Studie: Sars-CoV-2 überlebt bis zu 72 Stunden auf Kunststoff und Stahl

  • US-Wissenschaftler haben neue Erkenntnisse zur Überlebensdauer des neuartigen Coronavirus auf Oberflächen veröffentlicht.
  • Sars-CoV-2 soll besonders lange auf Kunststoff und Edelstahl überleben, aber auch auf Pappe.
  • Die Stabilität von Coronaviren in der Umwelt hängt aber von mehreren Faktoren ab.
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Ein beunruhigendes Fazit haben Forscher des US-Gesundheitsinstituts NIH und der Seuchenschutzbehörde CSC haben in einer neuen Studie zum neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 gezogen. “Wir haben herausgefunden, dass lebensfähige Viren in Aerosolen bis zu 3 Stunden nach der Aerosolisierung, bis zu 4 Stunden auf Kupfer, bis zu 24 Stunden auf Karton und bis zu 2 bis 3 Tage auf Kunststoff und Edelstahl nachgewiesen werden konnten”, schreiben die Virologen.

Sie haben in ihrer Forschung das neuartige Coronavirus mit dem Sars-Virus, das für die Epidemie im Jahr 2002/2003 verantwortlich war, verglichen. Der Bericht erscheint demnächst im New England Journal of Medicine und wird derzeit noch von weiteren Wissenschaftlern geprüft.

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Coronavirus breitet sich weltweit schnell aus

Klar ist aber schon jetzt: Das neuartige Coronavirus verbreitet sich schneller als das von vor einigen Jahren, es wandert auf für das menschliche Auge unsichtbaren Wegen von Wirt zu Wirt weiter. Virologen gehen davon aus, dass sich das Virus von Mensch zu Mensch über Tröpfcheninfektion überträgt. Viren brauchen zum Überleben eine Wirtszelle, deshalb befallen sie Menschen oder Tiere.

Die Studienergebnisse sind ein Hinweis darauf, dass der Wirt, also der Mensch, das Virus auch länger in der Umgebung aufnehmen kann. Das könnte dann so ablaufen: Ein Mensch niest in die Hand, fasst ein paar Minuten später mit der Hand an die Türklinke. Eine andere Person fasst einige Zeit später daran, kommt in Kontakt mit den eigenen Schleimhäuten - und hat sich infiziert.

Das nennt sich dann Schmierinfektion: Übertragungen über Oberflächen, die kurz zuvor mit Viren kontaminiert wurden. Bislang gingen Wissenschaftler wegen einer relativ geringen Stabilität von Coronaviren in der Umwelt davon aus, dass das nur in einem geringen Zeiträum möglich ist.

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Wie überträgt sich das Coronavirus genau?

Behalten die Forscher mit ihren Untersuchungen zur langen Überlebensdauer von Sars-CoV-2 auf Oberflächen wie Stahl und Kunststoff Recht, könnte das weitere Hinweise zu geeigneten Schutzmaßnahmen liefern. Edelstahl lässt sich beispielsweise in vielen Kliniken wiederfinden, ein mögliches Indiz für die massiven Ansteckungswellen in den Kliniken in Wuhan.

Bislang sagen Behörden: Aufgrund der bisher ermittelten Übertragungswege und der relativ geringen Umweltstabilität von Coronaviren ist es laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung nach derzeitigem Wissensstand allerdings unwahrscheinlich, dass Waren wie importierte Lebensmittel, Spielwaren, Werkzeuge, Computer, Kleidung oder Schuhe Quelle einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus sein könnten.

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Auch Temperatur, Luft und Viruseigenschaft sind entscheidend

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Die Stabilität von Coronaviren in der Umwelt hänge von vielen Faktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Beschaffenheit der Oberfläche sowie vom speziellen Virusstamm und der Virusmenge ab. Im Allgemeinen seien laut Bundesinstitut humane Coronaviren nicht besonders stabil auf trockenen Oberflächen. “In der Regel erfolgt die Inaktivierung in getrocknetem Zustand innerhalb von Stunden bis einigen Tagen”, heißt es auf der Homepage.

Genauere Daten zu den Eigenschaften von Sars-CoV-2 liegen derzeit jedoch noch nicht vor. Ähnlich wie bei der Medikamenten- und Impfstoffentwicklung bleibt abzuwarten, zu welchen weiteren Erkenntnissen Wissenschaftler in groß angelegter Forschung kommen.


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