Corona in Dänemark: Wieso das Nachbarland alle Maßnahmen beendet – trotz vergleichbarer Infektionslage

  • In Dänemark wurde das Ende aller Corona-Maßnahmen gefeiert.
  • Begründet hatte die dänische Regierung den Schritt mit den Impfquoten, die im Nachbarland etwas höher sind.
  • Das Infektionsgeschehen in Dänemark unterscheidet sich allerdings kaum von dem in Deutschland.
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In Dänemark wird gefeiert: 50.000 Menschen besuchten am Samstag in Kopenhagen ein Konzert der dänischen Band The Minds of 99, und zwar ohne Masken, Abstandsregeln oder andere Auflagen. Bereits eine Woche zuvor hatte es ein großes Konzert mit 15.000 Gästen gegeben, das unter dem Motto „back to life“ stand. Dänemark hat beschlossen, mit dem Virus zu leben und nur im Notfall wieder Einschränkungen zu verhängen. Doch wie sieht die Infektionslage im Nachbarland tatsächlich aus?

Schon im Frühjahr hatte die dänische Regierung angekündigt, nach und nach die Corona-Beschränkungen aufzuheben, wenn alle über 50-Jährigen und weitere Risikogruppen Gelegenheit zu einer Impfung hatten. Im August wurde dann der schrittweise Ausstieg aus den Corona-Maßnahmen beschlossen, seit Freitag gelten selbst für Großveranstaltungen und Diskotheken keine Auflagen mehr. Covid-19 wird in Dänemark nicht mehr länger als „gesellschaftskritische Krankheit“ eingestuft, wodurch es keine Grundlage für Versammlungsverbote, eine Masken- oder Testpflicht mehr gibt.

Die Pandemie sei nicht vorbei, aber „unter Kontrolle“, hatte der dänische Gesundheitsminister Magnus Heunicke mitgeteilt. Das Land hat beschlossen, auch höhere Inzidenzen zu tolerieren und sich an der tatsächlichen Krankheitslast zu orientieren. Aufgrund einer vergleichsweise hohen Impfquote geht die dänische Regierung nicht mehr davon aus, dass noch eine große Zahl schwerer Verläufe droht. Etwa 74 Prozent der Gesamtbevölkerung in Dänemark sind geimpft, insbesondere in der Hauptrisikogruppe der Älteren über 65 Jahre ist die Quote mit 95 Prozent sehr hoch. In Deutschland sind 62 Prozent der Gesamtbevölkerung geimpft und etwa 83 Prozent der über 60-Jährigen.

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Infektionslage ähnlich wie in Deutschland

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Die Infektionszahlen in Dänemark sind aktuell allerdings nicht deutlich niedriger als hierzulande. Gestern wurden rund 560 Neuinfektionen gemeldet, gemessen an der Bevölkerung waren das sogar mehr als in Deutschland. Die Sieben-Tages-Inzidenz lag im August, als Dänemark den Ausstieg beschlossen hatte, bei über 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Heute liegt sie bei rund 60, in Deutschland bei etwa 82. In dänischen Krankenhäusern werden derzeit (Stand 10. September) 132 Patienten wegen Covid-19 behandelt. Das sind, gemessen an der Bevölkerung, ähnlich viele wie in Deutschland.

Auch die Rate der Todesfälle ist in beiden Ländern vergleichbar niedrig: Durchschnittlich sterben in Dänemark momentan drei Personen pro Tag an oder mit dem Coronavirus. In Deutschland sind es 38, bei etwa 14-mal mehr Einwohnern. Der Sieben-Tage-R-Wert, der Hinweis auf die Entwicklung des Infektionsgeschehens gibt, ist in Dänemark mit etwa 0,8 derzeit nur etwas niedriger als in Deutschland, wo er bei etwa 0,9 liegt.

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Ob sich in Dänemark allein durch die Impfquote schwere Krankheitswellen verhindern lassen, ist noch nicht sicher, auch weil die Wirkung der Impfung mit der Zeit und durch die Ausbreitung der Delta-Variante nachlässt. In deutschen Krankenhäusern sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts bereits 20 Prozent der Covid-19-Patienten über 60 Geimpfte, mit steigender Tendenz.

Dänemark setzte auf 3-G-Regel mit kostenlosen Tests

Experten wie der Epidemiologe Klaus Stöhr glauben, dass sich schwere Krankheitsverläufe nach wie vor am ehesten durch die Inzidenz in der Gruppe der Älteren vorhersagen lassen. Die dänische Regierung hat sich in jedem Fall vorbehalten, erneut Maßnahmen zu verhängen, wenn eine Belastung der Krankenhäuser oder das Auftreten neuer Varianten dies erforderlich machen sollte.

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Dänemark hatte in diesem Jahr mehrere Monate lang auf die 3-G-Regel gesetzt, bei der nur Geimpfte, Genesene oder negativ Getestete Zugang zu vielen Einrichtungen und Veranstaltungen hatten. Dabei waren die Tests die ganze Zeit über kostenlos geblieben.

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