Warum sterben Männer häufiger am Coronavirus?

  • Obwohl sich Männer und Frauen gleich häufig mit dem Coronavirus infizieren, nimmt die Erkrankung bei Männern meistens einen schwereren Verlauf.
  • Laut Robert-Koch-Institut sind zwei Drittel der Todesopfer in Deutschland männlich.
  • Eine chinesische Studie untersucht den Einfluss des Alters und Geschlechts auf die Sterberate aufgrund des Coronavirus.
Michèle Förster
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Wenn Männer an Covid-19 erkranken, leiden sie deutlich mehr. Und dieser Geschlechterunterschied hat nichts mit Befindlichkeiten zu tun. Denn während sich Frauen und Männer in Deutschland etwa gleich häufig mit dem Coronavirus infizieren, sind laut Robert-Koch-Institut (RKI) zwei Drittel der Todesopfer männlich.

Studie: Alter und Geschlecht haben Einfluss auf Krankheitsverlauf

In einer Auswertung des “Chinese Centre for Disease and Prevention” untersuchten Wissenschaftler bereits Mitte Februar die Zusammenhänge von Alter, Geschlecht und Sterblichkeit bei Covid-19. Die Wissenschaftler werteten Daten von mehr als 44.000 chinesischen Infizierten aus. Dabei zeigte sich, dass ältere Erkrankte ein höheres Sterberisiko haben. Besonders deutlich wird der Einfluss des Alters auf den Ausgang der Infektion bei Patienten ab einem Alter von 80 Jahren: Mit 14,8 Prozent haben sie eine sehr hohe Sterblichkeitsrate.

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Darüber hinaus kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass rund 64 Prozent der damals erfassten Corona-Todesopfer in China Männer waren. Die Sterblichkeitsrate der Frauen war mit 1,7 Prozent niedriger als die der Männer mit 2,8 Prozent. Das Risiko, an einer Covid-19-Infektion zu sterben, scheint neben dem Alter und vorhandenen Grunderkrankungen wie Diabetes oder Atemwegserkrankungen demnach auch vom Geschlecht abzuhängen.

Sterblichkeit von Männern in Deutschland ist höher

Auch in Deutschland zeichnet sich dieser landesspezifische Trend ab. Laut aktuellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom 2. April sind 872 Menschen an einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Davon waren 567 Personen männlich (65 Prozent) und 304 weiblich (35 Prozent). Während die Infektionsrate bei beiden Geschlechtern nahezu identisch ist (Männer: 52 Prozent, Frauen: 48 Prozent), sterben Männer in Deutschland deutlich häufiger am Virus. In der Altersgruppe der unter 60-Jährigen sowie der 70- bis 79-Jährigen verstarben Männer sogar mit einer viermal höheren Wahrscheinlichkeit.

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Einen ähnlichen Unterschied zwischen den Geschlechtern stellten Wissenschaftler bei einer Auswertung der Sars-Epidemie, die 2003 in Hongkong ausgebrochen war, fest. Auch hier war die Sterblichkeit von Männern deutlich höher als die der Frauen. Für die Studie wertete das internationale Forschungsteam den Verlauf von 1755 Infektionen aus.

Leben Männer einfach ungesünder?

Auch bei anderen Infektionskrankheiten wie Grippe oder HIV sind Männer stärker betroffen. Für dieses Phänomen haben Wissenschaftler verschiedene Erklärungsansätze. In einer 2009 veröffentlichten Studie konnten kanadische Forscher bereits nachweisen, dass der unterschiedliche Hormonhaushalt von Männern und Frauen eine Rolle spielt. Weil Östrogen eine abwehrstärkende Wirkung hat, kann das weibliche Immunsystem schneller auf Krankheitserreger reagieren.

Denkbar ist auch der Ansatz, laut dem es auch beim allgemeinen Gesundheitszustand Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Eine Studie des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahr 2014 legt offen, dass “sich Männer und Frauen in Bezug auf Gesundheit und Krankheit deutlich unterscheiden”. Oder anders gesagt: Männer leben schlicht ungesünder. In China manifestiert sich dieses Bild noch durch die hiesige Raucherstatistik, der zufolge nur 3 Prozent der Frauen und mehr als die Hälfte der Männer rauchen. Da Raucher häufig an einer geschwächten Lungenfunktion leiden, gehören auch sie zur Covid-19-Risikogruppe.

In Deutschland ist diese These jedoch nicht haltbar. “Teilweise rauchen hier sogar die Frauen öfter. Deshalb ist die Bedeutung des Rauchens für die geschlechtsspezifischen Unterschiede noch nicht so klar festzumachen”, argumentiert der Hamburger Virologe Marcus Altfeld gegenüber dem “Spiegel”. Wahrscheinlicher sei hingegen, dass das Zusammenwirken mehrerer dieser Faktoren für eine höhere Sterblichkeit sorgt. Das herauszufinden wird jedoch Aufgabe der Forschung sein.

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