Studie: Covid-19 kann Immunsystem zur Attacke des eigenen Körpers zwingen

  • Eine Studie, die sich noch in der Peer-Review befindet, zeigt: Bei Patienten mit schweren Covid-19-Verläufen finden sich häufig sogenannte Autoantikörper.
  • Sie attackieren den eigenen Organismus – nicht den Krankheitserreger.
  • Die Forscher wollen nun herausfinden, welche Rolle sie beim Verlauf von Covid-19 spielen.
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Sogenannte Autoantikörper spielen eine wichtige Rolle bei Autoimmunkrankheiten. Sie attackieren nicht die Krankheitserreger, sondern den eigenen Körper. Auch bei Covid-19 könnte dies der Fall sein. Das legt eine neue Studie nahe, die sich noch in der Peer-Review, der Phase der wissenschaftlichen Evaluierung, befindet, wie Matthew C. Woodruff, Hauptautor der Studie, auf der Wissenschaftsseite „Science Alert“ berichtet. Der Immunologe am Lowance Center für Human-Immunologie an der Emory University in Atlanta (Georgia) forscht seit einiger Zeit an Immunreaktionen des Körpers, die Antikörper gegen Covid-19 produzieren.

Schon früher seien Autoantikörper sporadisch bei Covid-19-Patienten entdeckt worden, berichtet Woodruff. Erste Studien hätten gezeigt, dass Autoantikörper das gesunde Gewebe von Patienten mit schweren Covid-19-Verläufen angreifen und dass sie wichtige Komponenten bei der viralen Immunabwehr von schwer erkrankten Corona-Patienten deaktivieren könnten. In der neuen Studie, so Woodruff, sei es nun erstmals gelungen, nachzuweisen, dass bei schwerst erkrankten Covid-19-Patienten die Produktion von Autoantikörpern häufig vorkomme. Woodruff bezeichnet dies zwar als „alarmierende Entdeckung“, gibt aber gleichzeitig zu bedenken, dass diese „Entdeckung einen potenziell großen Einfluss auf die Akutbehandlung wie auch auf die Genesung der Patienten haben“ könne.

In der Studie der Emory University wurden die Krankheitsgeschichten von 52 Intensivpatienten untersucht, die an Covid-19 erkrankt waren. Keiner von ihnen hatte eine jemals eine Autoimmunstörung gehabt. Dennoch wurden sie während ihrer Infektion auf Autoantikörper getestet.

Antikörper attackieren eigenes Gewebe

„Die Resultate“, so Woodruff, „waren extrem. Mehr als die Hälfte der 52 Patienten wurden positiv auf Autoantikörper getestet.“ Bei mehr als zwei Dritteln der Patienten mit den höchsten Entzündungswerten im Blut hätten sich Nachweise gefunden, dass Autoantikörper ihr eigenes Gewebe attackierten. Allerdings, so Woodruff, sagten die gewonnenen Daten zunächst nichts darüber aus, in welchem Ausmaß die Autoantikörper die schwersten Covid-19-Verläufe beeinflussen.

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Folgestudien seien notwendig, um die Wirkung auf den Krankheitsverlauf und die Lebensdauer dieser Autoantikörper zu erforschen. „Unsere aktuellen Daten legen nahe, dass sie über einige Wochen hinweg relativ stabil sind“, schreibt Woodruff. Wichtig allerdings sei die Erkenntnis, dass die autoreaktiven Antworten des Körpers auf die Autoantikörper „spezifisch für eine Sars-CoV-2-Infektion sind – es gibt keinen Grund anzunehmen, dass nach einer Impfung gegen das Virus ähnliche Reaktionen zu erwarten sind.“

Während die Forscher noch darüber spekulieren, ob diese Autoantikörper etwa auch ihr Gutes haben und eventuell sogar zukünftig hilfreich sein könnten, müsse man auch einkalkulieren, dass dem nicht so sei. Sollten diese gegen das eigene Immunsystem gewandten Antikörperreaktionen wirklich zur Verschlimmerung der Erkrankung beitragen, könnte das verspätete Einsetzen schwerer Symptome bei einigen Patienten mit der Produktion von Antikörpern zusammenhängen.

Sorge vor neuen Autoimmunerkrankungen

„Unsere größte Befürchtung“, so Woodruff, „ist, dass diese Reaktionen bei Patienten möglicherweise selbst ausgelöst werden und so zum Entstehen neuer, permanenter Autoimmunerkrankungen führen könnten.“ Grundsätzlich aber sei man eher optimistisch, dass Tests auf Autoantikörper zukünftig bessere Behandlungsmöglichkeiten bieten könnten.

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