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„Ostern war es sehr, sehr knapp”: Eine Covid-19-Patientin erzählt von ihrem mühsamen Weg zu Besserung

Viele Patienten verlieren nach dem langen Aufenthalt auf der Intensivstation massiv an Muskelmasse, haben Lungenschäden oder andere Einschränkungen nach einer Corona-Infektion.

Marlene Maier (Name von der Redaktion geändert) ist 61 Jahre alt. Nachdem sie eine Covid-19-Erkrankung überlebt hat, ist sie derzeit zur Reha in der Schön Klinik in Schönau am Königssee.

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Mich hat es sehr, sehr schwer erwischt. Ich bin mit Fieber ins Krankenhaus gekommen und war ein paar Tage auf einer normalen Krankenhausstation. Aber dann hat es pressiert und ich musste auf die Intensivstation. Vorerkrankungen hatte ich nicht, nur ein bisschen Bluthochdruck. Ich war 17 Tage lang im Koma und habe natürlich einen Luftröhrenschnitt gebraucht. Die Klinik war super, die haben wirklich alles getan. Aber es ist nicht einfach, wenn auf einmal so ein Virus auftaucht und die Ärzte nur sehr wenig darüber wissen. Die Ärzte haben viele Untersuchungen gemacht. Das Virus war auch in meiner Leber, ein paar Tage war ich wohl sehr gelb.

Ostern war es sehr, sehr knapp. Meiner Familie wurde gesagt, sie müssen mit Allem rechnen. Aber dann es ist doch wieder aufwärts gegangen. Die Ärzte haben praktisch mein Leben gerettet. Als ich aufgewacht bin, konnte ich nicht sprechen, weil die Geräte noch alle angeschlossen waren. Die wurden dann erst nach etwa einer Woche entfernt und dann konnte ich auch wieder sprechen. Nach vier Wochen auf der Intensivstation war ich dann noch zwei weitere Wochen im Krankenhaus.

„Das kann sich ein gesunder Mensch gar nicht vorstellen”

Nun bin ich seit einer Woche zur Reha. Als ich aus dem Krankenhaus gekommen bin, war ich eigentlich ein Pflegefall. Ich konnte weder sitzen noch stehen oder gehen. Das muss ich alles wieder lernen. Inzwischen kann ich wieder mit dem Rollator gehen – kurze Strecken, mit festhalten. Wenn ich weiter gehen muss und es anstrengend ist, dann brauche ich Sauerstoff. Im Bett oder nachts brauche ich das nicht, aber bei Anstrengung fällt die Sauerstoffsättigung ab. Ich denke jetzt nach: Wie weit gehe ich, was mache ich, habe ich die Luft, um aufzustehen? Das kann sich ein gesunder Mensch gar nicht vorstellen. Das sind alles die Folgeerscheinungen der Krankheit. Aber ich habe überlebt.

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Ich bin sehr froh, dass ich in eine pneumologischen Reha gekommen bin. Ich hoffe sehr, dass ich hier eine Besserung erzielen kann. Die Vermittlung war schwierig, die Rentenkasse hat den Aufenthalt hier nicht bezahlt. Das war für mich schwierig, weil ich nicht wusste, wo ich hin soll. Nach Hause konnte ich ja nicht und viele Reha-Kliniken hatten noch geschlossen. Aber dann hat die Krankenkasse die Kosten für diesen Platz übernommen.

„Natürlich möchte ich gerne nach Hause”

Jetzt muss ich schauen, wie ich weiter komme und dass es vorwärts geht. Ich mache Fortschritte. In der Reha gibt es zum Beispiel Ergotherapie oder Atemphysiotherapie, aber auch viele klinische Untersuchungen. Zu den Behandlungen werde ich abgeholt und danach wieder auf das Zimmer gebracht. Ich brauche dann Ruhe. Aber es war am Anfang schon so vereinbart, dass es erst einmal langsam losgeht. Ich bin ja auch noch nicht so belastbar. Für eine normale Reha bin ich noch viel zu wenig mobil. Ich brauche wahrscheinlich mehr als die sonst üblichen drei Wochen. Aber ich bleibe lieber ein bisschen länger, wenn es noch was bringt.

Natürlich möchte ich gerne nach Hause. Soziale Kontakte habe ich zur Zeit eigentlich keine, andere Patienten habe ich nicht getroffen. Ich bin sehr viel auf dem Zimmer. Aber ich habe Gott sei Dank ein gutes privates Umfeld, das mich unterstützt. Ich habe eine gute Familie. Im Krankenhaus hat mein Mann nach acht Wochen eine Sondergenehmigung bekommen und durfte mich für eine halbe Stunde besuchen. An Pfingsten sind er und meine Tochter zu Besuch gekommen und wir saßen gemeinsam draußen.

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„Ob ich ganz geheilt werde, steht in den Sternen”

Psychische Probleme habe ich keine. Momentan geht es noch, weil ich ja vorwärts komme. Mal sehen, wie es ist, wenn Stillstand ist und es nicht mehr besser wird. Ich vermute schon, dass da mal ein Loch kommt. Natürlich denkt man auch darüber nach, was hätte passieren können. Aber ich bin ein gläubiger Mensch und denke: Wenn es so gewesen wäre, dann wäre es so gewesen. Wenn es aus gewesen wäre, dann hätte ich es, glaube ich, nicht gemerkt. In der Klinik gab es einen Seelsorger, der öfter vorbeigekommen ist und sehr, sehr gut war. Der hat gesagt, dass ich die Kraft haben werde, weil ich anscheinend auch im Koma sehr gekämpft habe. Aber vielleicht kommen die psychologischen Probleme noch, wenn man etwa berufsunfähig wird. Das möchte ich nicht voraussagen.

Ob ich ganz geheilt werde, steht in den Sternen. Auch, ob ich noch einmal in meinen Beruf zurück kann. Ich würde schon gerne wieder arbeiten. Momentan aber, das sage ich ganz ehrlich, ist das ganz, ganz weit weg. Das kann noch das ganze Jahr dauern. Und auch dann muss man das ja auch schaffen mit dem vielen Stress. Heutzutage ist die Arbeitswelt sehr streng geworden.

„Wenn man einen Fall in der Familie hat, denkt man anders”

Ich weiß, dass die Gesellschaft gerade eine Wende macht, weil alles so lange dauert. Aber wenn man krank wird, ist es nicht gesagt, dass man bloß Erkältungserscheinungen hat oder Gliederschmerzen. Das hatte ich überhaupt nicht. Ich hatte nicht mal Husten. Mir wird manchmal von Bekannten erzählt, die sagen: Ach, mir passiert schon nichts. Aber wenn man dann einen Fall in der Familie hat, denkt man anders. Ich weiß jetzt aus eigener Erfahrung: Es ist wirklich schlimm, wenn die ganze Zukunft auf einmal ganz anders aussieht.

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Protokolliert von Anna Schughart/RND

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