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Coronavirus: Fragen und Antworten zur Lungenkrankheit Covid 19

  • Die Zahl der am Coronavirus erkrankten Menschen in China steigt weiter.
  • Auch die bestätigten Fälle in Europa nehmen zu.
  • Ein Überblick über die Ausbreitung der Lungenkrankheit, mögliche Symptome und Schutzmaßnahmen sowie Vorhaben der WHO.
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Ein Virus hält die Welt in Atem: Seit dem Ausbruch der rätselhaften Lungenkrankheit im Dezember in China mehren sich weltweit täglich die Zahlen zu Neuinfektionen. Es gibt 16 bestätigte Fälle in Deutschland. 2236 Tote wurden durch die chinesische Gesundheitskommission bereits offiziell bestätigt (Stand: 21.02.20, 06.20 Uhr). Die Infektionsziffern der WHO klettern täglich in die Höhe.

Coronavirus: Zahl der Erkrankungen und Toten

Das amerikanische Center for Systems Science and Engineering (CSSE) an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore sammelt Daten von mehreren Quellen, darunter der WHO sowie europäischen und chinesischen Meldezentralen. Das weltweite Ausmaß der Erkrankungen stellen die Wissenschaftler in einer interaktiven Karte zusammen.

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Stand 21. Februar 2020 (6.20 Uhr) gibt es bislang weltweit 76.718 Infektionen, 2247 Todesfälle und 18.470 Genesungen. 75.465 der Infizierten leben in China.

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Am Imperial College in London arbeiten Forscher an einem Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus.  © AFP

Wo gibt es das Coronavirus? Fälle weltweit

Erkrankungen wurden auch außerhalb Chinas nachgewiesen. In Deutschland sind 16 Menschen erkrankt. Zu den Ländern, in denen Coronavirus-Erkrankungen von der WHO oder regionalen Gesundheitsbehörden bestätigt wurden, gehören (insgesamt 76.718 Fälle):

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  • China (75.465 Fälle)
  • MS “Diamond Princess” (634 Fälle)
  • Singapur (85 Fälle)
  • Hongkong (68 Fälle)
  • Thailand (35 Fälle)
  • Japan (94 Fälle)
  • Südkorea (156 Fälle)
  • Malaysia (22 Fälle)
  • Taiwan (24 Fälle)
  • Deutschland (16 Fälle)
  • Vietnam (16 Fälle)
  • Australien (15 Fälle)
  • USA (15 Fälle)
  • Frankreich (12 Fälle)
  • Macau (10 Fälle)
  • Großbritannien (9 Fälle)
  • Arabische Emirate (9 Fälle)
  • Kanada (8 Fälle)
  • Iran (5 Fälle)
  • Italien (3 Fälle)
  • Philippinen (3 Fälle)
  • Indien (3 Fälle)
  • Russland (2 Fälle)
  • Spanien (2 Fälle)
  • Nepal (1 Fall)
  • Finnland (1 Fall)
  • Schweden (1 Fall)
  • Belgien (1 Fall)
  • Sri Lanka (1 Fall)
  • Kambodscha (1 Fall)
  • Ägypten (1 Fall)

Stand: 21.02.20, 6.20 Uhr. Quelle: CSSE

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Was ist der offizielle Name des Coronavirus?

Auch wenn im Alltag und in Nachrichten weiterhin vom Coronavirus die Rede ist - die offizielle Bezeichnung für das Sars-ähnliche Virus ist: "Sars-CoV-2". Auch die neuartige Lungenkrankheit, die durch das Virus ausgelöst wird, hat einen eigenen Namen. Dieser ist: "Covid-19" und setzt sich aus "Corona Virus Disease" zusammen.

Verantwortlich für die Namensgebung ist die Coronavirus-Studiengruppe des Internationalen Komitees zur Taxonomie von Viren (International Committee on Taxonomy of Viruses). Vorläufig wurde das Coronavirus von Fachleuten "2019-nCoV" genannt. Die neue, offizielle Bezeichnung ist maßgeblich für die künftige wissenschaftliche Bezeichnung, etwa in Studien.

Was ist das Coronavirus?

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Das neuartige Virus gehört wie Mers (Middle East Respiratory Syndrome) und Sars (Severe Acute Respiratory Syndrome) zur Familie der Coronaviren. Diese sind bereits seit Mitte der sechziger Jahre bekannt und können bei Säugetieren, Vögeln und Fischen unterschiedliche Erkrankungen verursachen.

Durch die hohe genetische Variabilität der Viren ist auch eine Übertragung auf den Menschen, so wie 2002/2003 bei Sars und 2012 bei Mers, möglich.

Wo hat das Coronavirus seinen Ursprung?

Das derzeitige Virus trat erstmals in der chinesischen Stadt Wuhan (Hauptstadt der Provinz Hubei) auf. Vermutet wird, dass sich das Virus auf einem Tiermarkt der Stadt, auf dem auch Schlangen und Fledermäuse verkauft werden, erstmals auf Menschen übertragen hat. Der betreffende Markt in Wuhan wurde inzwischen geschlossen, der Handel mit Wildtieren in ganz China vorübergehend verboten.

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Die chinesische Regierung hat die Millionenmetropole Wuhan nun praktisch abgeriegelt.  © dpa

Wie bedroht ist Deutschland vom Coronavirus?

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Nach Einschätzung der zuständigen Behörden, die die Gefahr der Einschleppung des Virus regelmäßig neu bewerten, sei Deutschland gut auf das Coronavirus vorbereitet. Deutsche Krankenhäuser und Flughäfen seien mit entsprechenden Notfallplänen gewappnet.

Auch wenn es bundesweit bereits 16 bestätigte Fälle gibt, herrsche in Deutschland kein Grund zu Panik. Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler geht davon aus, dass die „Gefahr für die deutsche Bevölkerung sehr gering“ sei.

Der am Coronavirus forschende Virologe Christian Drosten von der Berline Charité warnt aber davor, sich angesichts der geographischen Distanz zu China keine Gedanken zu machen. Er gehe „von einer realistischen Pandemie-Gefahr aus“. „Da sollte man sich nichts vormachen“, so Drosten im RND-Interview.

Wer ist vom Coronavirus akut bedroht?

Bei Menschen verursachen die Viren verschiedene Symptome, die von einer gewöhnlichen Erkältung bis zu potenziell tödlichen Atemwegssyndromen wie Sars oder Mers reichen. Eine ernste, gesundheitliche Gefahr stellt das Coronavirus nach ersten Erkenntnissen für Menschen mit geschwächtem Immunsystem dar. Vor allem ältere und kranke Menschen gehören bislang zu den Todesopfern der Epidemie.

Welche Übertragungswege gibt es?

Es wird vermutet, dass das Virus bis zu 24 Stunden außerhalb des menschlichen Körpers überlebt. Übertragen wird das Sars-ähnliche Virus direkt durch Tröpfcheninfektion über engen Kontakt zu hustenden und niesenden Infizierten. Auch über das Verdauungssystem könnte das Virus verbreitet werden, vermuten Mediziner. Die Inkubationszeit beträgt laut WHO zwei bis zehn Tage. Auswertungen aus China gehen davon aus, dass die Inkubationszeit in seltenen Fällen bis zu 24 Tage andauern kann.

Unter Berücksichtigung der Übertragungswege in China gehen Forscher davon aus, dass jeder Infizierte im Durchschnitt 2,2 andere Menschen ansteckt. Die Rate liegt etwas höher als bei der gewöhnlichen Grippe, aber niedriger als bei Sars, das auch bekannt ist als Schweres Akutes Atemwegssyndrom und genetisch zur Familie des neuen Virus gehört. Wie der Virologe Christian Drosten (Charité Berlin) erklärte, vermehrt sich das Influenzavirus im Rachen, was es ansteckender mache als anfangs vermutet.

Welche Symptome treten bei Infizierten auf?

Tückisch: Der Krankheitsverlauf ähnelt in vielen Fällen Grippesymptomen. Husten, Kurzatmigkeit, Kopfschmerzen und Halsschmerzen gehen mit hohem Fieber über 38 Grad einher. Stellt der Arzt zudem fest, dass beide Lungenflügel entzündet sind, ist eine Erkrankung wahrscheinlich. Es gebe aber auch milde Verläufe. Das Coronavirus verbreitet sich höchstwahrscheinlich auch von Mensch zu Mensch bei schwacher Ausprägung.

Welche Schutzmaßnahmen kann ich persönlich treffen?

Massenansammlungen von Menschen sollten in den vom Virus betroffenen Regionen (Wuhan, zentralchinesische Provinz Hubei) gemieden werden, ebenso wie der enge Kontakt zu eventuell erkrankten Personen. Die US-Gesundheitsbehörde (CDC) rät Reisenden nach Wuhan, Tiermärkte und den Kontakt mit Tieren oder mit kranken Personen zu meiden. Nach dem Essen und der Benutzung der Toilette sollten die Hände, wie sonst auch, gründlich gewaschen werden. In öffentlichen Verkehrsmitteln kann zusätzlich eine Atemschutzmaske getragen werden.

Die Masken, die man auf Chinas Straßen sehen kann, wehren Feinpartikel nicht ab und schützen dementsprechend auch nicht vor einer Tröpfcheninfektion. Sinnvoll sei es aber laut WHO, dass Menschen, die sich bereits angesteckt haben, FFP3-Masken tragen. So vermeiden sie die Verbreitung des Virus.

Gibt es eine Reisewarnung für Touristen nach China?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen des Ausbruchs der neuen Lungenkrankheit in China eine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ ausgerufen. Damit sind konkrete Empfehlungen an Staaten verbunden, um die Ausbreitung über Grenzen hinweg möglichst einzudämmen. Dazu können unter anderem Grenzkontrollen, das Einrichten von spezialisierten Behandlungszentren oder mögliche Impfungen medizinischer Fachkräfte gehören.

Bundesbürger sollten von Reisen nach China absehen. „Verschieben Sie nach Möglichkeit nicht notwendige Reisen nach China“, heißt es in Reise-Hinweisen des Auswärtigen Amtes. Vor einem Besuch in der schwer betroffenen Provinz Hubei wird ausdrücklich gewarnt.

Coronavirus: Welche Behandlungsansätze gibt es und kann man sich impfen lassen?

Behandeln im eigentlichen Sinne kann man die Lungenkrankheit nicht, auch eine Impfung oder Medikamente gegen das Coronavirus gibt es noch nicht. Zudem ist das gesamte Spektrum der Symptome noch nicht richtig erfasst – so können höchstens einige Begleiterscheinungen gemildert werden, etwa durch die Einnahme bestimmter Antibiotika. Zur Behandlung des neuartigen Coronavirus haben chinesische Behörden ein Medikament für klinische Versuche zugelassen: Remdesivir. Der Wirkstoff hat in ersten Tests die Symptome der Patienten gelindert.

Der neue Erreger hat eine Verbindung zum Sars-Virus von 2002/2003 – das hat bei der Suche nach Behandlungsmöglichkeiten Vorteile, sagen Experten. So könnte man bereits gewonnene Erkenntnisse nutzen, um Substanzen zu finden, die das Virus hemmen.

Wissenschaftler arbeiten an Impfstoff gegen Coronavirus

An der Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus wird derzeit intensiv geforscht. Bisher ist es Wissenschaftlern gelungen, das Genom des Virus zu sequenzieren und zu veröffentlichen, sagt der Geschäftsführer der internationalen Impfallianz Gavi, Seth Berkley. Australische Forscher vermeldeten einen Durchbruch: Sie konnten das Coronavirus nachzüchten. Nun könne gemeinsam mit der WHO an einem Impfstoff gearbeitet werden. Die Entwicklung eines anwendbaren Impfstoffes werde nach Gavi-Einschätzung mindestens ein Jahr dauern.

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Schnell erklärt: das Coronavirus
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In China breitet sich die von einem bislang unbekannten Virus verursachte Lungenkrankheit weiter aus, und die Suche nach einem Heilmittel läuft.  © AFP

Ist das neue Coronavirus dasselbe Sars-Virus wie 2002?

Laut Virologen handele es sich bei dem neuartigen Coronavirus ganz klar um einen Untertyp des Sars-Virus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet die neuen Fälle in Asien aktuell neutral als „2019-nCov“ – Wissenschaftler neigen jedoch dazu, vom Sars-Virus zu sprechen.

2002 hatte sich die ebenfalls durch ein Coronavirus verursachte Atemwegserkrankung von Südchina aus auf mehr als zwei Dutzend Länder ausgebreitet. Mehr als 800 Menschen starben. Rund 8000 Menschen infizierten sich damals mit der hoch ansteckenden Lungenkrankheit, die meisten in China. In Taiwan, Singapur, Hongkong und Kanada gab es ebenfalls viele Fälle. Auch in Europa gab es einige Erkrankte. Allein in Deutschland wurden neun Fälle registriert, die aber laut WHO-Statistik alle geheilt werden konnten.

Welche Tiere haben das neue Coronavirus übertragen?

Das neue Coronavirus hat seinen Ursprung wahrscheinlich in Fledermäusen. Dafür haben chinesische Wissenschaftler eigenen Angaben zufolge weitere Hinweise gefunden. Auch in einem Pangolin, einem Schuppentier, wurde ein Erreger gefunden, der dem Coronavirus stark ähnelt. Das Fleisch der Pangoline gehört in China zu den Leckerbissen.

Der Virologe Christian Drosten (Charité Berlin) hält Berichte, Schuppentiere seien die Quelle, für wenig sinnvoll, da diese keine Fledermäuse fräßen. Er hält Fledermäuse für das Virus-Reservoir. Möglicherweise habe sich das Virus irgendwo in China Menschen angenähert, bevor es auf dem Markt in Wuhan eingeschleppt wurde, von wo die ersten Fälle gemeldet wurden. Es scheine so, als sei das Virus gut an den Menschen angepasst.

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Wie sich das Coronavirus bisher ausbreitete
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Chronologie des Virus, das sich rasend schnell ausbreitet und mit dem sich immer mehr Menschen infizieren.

Gibt es schon eine Pandemie?

Noch nicht. Es handelt sich bislang um eine Epidemie. Aber es sind Experten zufolge nicht so viele Menschen auf der ganzen Welt betroffen, dass man von einer Pandemie spricht. Bisher haben andere Länder ein paar Dutzend Fälle gemeldet. Zumeist handelt es sich um Patienten, die von einer China-Reise zurückgekehrt sind sowie um Personen in ihrem näheren Umfeld. Bisher gab es außerhalb Festlandchinas jeweils in Hongkong und auf den Philippinen einen Sterbefall, die auf das neue Coronavirus zurückgeführt wurden.

Sind Kreuzfahrtschiffe wirklich "schwimmende Petrischalen"?

Auf engsten Raum leben Tausende Menschen zusammen - ohne strikte Hygieneregeln eine ideale Stätte zur Verbreitung von Krankheitserregern. So kam es, dass nirgendwo außerhalb Chinas die Zahl der mit dem Virus Sars-CoV-2 infizierten Menschen größer ausfiel als auf dem Kreuzfahrtschiff “Diamond Princess” vor Japan.

Bei einem Virus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff sei die bis zu 14-tägige Zeit von der Infektion bis zur Erkrankung problematisch, weil diese eine Quarantäne notwendig mache, sagt Emil Reisinger, Tropenmediziner und Infektiologe an der Universitätsmedizin Rostock. Der Hygiene-Standard auf Kreuzfahrtschiffen sei generell hoch. Dies sei auch dringend notwendig, da viele Passagiere auf begrenztem Raum zusammenlebten. Einen gewissen Schutz, auch vor dem Coronavirus, könne die obligatorische Händedesinfektion bieten, da das neuartige Virus auch durch Schmierinfektionen übertragen werden könne.

Wie lässt sich der rasante Infektions-Anstieg Mitte Februar erklären?

Am Freitag, 14. Februar, ist die Zahl der bestätigten Ansteckungen in China stark gestiegen. Allein in der schwer betroffenen Provinz Hubei in Zentralchina kamen innerhalb eines Tages 4823 Infektionen hinzu, wie das Staatsfernsehen unter Berufung auf die Gesundheitskommission der Provinz berichtete. Am Vortag war die Zahl der neu bestätigten Infektionen bereits dramatisch um 15.000 angestiegen

Die hohen Zahlen lassen sich aufgrund einer neuen Zählweise erklären. Demnach werden seit Mitte Februar auch die klinischen Diagnosen der Covid-19 genannten Lungenkrankheit aus den vergangenen Wochen mitgerechnet. Da die DNA-Tests im Labor häufig die Infektion nicht feststellen können, werden jetzt auch die Fälle mitgerechnet, bei denen Ärzte eine Lungenentzündung, Fieber, Atemprobleme und andere typische Covid-19-Symptome festgestellt haben und auch ohne Labortest zu einer Diagnose der Infektion kommen.

Viele Fälle werden nun rückwirkend gemeldet, da sie manchmal bis zum Beginn des Ausbruchs selbst zurückreichen. Nur die Provinz Hubei, auf die mehr als 80 Prozent der gesamten Infektionen in China zurückzuführen sind, verwendet die neue Definition, um neue Fälle zu diagnostizieren.

RND/jo/dale/sbu/pf/dpa