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Covid-19: Mediziner definieren Kriterien für Entscheidung über Leben oder Tod

  • Auch in Deutschland könnten die Krankenhäuser überlastet sein, wenn die Infektionen weiter steigen.
  • Ärzte müssen dann entscheiden, welche Patienten noch behandelt werden.
  • Für diese Situation hat ein Expertengremium bestimmte Kriterien entwickelt.
Michèle Förster
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In Italien und Spanien haben die medizinischen Einrichtungen bereits ihre Kapazitätsgrenze erreicht. In den Krankenhäusern können nicht mehr alle Patienten, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, behandelt werden. Das medizinische Personal muss täglich Entscheidungen über Leben und Tod treffen.

Eine Überlastung des Gesundheitssystems ist auch in Deutschland nicht unwahrscheinlich. Sollten die Fallzahlen der Infizierten stark ansteigen, könnten bald nicht mehr ausreichend intensivmedizinische Ressourcen für alle Patienten zur Verfügung stehen. Für die dann anstehende Entscheidung, welche Patienten versorgt werden und welche nicht, bereiten sich Deutschlands Notfall- und Intensivmediziner derzeit vor.

Alter ist kein Kriterium für eine Behandlung

Medizinisch begründet und gerecht solle die Entscheidung sein, wie die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) am Donnerstag mitteilte. Sieben medizinische Fachgesellschaften haben die Handlungsempfehlungen gemeinsam ausgearbeitet. “Wir haben uns ganz klar gegen das Kriterium ‘Alter’ entschieden und wollen sehr viel differenzierter vorgehen”, erläuterte DIVI-Präsident Uwe Janssens.

Auch soziale Merkmale dürften die Entscheidung nicht beeinflussen. Als Kriterium solle stattdessen die klinische Erfolgsaussicht gelten. Gemeint ist damit die Wahrscheinlichkeit, ob der Patient die Intensivbehandlung überleben wird. “Dabei spielen der Schweregrad der aktuellen Erkrankung sowie relevante Begleiterkrankungen eine wesentliche Rolle”, so Janssens.

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Nicht jeder Patient wird behandelt werden können

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Aus Gründen der Gleichberechtigung solle die Entscheidung über eine Behandlung zudem unter Berücksichtigung aller Patienten getroffen werden. Covid-19-Erkrankte hätten demnach keinen Vorrang vor Schlaganfallpatienten oder Unfallopfern, gab Ulrich Körtner, der Vorstand des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin, zu bedenken.

“Die derzeitige Situation ist nicht nur für die Gesundheitsversorgung eine Herausforderung. Unser Anspruch, jeder und jedem eine bestmögliche Therapie anbieten zu können, scheitert im Angesicht dieser Pandemie”, sagte der Direktor des Centre for Ethics and Law in the Life Sciences (CELLS), Nils Hoppe. Daraus ergebe sich die Notwendigkeit einer Triage: “Wir müssen entscheiden, wen wir versorgen können und wen nicht.”

Auch junge Menschen könnten zu Opfern der Pandemie werden, beispielsweise wenn für sie nach einem Autounfall kein Intensivbett mehr frei ist, gibt Körtner zu bedenken. “Darum handelt jeder, der jetzt die Anweisungen der Behörden strikt befolgt, nicht nur aus Solidarität und Humanität, sondern auch aus wohlverstandenem Eigeninteresse.”

Handlungsempfehlungen sollen Transparenz schaffen

Die Handlungsempfehlungen können bereits auf der Seite des DIVI eingesehen werden. Gleichzeitig ruft der Verband Kollegen auf, die Kriterien anhand der aktuellen Praxiserfahrungen zu diskutieren und weiterzuentwickeln.

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Damit wolle man größtmögliche Transparenz herstellen, betonte Janssens. “Wir wollen Vertrauen schaffen in der Bevölkerung, damit alle wissen: Selbst in dieser schwierigsten aller Situationen wird nicht einfach nach dem Bauchgefühl entschieden.”

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