen Nachteile durch das Rauchen sind so stark, dass niemand empfehlen würde, zum Schutz vor Corona zu rauchen.

Pandemie im Ausland

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„Die Mehrheit der Patienten auf der Intensivstation in ernstem Zustand ist ungeimpft“, berichtet ein Moskauer Arzt. © Quelle: Alexander Zemlianichenko/AP/dpa

Russland steht ein harter Corona-Winter bevor. Die Zahl der Neuinfektionen steigt, die Zahl der Toten auch – trotzdem ist bisher nur ein Drittel der Russen und Russinnen gegen Covid-19 geimpft. An Impfstoff mangelt es nicht, nur an der Impfbereitschaft. Politiker wie Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin versuchen daher, immer neue Anreize zu setzen. Doch das Misstrauen gegenüber der eigenen Pharmaindustrie sitzt tieft, berichtet unser Korrespondent Paul Katzenberger. „In Russland vertrauen Verantwortliche oft eher der Meinung ihrer Saunafreunde als der Wissenschaft“, sagt etwa der Epidemiologe Wassilij Wlassow von der Wirtschafts­hochschule Moskau.

Nun verschärfen zahlreiche Regionen in Russland wieder die Maßnahmen. Präsident Wladimir Putin teilte am Mittwoch mit, er unterstütze den Vorschlag des Kabinetts, eine arbeitsfreie Periode ab Samstag, 30. Oktober, einzuführen. Sie solle bis zum 7. November gehen. In dieser Woche gibt es ohnehin vier staatliche Feiertage.

Was kommt

Im vergangenen Jahr ist eine Grippewelle wegen der Corona-Regeln nahezu ausgeblieben. Und dieses Jahr? „Wir wissen nicht ganz genau, wie die nächsten Wochen und Monate aussehen werden“, erklärt Sabine Wicker, stellvertretende Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, im RND-Interview. Verlässliche Prognosen zum Verlauf der Grippesaison seien nicht möglich. Die Expertin rechnet aber in jedem Fall damit, dass es mehr Influenzafälle geben wird als 2020.

Auch eine Grippeinfektion kann zu schweren oder gar tödlichen Verläufen führen. „Impfen sollten sich alle über 60-Jährigen und all diejenigen, die Vorerkrankungen haben“, rät Wicker. Das gilt auch für immungeschwächte Menschen und Schwangere. „Sie haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf.“

Was die Pandemie leichter macht

Zu klassischen Halloweendekorationen zählen Kürbisse, Spinnen, Spinnennetze, Skelette und Fledermäuse. © Quelle: NeONBRAND/Unsplash

Schwarze Kerzen flackern, Kürbisse zeigen groteske Grimassen und auf dem Büfett bluten Würstchenfinger und Puddinggehirne um die Wette. In schauriger Atmosphäre lässt sich am 31. Oktober bestens Halloween feiern. RND-Autorin Sarah Franke hat Tipps und Tricks gesammelt, mit denen Ihre Party ein unheimlicher Erfolg wird.

Ganz wichtig ist beispielsweise die richtige Atmosphäre: In einem hell erleuchteten Saal kommt keine Gruselstimmung auf. Deshalb: Fenster so gut es geht abdunkeln oder gleich in einem Keller feiern. Licht spenden flackernde Kerzen (Wachs oder LED) oder einzelne Tisch- und Stehlampen. Trotz Dunkelheit sollte man aber darauf achten, regelmäßig zu lüften.

Was sonst noch wichtig ist

Kopfhörer auf, Welt raus. Doch so praktisch sie sind: Werden Kopfhörer falsch angewendet, können sie die Ohren und das Hörvermögen schädigen. Vor allem In-Ear-Kopfhörer – also Kopfhörer, die direkt im Gehörgang platziert werden – bergen Risiken, erklärt der Hals-Nasen-Ohren-Arzt Bernhard Junge-Hülsing. „Sie dichten das Ohr nach außen ab, lassen also keine Nebengeräusche zu und haben nur einen geringen Abstand zum Trommelfell.“ Beim Musikhören mit Kopfhörern sollte grundsätzlich eine hohe Lautstärke vermieden werden – das gilt auch für Kopfhörer, die über dem Ohr getragen werden.

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