Der Winterfahrplan steht – aber jetzt kommt auch noch Omikron

  • Seit fast zwei Jahren prägt die Corona-Pandemie unser Leben. Wie geht es nun weiter?
  • Das Autorinnenteam des RND-Newsletters „Die Pandemie und wir“ ordnet die Nachrichten der Woche ein, gibt Einblicke in wissenschaftliche Erkenntnisse und zeigt Wege in den postpandemischen Alltag.
  • In dieser Woche: neue Corona-Regeln vor allem für Ungeimpfte, mit neuer Variante im Nacken.
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Liebe Leserinnen und Leser,

die vierte Welle muss gebrochen werden. Das betonte Angela Merkel gestern bei ihrer wohl letzten Rede nach einer Konferenz zwischen Bund und Ländern. „Das Niveau ist immer noch viel zu hoch“, sagte die Kanzlerin mit Blick auf die aktuellen Fallzahlen und verkündete den Winterfahrplan. Die neuen Regeln treffen vor allem Menschen ohne Immunschutz.

Denn die 2G-Regel greift jetzt bundesweit für den Einzelhandel, Kultur und Freizeitangebote. Zutritt haben dort nur noch Geimpfte und Genesene. Ausgenommen sind Läden des täglichen Bedarfs wie Supermärkte, Drogerien, Apotheken. Treffen im privaten und im öffentlichen Raum, an denen mindestens ein Ungeimpfter teilnimmt, sind in allen Ländern auf den eigenen Haushalt und zwei Personen eines anderen Haushalts zu beschränken. Zusätzlich gibt es Besucherlimits für Großveranstaltungen, Alarmschwellen für Discos, Clubs und Feiern. Eine Impfpflicht steht im Raum, eine Kopplung des Impfstatus’ an die Booster-Impfung.

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Reichen die Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte?

Der Lockdown für alle ist damit vorerst ausgeblieben. Wie schnell die Zahlen mit den neuen Regeln deutlich sinken, wird sich aber erst in den kommenden Wochen zeigen. Um die Welle zu brechen, empfiehlt das RKI, dass ab sofort „jeder Bürger und jede Bürgerin möglichst alle anwendbaren Maßnahmen“ umsetzt und „alle nicht notwendigen Kontakte reduziert“. Das umfasst auch Geimpfte und Genesene. Divi-Präsident Gernot Marx, der Vorsitzende der Intensivmediziner und Intensivmedizinerinnen, betont ebenfalls: „Wir brauchen deutliche Kontaktbeschränkungen, aktuell tatsächlich am besten für alle.“ Es sei aber auch wichtig und richtig, dass nun bundeseinheitliche Maßnahmen und Grenzwerte beschlossen worden sind.

Und dann ist da noch die Unbekannte. Omikron heißt die neue Virusvariante. Sie macht parallel zur vierten Welle Sorge. Die Lage ist durch ihr Auftauchen und die mögliche Verbreitung aber nicht hoffnungslos. Wir fangen auch nicht plötzlich wieder bei null an, stehen wieder am Anfang der Pandemie. Mehr dazu erfahren Sie in unserer Rubrik „Erkenntnis der Woche“.

Bleiben Sie stark!

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Saskia Heinze

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Erkenntnis der Woche

Die Virusvariante Omikron tauchte vor wenigen Tagen zuerst in Südafrika auf. Beim näheren Hinschauen wurden auch schon hierzulande ein Dutzend erster Fälle entdeckt. Virologinnen und Virologen sind von dieser Mutante mit mehr als 30 relevanten Veränderungen überrascht. Sie könnte noch ansteckender als Delta sein und den Immunschutz stark umgehen. Sie könnte sich auch schon um Weihnachten und Silvester herum stärker in Deutschland bemerkbar machen und in einigen Monaten europaweit dominant sein, fürchten Fachleute.

Hinter all den Negativschlagzeilen versteckt sich aber auch eine gute Nachricht: Die Impfung bleibt in der Delta-Welle wie auch bei Omikron das Mittel der Wahl. „Unter Fachleuten glaubt im Moment niemand, dass die Impfung plötzlich komplett nutzlos wird“, erklärte uns diese Woche der Virologe Jörg Timm. Ein Basisschutz sei immer gegeben, auch wenn die Impfung weniger wirksam werde. „Man ist wirklich gut beraten, das Immunsystem einmal zu trainieren, bevor man auf das Virus trifft.“ Es spiele bei der Impfentscheidung keine große Rolle, welche Variante gerade zirkuliert. Sollte dann doch noch das Worst-Case-Szenario eintreten, wird schon jetzt an Lösungen gearbeitet. Moderna und Biontech haben angekündigt, Auffrischimpfungen zu entwickeln, die speziell auf Omikron gepolt sind.

Pandemie in Zahlen

Alltagswissen

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Im Zuge der neu vereinbarten Corona-Regeln kommt auch die 2G-plus-Regel häufiger zum Einsatz. Das ist ein Instrument bei regional besonders kritischer Infektionslage. Die Regel soll überall dort in Kraft treten, wo der Hospitalisie­rungswert den fünften Werktag in Folge über sechs und die Inzidenz bei über 100 liegt. Bei 2G plus haben nur noch Geimpfte und Genesene Zugang, etwa zu Freizeit-und Kulturangeboten. Vor dem Eintritt müssen sie einen negativen und tages­aktuellen Corona-Schnell­test vorlegen.

Das gilt bislang auch nach einer Auffrischungsimpfung. Der Booster entbindet nicht von der Testpflicht. Die Details zur Ausgestaltung von 2G plus regeln die jeweiligen Corona-Verord­nungen der Bundesländer. Das könnte sich aber auch noch ändern. Niedersachsens Regierung plant beispielsweise zeitnah eine Abschaffung der Regel für Menschen mit Auffrischungsimpfung. Ab wann das konkret gilt, sei noch offen.

Eine Testung trotz Booster hat aus infektiologischer Sicht aber durchaus Vorteile. Zu 100 Prozent schützt auch die Booster-Impfung nicht vor Ansteckung. Bei hoher Inzidenz steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass man in Kontakt mit dem Coronavirus kommt. Mit der Zeit kann die Schutzwirkung – gerade vor Infektion – auch wieder abnehmen. Zudem entwickelt sich die Immunantwort vor allem bei Älteren und Menschen mit Immunschwäche oft weniger stark. Der Schnelltest bringt in solchen Fällen mehr Sicherheit, auch wenn er eine Infektion nie zu 100 Prozent ausschließen kann.

Zitat der Woche

Die vielen Mutationen entstehen vor allem wegen der wahnsinnig hohen Fallzahlen.

Adam Grundhoff vom Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie im RND-Gespräch über Corona-Varianten

Forschungsfortschritt

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Die Hersteller Biontech und Moderna haben erfolgreich Vakzine gegen Corona entwickelt und sind gerade auch schon dabei, auf neue Virusvarianten wie Omikron angepasste Impfstoffe zu entwickeln. Aber auch anderswo läuft die Forschung weiterhin auf Hochtouren. Nach Angaben der WHO werden mehr als 130 Corona-Impfstoffe klinisch getestet, fast 200 weitere sind in der vorklinischen Entwicklung.

Denn der Bedarf ist weiterhin groß. Ärmere Länder brauchen zum Beispiel Mittel, die auch ohne Tiefkühlung lange haltbar sind. Forschende hoffen zudem auf einen Impfstoff, der Geimpfte anders als heute auch davor schützt, das Virus zu übertragen. Geforscht wird auch, wie immungeschwächte Menschen besser geschützt werden können, oder ob die Impfung auch als Nasenspray verabreicht werden könnte. Geprüft wird auch, ob Auffrischungsimpfungen in geringerer Dosierung ausreichen.

Pandemie im Ausland

Um die Ausbreitung der neuen Omikron-Variante des Coronavirus einzudämmen, schließt Israel seine Grenzen für Ausländer. © Quelle: Ariel Schalit/AP/dpa

Als die ersten Fälle der Omikron-Variante entdeckt wurden, hat Israel besonders strikt reagiert. Bis auf Weiteres müssen alle Menschen, die aus einem beliebigen Land nach Israel zurückkehren – darunter auch geimpfte Israelis – bei der Einreise mindestens drei Tage lang isoliert werden. Für Ausländer und Ausländerinnen gilt für zunächst zwei Wochen ein Einreiseverbot. Auch Japan schloss zum Schutz vor der Omikron-Variante seine Grenzen für ausländische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger.

Die Bundesregierung hat den Flugverkehr mit einigen afrikanischen Ländern eingeschränkt. Denn südafrikanische Forschende hatten die neue Variante zuerst identifiziert. Südafrika sieht sich durch die zahlreichen Reisebeschränkungen seit der Entdeckung zu Unrecht bestraft. Man hoffe, dass die Entscheidungen zu Reiseeinschränkungen noch einmal überdacht würden. Weniger Mobilität kann Expertinnen und Experten Sinn machen, um Zeit zu gewinnen. Aufhalten lasse sich Omikron dadurch aber nicht.

Was kommt

Kommt bald doch die Impfpflicht? Darüber soll demnächst der Bundestag entscheiden, und das ohne Fraktionsdisziplin. Ab Februar 2022 könnte die Pflicht nach Plänen von Bund und Ländern greifen – bis dahin sollen alle Willigen geimpft werden können. Der Ethikrat soll bis Jahresende eine Empfehlung erarbeiten.

Eine weitere politische Entscheidung steht ebenfalls noch an: Wie lange bleibt das Impfzertifikat gültig? Da der Impfschutz nach einer gewissen Zeit nachlässt, erwägen Bund und Länder eine Regelung, wonach der Status als Geimpfter nach einer gewissen Zeit auslaufen könnte. Die Anerkennung als vollständige geimpfte Person könnte künftig an eine Booster-Impfung gekoppelt werden. „Auf Ebene der Europäischen Union wird diskutiert, dass der Impfstatus nach der zweiten Impfung seine Gültigkeit für neun Monate behalten soll“, heißt es im Beschluss. Bund und Länder wollen sich bis zum Jahresende auf eine Regelung verständigen.

Was die Pandemie leichter macht

Die Nase wird vor allem im Corona-Winter oft überstrapaziert.

Viele Menschen haben im Winter sowieso schon eine trockene, gereizte oder wunde Nase. Wer dann auch noch mehrmals die Woche einen Corona-Test macht, reizt das Riechorgan noch zusätzlich.

Damit die Nasenscheidewand nicht übermäßig leidet, gibt es zum Glück einige hilfreiche vorbeugende Maßnahmen. „Einer der simplen Tipps ist, dass man sich gelegentlich eine Fettsalbe in die Nase schmiert“, erklärte uns der Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde Christian Lübbers. Durch diese oder durch eine Wundheilsalbe werde die Nase innen gepflegt. Dadurch trockne sie weniger schnell aus und verträgt die Tests besser. Allerdings sollte das nicht unmittelbar vor dem Test erfolgen, da dieser sonst ein falsches Ergebnis liefern könne.

Ein weiterer Tipp: eine Wasserschale auf die Heizung stellen, um die Feuchtigkeit in der Raumluft zu erhöhen. Auch professionelle Raumluftbefeuchter oder ein feuchtes Handtuch über dem Heizkörper seien eine Lösung.

Was sonst noch wichtig ist

Billionen von Bakterien besiedeln den menschlichen Darm und sind nicht nur für die Verdauung und einen gesunden Stoffwechsel wichtig. Auch unsere Psyche wird offenbar von den Darmbewohnern beeinflusst. Mehrere Studien konnten zeigen, dass die Darmflora, das Mikrobiom, bei Menschen mit psychischen Leiden auf typische Weise verändert ist.

Das Mikrobiom könnte deshalb auch ein Ansatz für neue Therapien zur Behandlung psychischer Leiden werden. Durch Stuhltransplantate, aber auch durch die Einnahme von Probiotika oder eine ganz bestimmte Ernährung könnte versucht werden, die Darmflora gezielt zu verändern und dadurch psychische Leiden zu lindern. Sollte das gelingen, wäre möglicherweise eine nebenwirkungsarme Alternative zu Psychopharmaka und Antidepressiva gefunden.

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