Der zweite Lockdown nervt

  • Corona hat uns in einen neuen Alltag gestoßen. Wie arrangieren wir uns damit?
  • Das Autorenteam des RND-Newsletters „Die Pandemie und wir“ ordnet die Nachrichten der Woche ein, gibt Einblicke in wissenschaftliche Erkenntnisse und leistet Hilfestellung für die Krisenzeit.
  • In dieser Woche: Womit wir dieses Jahr rechnen müssen.
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Liebe Leserinnen und Leser,

eine große Lockdown-Müdigkeit macht sich breit. Vor allem Menschen, die zu Hause kleine Kinder betreuen müssen, können da wohl oftmals nur noch völlig erschöpft und mitunter auch resigniert zustimmen. Aber auch für alle anderen ist derzeit alles noch ein bisschen anstrengender als sonst. Im ersten Lockdown war das ganze Prozedere – trotz Ernsthaftigkeit der Lage – ein bisschen aufregend. Alles war neu, Kreativität und Innovation waren gefragt, und der Sommer stand praktisch fast schon vor der Tür.

Dieses Mal ist das anders. Die Wohnungen sind ausgemistet, der Garten bietet noch nicht allzu viel Beschäftigung, die Spazierrouten in der näheren Umgebung sind bekannt. Hinzu kommt, dass vieles, das im ersten Lockdown noch ruckelte, eigentlich inzwischen besser laufen sollte. Tut es aber nicht, wenn man sich die großen Schwierigkeiten anschaut, mit denen diese Woche viele Schüler und Schülerinnen ins Homeschooling starten mussten. Gleichzeitig zeichnet sich in diesen ersten Wochen des Jahres ab: Auf schnelle Abhilfe wird man wohl vergebens hoffen. Im Gegenteil, Deutschland stehen weitere, harte Wochen bevor. Heute (Stand: 14. Januar) erreichten die Todesfallzahlen einen neuen Höchststand.

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Was also tun? Psychologen raten in solchen Zeiten zum Beispiel, sich klar zu machen, dass die Situation auch irgendwann ein Ende hat. Klare Strukturen im Alltag helfen auch. Zudem solle man bewusst nach dem suchen, was einem gut tue: Wo kann ich Kraft tanken, was entspannt mich, was macht mir Freude, was gibt mir Energie? Einige Tipps gegen den Lockdown-Frust haben wir in diesem Newsletter gesammelt.

Bleiben Sie stark!

Anna Schughart

Die Pandemie und wir Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.
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Erkenntnis der Woche

Das wird kein einfaches Jahr. RND-Redakteurin Saskia Bücker hat einen Blick auf die kommenden Monate geworfen und beschreibt, womit Deutschland 2021 rechnen sollte. Simple Antworten gibt es auf diese Frage nicht, denn viele verschiedene Faktoren spielen dabei eine Rolle. Momentan befindet sich Deutschland in einem Wettlauf gegen die Winterwelle. Eine große Rolle kommt dabei den Impfstoffen zu. Diese Woche ist mit Moderna der zweite zugelassene Impfstoff in Deutschland angekommen, weitere werden wahrscheinlich bald folgen.

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Trotzdem müssen wir in den kommenden Wochen wohl noch mit vielen Covid-19-Patienten und auch Toten rechnen – zumindest bis in den Sommer. Dann kann Deutschland wieder auf den Temperatureffekt hoffen. Doch über all dem schwebt eine große Unbekannte: die Mutationen des Virus. Die neuen Virusvarianten aus Großbritannien und Südafrika könnten den Verlauf der Pandemie noch einmal auf den Kopf stellen. B.1.1.7 wurde laut RKI inzwischen bei 16 Fällen nachgewiesen, die Variante aus Südafrika ist in dieser Woche bereits vier Mal in Deutschland nachgewiesen worden.

Alltagswissen

Masken sind Teil des Alltags geworden. Doch dabei gibt es einiges zu beachten. Einwegmasken beispielsweise sollte man wirklich auch nur einmal tragen. Durch mehrfaches Tragen zerfusseln die Masken nämlich und können dann zu gesundheitlichen Risiken führen. „Gealterte Einwegmasken können mehr Fasern freisetzen als neue Masken“, sagt Robert Landsiedel, stellvertretender Vorsitzender der Gesellschaft für Toxikologie. Die Fasern gelangten zwar in der Regel nicht in die tieferen Atemwege und könnten daher dort auch keine schädliche Wirkung entfalten. „Sie können jedoch möglicherweise die Haut, die Schleimhäute und die oberen Atemwege reizen.“

Auch beim Tragen von FFP2-Masken, die in Bayern ab kommender Woche im Einzelhandel und Nahverkehr zur Pflicht werden, muss man einiges beachten. So können sie nur vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen, wenn sie eng anliegen. „Sobald die FFP2-Maske nur ein bisschen feucht ist, muss sie sofort gewechselt werden. Das ist noch wichtiger als bei einem einfachen Mund-Nasen-Schutz“, betont der Virenexperte Alexander Kekulé.

Zitat der Woche

Natürlich ruckelt es bei der größten Impfkampagne der Geschichte.

Gesundheitsminister Jens Spahn verteidigt den europäischen Weg bei der Impfstoffbeschaffung.
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Forschungsfortschritt

Experten raten zur Vorsicht bei Antigenschnelltests. Diese seien häufig unzuverlässig. „Nach unseren Untersuchungen werden nur sechs von zehn Sars-Cov-2-Infektionen erkannt“, berichtet unter anderem Oliver Keppler, Chef der Virologie am Max-Pettenkofer-Institut der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. „Anderseits erhalten auch zwei von hundert nichtinfizierten Personen ein falsch-positives Ergebnis.“

Pandemie im Ausland

Vom Musterland zum Sorgenkind: Trotz Ausgangssperren zu Weihnachten und geschlossenen Pubs leidet die Republik Irland mit ihren nur 4,904 Millionen Einwohnern unter massiven Anstiegen bei den Corona-Zahlen. Dabei hatte das Land das Infektionsgeschehen bis in den September ganz gut im Griff. Im Land wächst nun die Sorge, dass die rapide ansteigenden Zahlen etwas mit der britischen Coronavirus-Mutation zu tun haben könnten.

Die sonst äußerst belebte Grafton Street, Dublins Haupt-Einkaufsstraße, im Januar 2021. © Quelle: Brian Lawless/PA Wire/dpa

Was kommt

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Der schwedisch-britische Pharmakonzern Astrazeneca hat die Zulassung seines Corona-Impfstoffes bei der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA beantragt. Der Impfstoff könnte nach Einschätzung der EU-Kommission Ende Januar zugelassen werden und wäre damit nach den Wirkstoffen von Biontech/Pifzer und Moderna das dritte in der EU eingesetzte Vakzin. Anders als diese Impfstoffe gehört das Präparat von Astrazeneca nicht zu den sogenannten mRNA-Impfstoffen.

Der vielversprechende Wirkstoff AZD1222 beruht auf der abgeschwächten Version eines Erkältungsvirus von Schimpansen. Es enthält genetisches Material eines Oberflächenproteins, mit dem der Erreger Sars-CoV-2 an menschliche Zellen andockt. Ein großer Vorteil des Impfstoffes ist, dass man ihn den Angaben zufolge bei Kühlschranktemperaturen von zwei bis acht Grad aufbewahren kann. Außerdem ist das Mittel Berichten zufolge viel preiswerter als die von Biontech oder Moderna.

Was die Pandemie leichter macht

Wenn die Katze genauso gelangweilt vom Lockdown-Leben ist, kann man sie (und sich selbst) mit Clickertraining beschäftigen. © Quelle: Unsplash

Spaziergänge und Meditations-Apps reichen nicht mehr, um die Langeweile im Lockdown zu vertreiben? RND-Autorin Sarah Franke hat zehn Tipps gesammelt, die Sie lange beschäftigen werden. Vom wirklich gründlichen Ausmisten bis zum Geocoaching.

Der Jahresbeginn und der Lockdown können außerdem ein Anlass sein, sich mit den eigenen Finanzen auseinander zu setzen. Der Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen rät: Ein Glas guten Wein oder Saft aufmachen, dann die Kontoauszüge auf den Tisch legen und einmal alle Posten durchgehen. So schafft man sich ein Ritual, das idealerweise alle zwei bis vier Wochen wiederholt wird. Weitere Tipps, wie Sie im neuen Jahr sparsamer haushalten, verraten wir hier.

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