Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Dänemark bekämpft Corona-Variante mit drastischen Mitteln

Henrik Nordgaard Hansen verlädt die toten Tiere seiner Nerzherde, die aus 3000 Nerzmüttern und ihren Jungen besteht, auf seiner Farm in Naestved (Dänemark), nachdem sich Menschen mit einer ursprünglich bei Nerzen aufgetretenen Variante des Coronavirus infiziert hatten. Die dänische Regierung hatte angeordnet, dass alle Nerze im Land getötet werden sollen.

Kopenhagen. Mehr als 200 Menschen haben sich in Dänemark bislang mit bei Nerzen aufgetretenen Varianten des Coronavirus infiziert. Der von den Dänen als besorgniserregend eingestufte Cluster-5-Virustyp wurde bisher bei zwölf Personen festgestellt. Das Land geht nun entschieden gegen eine Ausbreitung des mutierten Erregers vor – Anlass zur Sorge sehen Experten aber derzeit nicht.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Pandemie und wir

Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

„Man muss vor dieser Variante nicht mehr Angst haben als vor anderen, die zirkulieren“, sagte der Leiter der Forschungsgruppe Evolution von Viren und Bakterien an der Universität Basel, Richard Neher, der dpa. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verwies darauf, dass es keine Hinweise auf erhöhte Risiken gebe.

Für Deutschland hat das Geschehen in Dänemark zunächst keine Folgen. Hierzulande gebe es keine Nerzfarmen, deren Haltung als Pelztiere sei verboten, erklärte das Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems bei Greifswald der dpa. „Besondere Schutzmaßnahmen sind daher momentan nicht angezeigt.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Seit Juni hätten sich mindestens 214 Menschen mit von Nerzen stammenden Varianten von Sars-CoV-2 infiziert, teilte das dänische Gesundheitsinstitut SSI mit. 200 der Fälle wurden in der Region Nordjütland nachgewiesen. In dieser Region befinden sich besonders viele Nerzfarmen.

Bereits am Mittwoch hatte die dänische Regierung angekündigt, dass alle Nerze im Land getötet werden sollen – das sind etwa 15 bis 17 Millionen Tiere, Dänemark ist bei der Zucht Weltmarktführer. Zudem wurden nun für sieben norddänische Kommunen mit insgesamt rund 280.000 Einwohnern massive Beschränkungen des öffentlichen Lebens angeordnet: Von Montag an wird der öffentliche Nahverkehr eingestellt, ältere Schüler sowie Studenten sollen Fernunterricht erhalten. Bereits ab Samstag müssen alle Lokale schließen, ab Montag dann auch Sporthallen, Schwimmbäder und Fitnessstudios.

Ein Grund für die rigorose Reaktion ist die Befürchtung, dass die derzeit entwickelten Impfstoffe weniger gut gegen die sogenannte Cluster-5-Variante wirken könnten. Das hätten Untersuchungen gezeigt, hieß es vom Gesundheitsinstitut SSI. Für die Dänen spielt zudem die Sorge mit hinein, zu einem neuen Infektions-Hotspot zu werden. „Wenn wir jetzt nichts unternehmen, riskiert Dänemark, das Epizentrum einer neuen Virusvariante zu werden“, sagte Hans Jørn Kolmos, Professor für klinische Mikrobiologie an der Süddänischen Universität, der Zeitung „Jyllands-Posten“.

Dänemarks Außenminister Jeppe Kofod wies am Freitag darauf hin, dass man im Kampf gegen Corona lieber einen Schritt zu weit gehe als einen zu wenig. Mit Blick auf die Auswirkungen für die Branche sagte er: „Das ist keine leichte Entscheidung gewesen, ist aber eine notwendige Vorsichtsmaßnahme.“ Die Nerze sollen innerhalb einiger Wochen getötet werden, wie Nikolas Hove vom dänischen Veterinäramt sagte.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

WHO-Chefwissenschaftlerin Soumya Swaminathan wies darauf hin, dass es bereits zahlreiche Mutationen von Sars-CoV-2 gebe. „Es ist zu früh dafür, voreilige Schlüsse zu ziehen, welche Folgen diese neue Mutation für die Übertragung, Schwere der Erkrankung, klinische Symptome, Immunantwort oder mögliche Impfstoff-Wirkung hat.“ WHO-Nothilfekoordinator Mike Ryan sagte: „Die Belege, die wir haben, weisen nicht darauf hin, dass diese Variante sich in irgendeiner Form anders verhält.“

Bei Twitter hieß es von der WHO, es sei normal, dass sich Viren über die Zeit verändern. Aber jedes Mal, wenn ein Virus vom Mensch zum Tier und zurück zum Menschen gelange, könne es sich weiter verändern. „Deshalb sind diese Berichte beunruhigend.“

Virus-Experte Neher sagte der dpa, es gebe an verschiedenen Orten in Europa eine weitere Variante, bei der die Erkennung durch Antikörper reduziert sei. Doch keine einzelne Mutation mache einen Impfstoff komplett nutzlos. „So schwarz und weiß ist die Sache nicht.“

Nerze zählen wie Frettchen zu den Tieren, die empfänglich für Sars-CoV-2 sind und es an Artgenossen weitergeben können. Auch Meldungen über infizierte Katzen auf Nerzfarmen in den Niederlanden gebe es, hieß es vom Friedrich-Loeffler-Institut. Für natürliche Übertragungen von Katze zu Katze gebe es aber bisher keine Belege, auch Infektionen von Katze zu Mensch seien nicht bekannt. Das Ziel der Tötungsaktion bei den Nerzen in Dänemark sei vielmehr, „eine nicht unerhebliche Virusquelle zu eliminieren und die Verbreitung aus den Haltungen heraus zu verhindern, insbesondere Übertragungen auf Menschen“.

RND/dpa

Mehr aus Gesundheit

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.