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  • Dänische Virologin über Aufhebung aller Corona-Regeln in Dänemark und Herdenimmunität in Deutschland

Dänische Virologin: Impfen oder erkranken – das sind die Optionen

  • In Dänemark sind alle Maßnahmen gegen Corona eingestellt – und das, obwohl bei 5,8 Millionen Einwohnern gestern 2598 Neuinfektionen gemeldet werden.
  • Die dänische Epidemiologin Lone Simonsen erklärt in einem Interview mit dem „Spiegel“, warum das für sie kein Grund zur Sorge ist.
  • Und sie schildert, welche Impfquote für Deutschland notwendig wäre, um eine Herdenimmunität zu erreichen.
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In ihrer Heimat trägt die Wissenschaftlerin den Spitznamen Corona-Lone, weil sie als Expertin omnipräsent ist. Die hohen Infektionszahlen, die derzeit bei einem Sieben-Tages-Schnitt von 1857 liegen (Stand 4. November), beunruhigen die Forscherin, die sowohl in Europa wie in den USA einen exzellenten Ruf genießt – sie lehrt unter anderem an der Milken Institute School for Public Health der George Washington University –, nicht.

Im Interview mit dem „Spiegel“ sagt Simonsen, die Entwicklung sei zu erwarten gewesen: „Wir haben ja das öffentliche Leben geöffnet, als der Herbst einbrach, sich die Aktivitäten nach drinnen verlagerten und auch die Schulen und Universitäten wieder in den Vollbetrieb gingen.“

Zudem sei die Delta-Variante des Coronavirus so infektiös wie die Windpocken, so dass eine Zunahme der Corona-Infektionen klar gewesen sei. Partys, Händeschütteln – all das könne schon beunruhigend aussehen.

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„Aber wir in Dänemark können uns das alles jetzt eben leisten, weil die Impfrate in unserem Land sehr hoch ist: Etwa 95 Prozent der Menschen über 50 sind voll immunisiert. Wir sehen jetzt zwar einen raschen Anstieg der Infektionen, aber keinen starken Anstieg der schweren Erkrankungen und Todesfälle.

Tatsächlich haben wir sehr wenige Tote. Der wichtigste Grund hierfür: Menschen, die geimpft sind, landen zu 90 bis 95 Prozent seltener im Krankenhaus oder sterben an Corona als Menschen, die nicht geimpft sind.“

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Auf dem Weg zur Herdenimmunität

Verlaufe die Pandemie weiter so wie derzeit, werde man in Dänemark wohl im März die Herdenimmunität erreicht haben, so Simonsen. Und selbst wenn die Zahl der hospitalisierten Corona-Patienten, die derzeit bei etwa 250 liege, die kritische Zahl von 500 erreiche, so Simonsen zum Spiegel, werde es in Dänemark keine Rückkehr zu einem Lockdown oder anderen härteren Maßnahmen geben. Man könne dann höchstens wieder über das Einführen einer Tragepflicht für Masken nachdenken.

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Lone Simonsen ist Professorin für Epidemiologie an der Universität von Roskilde und Chefin des dortigen PandemiX-Forschungszentrums. © Quelle: RUC

Die dänische Impfquote ist mit einem Anteil von 75,2 Prozent komplett Geimpfter gemessen an der Gesamtbevölkerung eine der höchsten der Welt. Dazu kommt, dass 95 Prozent der Menschen über 50 komplett immunisiert sind. Deshalb, betont Lone Simonsen, könne man der Corona-Pandemie in Dänemark „jetzt freien Lauf lassen, auch wenn sie lokal größere Ausbrüche verursachen könnte. Diese werden aber nicht mehr so tödlich sein wie noch vor der Einführung der Impfstoffe.“

Die in Deutschland bisher erreichte Quote von 85 Prozent bei den über 60-Jährigen hält sie im Übrigen für nicht ausreichend, um eine Herdenimmunität zu erlangen und plädiert für eine Rate von mindestens 90 Prozent.

„Wer sich nicht impfen lässt, den wird das Virus erwischen“

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Der Fall sei klar, so Simonsen: „Es ist ein tödliches Virus im Umlauf. Der einzige Weg, wie es aufgehalten werden kann, ist Immunität. Und Immunität kann nur von einem Impfstoff kommen, der weitgehend risikolos ist, oder von einer natürlichen Infektion, die Sie oder Ihre Angehörigen ernsthaft schädigen oder töten könnte. Das war‘s. Das ist die einzige Wahl, die Sie haben. Wer sich nicht impfen lässt, den wird das Virus früher oder später erwischen.“

Sobald man allerdings die pandemische Phase verlassen und die endemische erreicht habe, werde das Sars-CoV-2-Virus nur noch eines von vielen sein. „Kinder werden daran erkranken, aber auf eine milde Weise – so wie sie sich auch oft die vier anderen schon bekannten Coronaviren einfangen, die im Winter unterwegs sind.“

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