Coronavirus: Woher kommen die Superspreader?

  • In Bayern sorgte eine 26-Jährige möglicherweise für einen starken Anstieg an Covid-19-Erkankungen.
  • Sie gilt als sogenannte Superspreaderin.
  • Laut einer japanischen Studie sind Superspreader indes meistens männlich und zwischen 20 und 39 Jahre alt.
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Hat eine 26-jährige Frau den Corona-Ausbruch in Garmisch-Partenkirchen verursacht? In der bayerischen Stadt stieg die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Einwohner in der vergangenen Woche stark an. Insgesamt belief sich die Anzahl der Neuinfektionen zum Samstag auf 37 Fälle. Hinzu kommen bereits früher Infizierte. Die US-Amerikanerin, die in Garmisch-Partenkirchen arbeitet, war mit Corona-Symptomen vor dem positiven Testergebnis durch Kneipen gezogen. Damit könnte sie zur Superspreaderin geworden sein.

Was ist ein Superspreader?

Je nach Reproduktionswert, kurz R‑Wert, zeigt sich, wie viele andere Menschen ein mit Sars-CoV-2 Infizierter durchschnittlich ansteckt. Der R‑Wert liegt in Deutschland, laut Robert-Koch-Institut, bei 1,08 (Stand: 14. September 2020). Das heißt, jeder Erkrankte steckt aktuell etwas mehr als eine weitere Person an. Fachleute sprechen von sogenannten Superspreadern, wenn jemand deutlich mehr Menschen ansteckt als zu erwarten. Einen Grenzwert, ab wie vielen weiteren Ansteckungen jemand als Superspreader gilt, gibt es allerdings nicht. Bei manchen Fällen ist eine exakte Verfolgung der Infektionskette auch nicht mehr möglich.

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Wissenschaftler nehmen an, dass nicht alle Infizierten das Virus weiterverteilen, sondern eher wenige Erkrankte viele weitere Menschen anstecken. So fasst es auch der Virologe Christian Drosten in seinem NDR-Podcast zusammen. Schätzungen zufolge machen rund 20 Prozent der Infizierten circa 80 Prozent der Ausbreitung aus.

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Wer kann zum Corona-Superspreader werden?

Japanische Forscher haben in einer Clusteranalyse zu möglichen Infektionspunkten mit dem Coronavirus zudem herausgefunden, wo sich eine Vielzahl von Menschen mit dem Virus ansteckt. Dabei untersuchten sie über 3000 Infektionsfälle und konnten 61 Fallgruppen feststellen, in denen sich die Erkrankten primär infizierten.

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Die Wissenschaftler konnten außerdem in 22 der 61 Gruppen eine konkrete Person ausmachen, die womöglich als Superspreader für eine große Infektionszahl verantwortlich ist. Diese Superspreader waren meistens männlich (59 Prozent) und zwischen 20 und 39 Jahre alt und hatten keine Symptome einer Sars-CoV-2-Erkrankung. Genau dort liegt jedoch ein Problem von Superspreadern: Wer keine Symptome hat, verbringt seine Freizeit in der Regel nicht in Quarantäne, sondern nimmt am gesellschaftlichen Leben teil. Trotzdem sind sie infektiös, das Ansteckungsrisiko für andere bleibt also bestehen. Gefunden werden sie dann nur durch einen positiven Corona-Test.

Einen Großteil der Infektionen konnten die Forscher übrigens zum Gesundheits- und Pflegebereich, aber auch zu Restaurants und Bars, zum Arbeitsplatz sowie zu musikalischen Events zurückverfolgen. Auffällig sei dabei, dass sich bei einer Vielzahl der Covid-19-Ansteckungen die äußeren Umstände ähnelten: In geschlossenen Räumen mit schlechter Belüftung und wenig Platz waren die Fallzahlen deutlich erhöht.

RND/vag

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