Das sind Deutschlands bekannteste Corona-Experten

  • Was sie sagen, hören, lesen und sehen Millionen von Deutschen täglich.
  • Wissenschaftler sind derzeit gefragter denn je – doch wer sind die Experten und welche ihrer Aussagen hallen bis heute nach?
  • Ein Überblick über die sieben bekanntesten Corona-Experten.
Alice Mecke
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Hannover. Die einen forschen an Therapien, Medikamenten und entwickeln Modelle für den Verlauf der Pandemie. Die anderen stehen in Talkshows, Interviews und Podcasts der Öffentlichkeit Rede und Antwort. Viele von ihnen machen beides. In den vergangenen Wochen sind viele Virologen und andere Wissenschaftler in den Blickpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit geraten. Wer sind sie?

Christian Drosten

Christian Drosten, Direktor Institut für Virologie, Charite - Universitätsmedizin Berlin. © Quelle: Michael Kappeler/dpa-pool/dpa
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Fachgebiet: Christian Drosten ist Direktor am Institut für Virologie der Berliner Charité. Sein Forschungsschwerpunkt sind neu auftretende Infektionen.

Werdegang: Christian Drosten begann 1994 sein Medizinstudium an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Im Jahr 2003 promovierte er zum Doktor der Medizin, 2005 wurde er Leiter der klinischen Virologie am Bernhard Nocht Institut. Von 2007 bis 2017 lehrte Drosten als Professor an der Universität Bonn. Seit 2017 ist er Direktor des Instituts für Virologie an der Charité Universitätsmedizin Berlin.

2003, damals am Bernhard Nocht Institut für Tropenmedizin, war Drosten einer der Mit-Entdecker des Sars-Coronavirus – eines engen Verwandten des aktuell pandemischen Erregers Sars-CoV-2.

Auftritte: Seit Beginn der Corona-Pandemie ist Drosten in zahlreichen TV-Shows zu Gast und gilt als Experte in den Medien. Seit dem 26. Februar ist er außerdem montags bis freitags im NDR-Podcast “Coronavirus-Update” zu hören.

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Aussagen: Bereits Ende Januar sah Drosten eine Pandemie-Gefahr als realistisch an. Anfang März mahnte Drosten, dass Kinder erstmal Abstand von ihren Großeltern nehmen sollten: “Die Kinder sollten bis September, Oktober nicht mehr zu Oma und Opa zur Betreuung gegeben werden.” Drosten sagte zudem: “Deutschland hat gegenüber Italien einen Vorsprung von vier bis sechs Wochen.”

Zuletzt betonte Drosten, dass sich Deutschland erst am Anfang einer Pandemie befinde. Die Bevölkerung sei noch nicht stark durchseucht. Die wichtigsten Maßnahmen für die Zeit nach der Kontaktsperre sei das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit, mehr und bessere Tests und die Isolierung und Quarantäne von infizierten Menschen.

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Hendrik Streeck

Professor Hendrik Streeck, Direktor des Institut für Virologie an der Uniklinik in Bonn. © Quelle: Federico Gambarini/dpa

Fachgebiet: Hendrik Streeck ist Direktor des Instituts für Virologie am Uni-Klinikum Bonn. Sein Fachgebiet ist die HIV-Forschung.

Werdegang: Nach dem Medizinstudium in Berlin ging Streeck 2006 als Postdoktorand in die USA. Dort war er als Assistant Professor an der Harvard Medical School in Boston tätig, später an der Johns Hopkins Universität in Baltimore. 2015 kam der Virologe zurück nach Deutschland, wo er im selben Jahr den Lehrstuhl für medizinische Biologie am Universitätsklinikum Essen übernahm. Ebenfalls 2015 gründete er das Institut für HIV-Forschung. 2019 übernahm er die Leitung des Instituts für Virologie in Bonn.

Auftritte: Streeck untersucht derzeit im Auftrag der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen, wie sich das Coronavirus im besonders betroffenen Kreis Heinsberg ausgebreitet hat. Schon bald will Streeck Ergebnisse vorlegen, damit die Politik Entscheidungen über den künftigen Corona-Kurs treffen kann. In der ZDF-Talkshow “Markus Lanz” vom 31. März, kritisierte Streeck unter anderem das Robert Koch-Institut, da es die Chance zur Erhebung wichtiger Daten schlichtweg versäumt habe.

Aussagen: Streeck äußerte sich in Interviews kritisch gegenüber dem Tragen von Schutzmasken und strikten Ausgangsbeschränkungen. So sagte er kürzlich gegenüber “Zeit Online”: “Ein Grund ist, dass wir gerade alles tun, was schlecht für unser Immunsystem ist. Wir hängen zu Hause rum und gehen nicht raus in die Sonne.” Zum Tragen einer Schutzmaske sagte er bei Markus Lanz, dass bisher keine Infektionen beim Friseur, beim Busfahren oder beim Einkaufen nachgewiesen worden seien. Zuletzt warnte Streeck aber davor, die Schulen zu früh wieder zu öffnen.

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Im Zuge seiner Arbeit empfindet Streeck persönlichen Druck: Die Politik wolle schnelle Entscheidungen treffen. “Wir versuchen eben schnell zu arbeiten, aber gleichzeitig die größte wissenschaftliche Sorgfalt zu haben. Und das empfinde ich schon als Druck.”

Melanie Brinkmann

Melanie Brinkmann, Professorin für Virologie am Iinstitut für Genetik an der Technischen Universität Braunschweig. © Quelle: imago images/Jürgen Heinrich

Fachgebiet: Melanie Brinkmann ist Professorin am Institut für Genetik an der Technischen Universität Braunschweig und forscht am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig. Ihr Spezialgebiet sind Herpesviren.

Werdegang: Brinkmann studierte Biologie an der Georg-August Universität Göttingen und der Humboldt Universität zu Berlin. Danach ging sie in die USA wo sie vier Jahre am Whitehead Institute for Biomedical Research, das dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, USA, angegliedert ist, arbeitete. 2010 übernahm sie die Leitung der Nachwuchsgruppe “Virale Immunmodulation“ am Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung. Seit Juli 2018 ist sie Professorin am Institut für Genetik an der Technischen Universität Braunschweig.

Auftritte: Brinkmann ist während der Corona-Krise unter anderem Gast in mehreren Talkshows gewesen. Ende März zeigte sie sich etwa in der Talkshow “Anne Will” zuversichtlich: “Wir werden Erfolge sehen durch diese Kontaktreduzierung.”

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Aussagen: Für Brinkmann ist es jetzt entscheidend, verlässliche Antikörpertests zu identifizieren und breitflächig zu testen. Auf diese Weise lässt sich ermitteln, wie viel Menschen eine Infektion mit dem Virus durchgemacht haben. Bei “Maybrit Illner” sagte sie Anfang April, dass ein zuverlässiger Antikörpertest schon in etwa einem Monat verfügbar sein könnte. Auf eine Herdenimmunität will sich Brinkmann nicht verlassen. In einem Interview mit der ARD sagte sie, sie halte es für keine gute Idee, dem Virus freien Lauf zu lassen und nur die Alten zu schützen.

Lothar Wieler

Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts. © Quelle: Getty Images

Fachgebiet: Lothar Wieler ist Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin. Er ist Veterinärmediziner.

Werdegang: Lothar Wieler studierte von 1980 bis 1985 an der Freien Universität Berlin und der Ludwig-Maximilians-Universität München Veterinärmedizin. Seit 1997 ist er Fachtierarzt für Mikrobiologie. Ab 1998 war er Professor für Mikrobiologie und Tierseuchenlehre am Fachbereich Veterinärmedizin der FU Berlin. Seit März 2015 ist er Präsident des Robert Koch-Instituts.

Auftritte: Als Präsident des RKI muss er auf Pressekonferenzen des Instituts Rede und Antwort stehen. Auch in diversen Talkshows war Wieler zu Gast.

Aussagen: Die Aussagen Wielers, beziehungsweise die des RKI, änderten sich in der Vergangenheit teilweise, was viel Kritik hervorrief. Auf einer Pressekonferenz sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Dienstag: “Die Zahl der neu gemeldeten Fälle ist geringer, aber von Entspannung kann noch nicht ausgegangen werden.” Bezogen auf zuletzt viel diskutierte Exit-Strategien sagte Wieler: “Ich rede lieber von einer Übergangsphase.” Er glaube, dass die Maßnahmen nicht in einem Schwung aufgehoben, sondern “schrittweise reduziert” würden.

Zum Thema Masken vertritt Wieler die Position, dass medizinischer Mund-Nasen-Schutz und sogenannte FFP-Masken ausschließlich medizinischem Personal zur Verfügung stehen sollten. “Um sich selbst und andere zu schützen, bleibt am wichtigsten: Abstand halten, Handhygiene, Husten- und Niesregeln beachten.”

Alexander Kekulé

Alexander Kekulé ist Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle. © Quelle: Imago

Fachgebiet: Alexander Kekulé ist Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle. Spezialgebiete des 61-Jährigen sind Infektionskrankheiten, Pandemieplanung und Bevölkerungsschutz.

Werdegang: Bis 1987 studierte Kekulé Philosophie, Biochemie und Humanmedizin an der Freien Universität Berlin und an der Ludwig-Maximilians-Universität München, an der er später, von 1994 bis 1996 arbeitete. Seit 1999 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Medizinische Mikrobiologie und Virologie der Martin-Luther-Universität und ist seit dem selben Jahr Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle (Saale).

Auftritte: Neben diversen Talkshow-Aufritten ist Kekulé im MDR-Podcast “Kekulés Corona-Kompass” zu hören.

Aussagen: Der Virologe schätzt, dass es in diesem Jahr keine Fußball-Spiele mit Zuschauern mehr geben werde. “Aus jetziger Sicht würde ich für dieses Jahr nichts mehr planen mit Publikum”, sagte er vergangenen Samstag im “Aktuellen Sportstudio” des ZDF. Geisterspiele ab Mai seien “rein virologisch möglich”.

Zum Thema Masken sagte Kekulé, dass auch einfache Masken, wie sie in Operationssälen genutzt werden, sinnvoll sein könnten. In einem Fernsehinterview sagt er, Masken könnten ein Weg sein, um aus dem Lockdown herauszukommen. Er kritisierte dazu die Haltung des RKIs.

Vor Kurzem forderte Kekulé im ZDF, schrittweise die Schulen und Kitas wieder zu öffnen. “Wir müssen mit den Jüngeren anfangen und in Kauf nehmen, dass die ganze Gesellschaft, von jung nach alt, Kontakt mit dem Virus hat.”

Marylyn Addo

Marylyn Addo, Leiterin der Sektion Infektiologie am Universitätsklinikum Eppendorf. © Quelle: Axel Heimken/dpa

Fachgebiet: Marylyn Addo ist Leiterin der Sektion Infektiologie am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) Hamburg. Sie ist spezialisiert auf Infektiologie und Tropenmedizin.

Werdegang: Addo studierte in Bonn, Straßburg und Lausanne. Sie promovierte an der London School of Hygiene and Tropical Medicine, wo sie 14 Jahre lang arbeitete. Seit 2015 ist sie Leitern der Sektion Infektiologie am UKE. 2014 entwickelte die Medizinerin das Präparat “VSV-EBOV”, das als Impfstoff gegen Ebola eingesetzt werden kann. Aktuell beteiligen sich Addo und ihr Team an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus und behandeln und untersuchen Corona-Infizierte am UKE.

Auftritte: In diversen Zeitungs- und Fernsehinterviews ist Addos Expertise zu einem möglichen Impfstoff gegen Corona gefragt.

Aussagen: Addo zeigt sich im “Deutschlandfunk” zuversichtlich, was die Entwicklung eines Impfstoffes angeht: “So eine dynamische Entwicklung wie beim Coronavirus ist selten.” Dennoch, bis ein wirksamer Impfstoff überhaupt verfügbar ist, dauert es laut Addo noch bis ins Jahr 2021. Im Gespräch vom 18. März sagte die Professorin, das Ausmaß der Situation erst in den letzten Wochen wirklich verstanden zu haben.

Jonas Schmidt-Chanasit

Jonas Schmidt-Chanasit, der Leiter der Virusdiagnostik des Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. © Quelle: picture alliance / dpa

Fachgebiet: Jonas Schmidt-Chanasit ist Leiter der Virusdiagnostik am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Sein Schwerpunkt liegt auf den durch Stechmücken übertragenen Viren (Arboviren).

Werdegang: Schmidt-Chanasit studierte Humanmedizin an der Charité in Berlin. Seit 2010 leitet er gemeinsam mit Stephan Günther das Kooperationszentrum der WHO für Arboviren und hämorrhagische Fieberviren am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Seit 2018 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Arbovirologie an der Universität Hamburg.

Auftritte: Schmidt-Chanasit ist derzeit in verschiedenen TV-Shows, Zeitungs- und Radiointerviews zu Gast.

Aussagen: “Wir müssen für eine langsame Durchseuchung der Bevölkerung sorgen," forderte Schmidt-Chanasit in den “Tagesthemen” Anfang April. Die Aussage traf er in Bezug auf eine Maskenpflicht in Deutschland, die der Virologe für nicht notwendig hält, da es nach dem derzeitigen Stand keinen wissenschaftlichen Beleg für die Wirksamkeit einer flächendeckenden Maskenpflicht gebe. Schon Ende März hatte er gefordert: “Die Maßnahmen gegen Corona dürfen nicht mehr Menschenleben kosten als Corona selbst.” Ein vernünftiges Augenmaß sei wichtig.

“Staat, Sex, Amen”
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