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Corona-Infektionen: Wo sich die Deutschen anstecken, ist oft nicht mehr klar

  • Intensiver und längerer persönlicher Kontakt geht mit einem hohen Coronavirus-Übertragungsrisiko einher.
  • Das zeigen auch die Daten der Gesundheitsämter und verweisen auf derzeit viele Ansteckungen im privaten Umfeld – statt in Restaurants.
  • Allerdings gibt es inzwischen viele blinde Flecken, weil nur noch ein Viertel der Ansteckungsorte wirklich nachvollziehbar ist.
Laura Beigel
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Eine zunehmende Beschleunigung der Cornavirus-Übertragungen ist in Deutschland zu beobachten. „Der bundesweite Anstieg wird durch Ausbrüche, welche insbesondere im Zusammenhang mit privaten Treffen und Feiern sowie Gruppenveranstaltungen stehen, verursacht“, heißt es im Situationsbericht des Robert-Koch-Instituts (Stand: 29. Oktober). Auch Covid-19-bedingte Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen und Krankenhäusern würden wieder vermehrt vorkommen. Grundsätzlich nimmt seit Anfang September der Anteil älterer Personen unter den Covid-19-Fällen wieder zu. Das Ausbruchsgeschehen sei insgesamt „diffus“.

Diffuse Lage: Großteil der Corona-Infektionen nicht mehr nachvollziehbar

RKI-Daten zu den in Deutschland erfassten Fällen zeigen ein Muster: Vor allem intensiver und längerer persönlicher Kontakt geht mit einem hohen Übertragungsrisiko einher. Das Virus kursiert sehr oft im familiären Umfeld. Eine „substanzielle Anzahl“ von Ausbrüchen ist im privaten Haushalt zu verorten. Am Arbeitsplatz finden Ausbrüche überwiegend in geschlossenen Räumen und bei beengten Verhältnissen statt. Übertragungen in öffentlichen Verkehrsmitteln, Gaststätten und Hotels kommen bei Einhaltung von Hygienekonzepten hingegen – mit Blick auf die Daten der Kontaktnachverfolgung durch die Gesundheitsämter – deutlich seltener vor.

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Die Grafik im RKI-Situationsbericht vom 27. Oktober zeigt, wo sich die Deutschen am häufigsten infizieren. (Screenshot). © Quelle: Robert Koch-Institut

Das heißt aber nicht unbedingt, dass dort keine stattfinden. Laut Robert-Koch-Institut gibt es in vielen Landkreisen inzwischen eine zunehmend diffuse Ausbreitung von Sars-CoV-2. Das heißt konkret: Die Zuordnung zu einem Infektionsumfeld ist „nicht immer eindeutig“, erklärt das RKI. Rund 75 Prozent aller Corona-Fälle können in den Landkreisen inzwischen auf keinen eindeutigen Ansteckungsort zurückgeführt werden.

Und: In einigen Umfeldern, beispielsweise im Bahnverkehr, lassen sich Ausbrüche nur schwer ermitteln, da in vielen Fällen die Identität eines Kontaktes im Nachhinein nicht mehr nachvollziehbar ist, erklärt das RKI. Bei hohem Arbeitsaufkommen hätten die Gesundheitsämter zudem nicht immer die Kapazität, detaillierte Informationen zu Ausbrüchen zu erheben und zu übermitteln.

Blinde Flecken: Erinnern sich Corona-Infizierte an die letzten zehn Tage?

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Auch der Virologe Christian Drosten weist darauf hin, dass mit Blick auf die Daten keine klaren Aussagen zu Ansteckungsorten gemacht werden könnten. Im NDR-Podcast vom 27. Oktober erklärte der Experte, Infizierte erinnerten sich logischerweise eher an eine Familienfeier statt an ein flüchtiges und zufälliges Zusammentreffen in der Öffentlichkeit. „Niemand kann das eigentlich nachweisen oder kann sich da genau daran erinnern. Das gilt für öffentliche Verkehrsmittel, es gilt aber auch für andere Situationen sicherlich. Viele Situationen in der Gastronomie sind ähnlich. Auch viele Situationen im Arbeitsleben sind ähnlich.“

Es sei einiges zu tun, um die Kontaktnachverfolgung in diesem Punkt zu verbessern. „Ich weiß auch nicht, ob man das in der jetzigen Inzidenz-Situation noch hinbekommen kann“, räumte Drosten im Podcast ein. Er schlug erneut ein verpflichtendes Tagebuch vor, das jeder Einzelne führt. Dort könne dann vermerkt werden: „Wo war ich heute? War ich heute überhaupt in einer Clustersituation? Wer war da so ungefähr dabei? Und das merke ich mir, falls ich dann in zehn Tagen plötzlich Symptome kriege“, erklärt der Virologe. Das helfe den Gesundheitsämtern bei der Nachverfolgung.

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