Das passiert im Körper nach der letzten Zigarette

  • Wer das Rauchen aufgibt, tut seiner Gesundheit etwas Gutes. Das ist längst bekannt.
  • Was viele nicht wissen: Die positiven Effekte setzen schon eine halbe Stunde nach der letzten Zigarette ein.
  • Nach 15 Jahren gilt der Körper weitgehend als regeneriert.
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Hannover. Warnhinweise wie “Rauchen schädigt Ihre Lunge”, “Rauchen verursacht Mund-, Rachen- und Kehlkopfkrebs” oder “Rauchen verstopft Ihre Arterien” nehmen 65 Prozent der Verpackungsfläche von Tabakprodukten ein – und werden zusätzlich bildlich dargestellt. Dadurch werden Raucher hierzulande täglich daran erinnert, dass der Glimmstängel ihrer Gesundheit schadet. 80 Prozent von ihnen versuchen daher regelmäßig, auf eigene Faust aufzuhören. Das gestaltet sich in der Regel zwar schwierig. In Anbetracht der positiven Effekte für die Gesundheit lohnt es sich allerdings.

Video: Das passiert mit dem Körper, wenn Sie das Rauchen aufgeben

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Rauch-Stopp – Das passiert mit dem Körper
1:14 min
Wer das Rauchen aufgibt, tut seiner Gesundheit etwas Gutes. Die positiven Effekte setzen schon eine halbe Stunde nach der letzten Zigarette ein.  © Jessica Orlowicz/RND
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Rauchstopp: Die sofortigen Auswirkungen auf den Körper

Die Gesundheitsorganisation American Cancer Society (ACS) hat die positiven Effekte eines Rauchstopps in Zeitabschnitte gegliedert. Denn entgegen der allgemeinen Erwartungshaltung machen sich erste Auswirkungen bereits 20 bis 30 Minuten nach der letzten Zigarette bemerkbar. Der Blutdruck, der bei Rauchern schnell in die Höhe schlagen kann, sinkt. Dadurch erreicht auch die Herzfrequenz ein herkömmliches Niveau. Acht Stunden später sinkt auch der Kohlenmonoxid-Spiegel im Körper. Das Ergebnis: Gewebe und Organe können wieder ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden.

Die ersten Tage nach der letzten Zigarette

Zwei Tage nach der letzten Zigarette stellen Betroffene fest, dass Gerüche intensiver und Lebensmittel schmackhafter werden. Denn durch eine Regeneration der Nervenenden funktionieren sowohl der Geruchs- als auch der Geschmackssinn wieder einwandfrei. Etwa einen Tag später erholen sich auch die Bronchien.

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Die ersten Monate nach der letzten Zigarette

Mindestens zwei Wochen dauert es, bis sich der Schleim in den Atemwegen löst. Auch die Verstopfung der Nasennebenhöhlen nimmt ab. Dann bekommen ehemalige Raucher besser Luft als zuvor. Zudem verbessern sich Ausdauer und Kreislauf. Nach spätestens neun Monaten ist die Lunge dazu in der Lage, sich selbst zu reinigen. Dadurch wird das Immunsystem robuster – und Betroffene sind weniger anfällig für Infektionen.

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Die langfristigen Effekte eines Rauchstopps

Ist ein Jahr vergangen, halbiert sich das Risiko einer Herzkrankheit. Hinzu kommt die schwindende Wahrscheinlichkeit eines Schlaganfalls: Nach fünf Jahren entspricht sie der eines Nichtrauchers. Auch die Gefahr, im Mund, Rachen oder der Speiseröhre an Krebs zu erkranken, halbiert sich. Zehn Jahre nach dem letzten Glimmstängel entspricht auch die Wahrscheinlichkeit, Bauchspeicheldrüsenkrebs zu bekommen, der eines Nichtrauchers. Währenddessen halbiert sich das Lungenkrebs-Risiko. Wer es schafft, 15 Jahre konsequent auf Zigaretten zu verzichten, hat einen Meilenstein geschafft: Der Körper gilt weitgehend als regeneriert. Sowohl die Gefahr einer Herzkrankheit als auch die Lebenserwartung sind etwa auf dem Stand eines Nichtrauchers.

Gibt es Raucher, für die es “zu spät” ist, aufzuhören?

Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) sterben Starkraucher im Schnitt zehn Jahre früher als Nichtraucher. Wer den Glimmstängel aufgibt, kann das ändern. Das bestätigte zuletzt eine Studie, die im Fachmagazin “Nature” veröffentlicht wurde: Wissenschaftler um Peter Campbell vom Wellcome Trust Sanger Institute in Hinxton (Großbritannien) untersuchten die Lungenzellen von 16 Probanden, darunter lebenslange Nichtraucher, Ex-Raucher und aktive Raucher. Das Ergebnis: Ein Rauchstopp sorgte nicht nur dafür, dass die Lunge nicht weiter geschädigt wurde. Es konnten auch neue, gesunde Zellen gebildet werden. “Es ist nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören”, sagt Helmut Gohlke, Kardiologe und Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung.

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Schritt für Schritt zum Nichtraucher: Diese Methoden gibt es

Menschen, die mit dem Rauchen aufhören möchten, stehen eine Vielzahl unterschiedlicher Beratungsangebote und Entwöhnungshilfen zur Verfügung. “Medikamentöse Unterstützung durch Nikotinpflaster oder Vareniclin helfen bei einem strukturierten Entwöhnungsprogramm”, erklärt Gohlke. Gelegenheitsraucher könnten ebenso zu Kaugummis mit Nikotin greifen. Dadurch würden Entzugserscheinungen wie Unruhe und Reizbarkeit gemildert. Ein anderer Teil der Angebote orientiert sich am Ansatz der kognitiven Verhaltenstherapie in der Gruppe. Dazu zählt zum Beispiel das Rauchfrei-Programm der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und dem Institut für Therapieforschung in München (IFT). Wie viel Hypnosen und Akupunktur bringen, ist der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) nach unklar. Bislang konnte bei beiden Methoden nur ein Placeboeffekt nachgewiesen werden.

Klar ist: Wer sich langfristig von der Zigarette verabschieden möchte, muss seine innere Einstellung ändern. Dazu gehört zum Beispiel neue Rituale für Situationen zu finden, in denen sonst zur Zigarette gegriffen wurde.

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