So erklären Eltern ihren Kindern das Coronavirus

  • Die aktuelle Situation stellt Eltern vor einige Herausforderungen: Wegen des Coronavirus sind Kitas und Schulen geschlossen und Kinder haben eine Menge Fragen.
  • Kinder- und Jugendpsychotherapeut Christian Lüdke erklärt, wie diese am besten und altersgerecht beantwortet werden.
  • Das Wichtigste: Ruhe bewahren, unnötige Panik beunruhigt auch die Kinder.
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Hannover. An einen normalen Alltag ist in Zeiten des Coronavirus nicht zu denken. Schulen, Kitas und Geschäfte sind geschlossen. Die meisten Arbeitnehmer sind mittlerweile im Homeoffice. Viele Deutsche begeben sich in Selbstquarantäne. Die neue Situation kann zunächst befremdlich sein – vor allem für Kinder. Doch es gibt Mittel und Wege, dem Nachwuchs schonend und altersgerecht die aktuelle Situation zu erklären.

Zunächst ist es wichtig, dass Eltern ihren Kindern aufmerksam zuhören, erklärt Kinder- und Jugendpsychotherapeut Dr. Christian Lüdke im RND-Gespräch. Welche Eindrücke sammelt mein Kind? Sieht es das Coronavirus als Gefahr? Entscheidend sei außerdem, Ruhe zu bewahren. “Kinder sind erst dann beunruhigt, wenn es auch die Eltern sind. Wenn Eltern unruhig werden und sich panisch über die Situation äußern, überträgt sich das natürlich auf die Kinder, denn sie übernehmen eins zu eins die Gefühle von Mama und Papa”, erklärt der Therapeut.

Kinder unter drei Jahren sollten die Situation nicht mitbekommen

“Aktuell befinden wir uns in einer der wenigen Situationen, in der keine Gefühle angebracht sind”, mahnt Lüdke. Mit Kindern unter drei Jahren sollte man generell nicht über die Situation sprechen und sie sollten weitestgehend von Bildschirmen, also Nachrichten ferngehalten werden – das gelte übrigens nicht nur in Zeiten von Corona. Kindern sollten eher durch gemeinsames Spielen abgelenkt werden. “Wenn Kinder spielen, vergessen sie die Zeit. Beim Toben und Lachen gibt es außerdem eine Überflutung an Glückshormonen.”

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Mit Kindern zwischen drei und zehn Jahren sollte nur über die Situation geredet werden, wenn sie danach fragen. Lüdke sagt: “Unbedingt die Wahrheit sagen, aber nicht die ganze Wahrheit.” Detaillierte Bilder vom Krankheitsverlauf sollten den Kindern erspart bleiben. Ab zehn Jahren könne laut dem Kinder- und Jugendpsychotherapeuthen mit Kindern geredet werden wie mit Erwachsenen.

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Die Situation zum Positiven wenden

Die Kinder dürften die Schutzmaßnahmen niemals als Bestrafung erleben. “Eltern müssen sehr positiv an die Situation herangehen”, fordert der Therapeut. Außerdem sollte den Kindern erklärt werden, dass die Maßnahmen derzeit für alle Kinder gelten und sie dadurch auch dazu beitragen, dass dieses Virus gestoppt wird.

Auch die Trauer, Oma und Opa nicht sehen zu können, kann ins Positive umgewandelt werden. “Man kann den Kindern erklären, dass sie die Großeltern zwar gerade nicht sehen können, sie aber von ihnen lernen können was Facetime, WhatsApp und Videoanrufe angeht. Das Erklären von Technik bestärkt die Kinder und macht aus Schwäche eine Stärke.”

Wichtig, für Eltern und Kinder gleichermaßen, ist außerdem, dass die Situation nicht von Dauer ist. “Das müssen wir uns zurzeit immer wieder klarmachen - der Zustand gilt nur für den Moment und wird wieder vergehen.”

Struktur während der Zeit Zuhause

Wichtig ist auch, dass die Kinder zu Hause Struktur vorfinden. “Es sollte einen konkreten Tagesplan geben”, sagt Lüdke. Der strukturierte Tagesablauf vermittelt den Kindern ein Gefühl von Sicherheit und trägt dazu bei, dass sie nicht unterfordert sind. Eltern können einen Plan ausdrucken und zum Beispiel an den Kühlschrank hängen. Dieser Plan ist dann verbindlich für alle.

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Damit die Kinder ihre Freundschaften weiterhin pflegen können, sollten sie sich zu Telefonaten oder Videochats verabreden. Kinder, die traurig sind, ihre Freunde nicht sehen zu können, können durch Bestärkung getröstet werden. “Man muss den Kindern klarmachen, dass sie helfen, wenn sie ihre Freunde erstmal nicht sehen. Das gibt ihnen das Gefühl, etwas Positives zu der Situation beizutragen”, erklärt Lüdke.

Kindgerecht beantwortet: Die wichtigsten Fragen zum Coronavirus

Was ist das Coronavirus?

Das Virus trägt den Namen “Corona”, weil die Coronaviren wie ein Kranz aussehen. "Corona” ist lateinisch und bedeutet “Kranz” oder “Krone”. Das Coronavirus heißt mit genauem Namen SARS-CoV-2. Die Krankheit, die das Coronavirus auslöst, heißt Covid -19. Covid ist eine Abkürzung für Corona Virus Disease. Das ist Englisch und bedeutet Corona-Virus-Krankheit. Die 19 steht für das Jahr 2019, also das Jahr, in dem die Krankheit ausgebrochen ist.

Was bekommen Menschen, die sich mit dem Coronavirus anstecken?

Menschen, die sich mit dem Coronavirus anstecken, können Husten, Fieber, Schnupfen, Halskratzen oder Durchfall bekommen. Manche haben auch Atemprobleme und können eine Lungenentzündung bekommen.

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Wie kann ich mich anstecken?

Das Coronavirus wird von Mensch zu Mensch übertragen. Wenn zum Beispiel ein Mensch mit Coronavirus hustet oder niest und damit die Viren in der Luft verteilt. Auch über die Hände können die Viren weitergegeben werden, wenn man sich die Hände schüttelt beispielsweise. Deswegen sollten wir uns zur Zeit nicht die Hände schütteln und sie oft waschen. Von der Ansteckung bis zum Krankwerden kann es bis zu zwei Wochen dauern. Auch in dieser Zeit, also noch bevor jemand sich richtig krank fühlt, kann derjenige bereits ansteckend sein.

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Corona oder Grippe? Wie erkenne ich, ob ich betroffen sein könnte?
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Die Angst vor dem Coronavirus steigt vielen zu Kopf. Fake News, Irreführende Gerüchte und viel Panikmache helfen da nicht.  © Marc Mensing/RND

Was passiert, wenn jemand Coronavirus hat?

Wenn sich ein Patient mit dem Coronavirus angesteckt hat, kommt er für mindestens 14 Tage in Quarantäne. Das heißt, in der Zeit darf er keinen Kontakt zu anderen Menschen haben. Eine weitere Behandlung ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Einen Impfstoff gegen das Virus gibt es zurzeit noch nicht.

Woher kommt das Virus?

Chinesische Forscher sind sich ziemlich sicher, dass das Virus zuerst von Fledermäusen auf Menschen übertragen wurde. Fledermäuse werden in China verbotenerweise verkauft.

Wo gibt es überall Infektionen?

In Asien gibt es die meisten Corona-Patienten in China, wo das Virus zum ersten Mal entdeckt wurde. In Europa gibt es mehrere Länder, in denen Menschen infiziert sind, die meisten in Italien. Aber auch in Frankreich, Deutschland und Spanien gibt es viele Fälle. Weniger sind es in Amerika und Afrika und Australien.

Wie gefährlich ist das Virus?

Laut Experten verläuft die Krankheit in den meisten Fällen eher wie eine harmlose Erkältung. Studien zeigen außerdem, dass Kinder derzeit seltener an Covid-19 erkranken als Erwachsene. Das Coronavirus ist vor allem für Menschen eine Gefahr, die bereits krank, schwach oder alt sind. Für die meisten Erwachsenen und Kinder ist eine Ansteckung harmlos. Doch Experten warnen, dass man das Virus trotzdem ernst nehmen muss.

Wie kann ich mich schützen?

Aktuell sollte auf Handeschütteln, Knuddeln und Küsschengeben verzichtet werden. Auch ein Abstand von 1,5 bis zwei Meter zu fremden Menschen wird empfohlen. Wer niesen oder husten muss, sollte sich von anderen Menschen wegdrehen und in die Armbeuge oder ein Taschentuch niesen. Die Augen, Nase und der Mund sollte so wenig wie möglich mit den Händen angefasst werden.

Und ganz wichtig zurzeit: Regelmäßig die Hände waschen. Mindestens 30 Sekunden lang, mit Seife und auch auf dem Handrücken und zwischen den Fingern. Vor allem vor dem Essen und nach dem Nachhausekommen.

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Coronavirus: Diese Maßnahmen schützen mich
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Das neuartige Coronavirus hat Deutschland erreicht, doch es gibt viele Möglichkeiten, um sich vor dem Anstecken zu schützen.  © RND

Warum sind Mama und Papa so viel zu Hause?

Es ist jetzt sehr wichtig, dass sich das Coronavirus nicht weiter ausbreitet. Das gelingt am besten, wenn Menschen so wenig wie möglich draußen sind. Auch, dass sich viele Menschen an einem Ort aufhalten, sollte verhindert werden. Da das bei der Arbeit oft der Fall ist, sollen Erwachsene Home Office machen, also von zu Hause arbeiten. Aus diesem Grund sind derzeit auch Schulen und Kitas geschlossen.

Warum darf ich Oma und Opa nicht sehen?

Gerade für ältere Menschen ab 65 Jahren oder Menschen mit bestimmten Krankheiten kann das Virus gefährlich sein. Experten sind deshalb der Meinung, das Großeltern geschützt werden müssen. Auch wenn es schwer fällt, sollten Großeltern vorerst von den Enkelkindern Abstand halten – nur um sie zu schützen. Die Enkel können zur Zeit aber eine große Hilfe werden, zum Beispiel wenn sie gemeinsam mit den Eltern für die Großeltern einkaufen, damit sie nicht selbst in den Supermarkt gehen müssen, wo sie sich anstecken könnten.

Wann darf ich wieder in die Schule?

Hier finden Sie einen bundesweiten Überblick der Schulausfälle und wann die Schule wieder losgeht (Stand: 18. März).

Bayern: 16. März bis 19. April – Schließung von Kitas und Schulen

Bremen: 16. März bis 14. April – Schließung von Kitas und Schulen

Hamburg: Ferien bis zum 29. März verlängert

Hessen: ab 16. März kein Unterricht mehr

Mecklenburg-Vorpommern: 16. März bis 20. April – Schließung von Kitas und Schulen

Niedersachsen: unterrichtsfrei vom 16. März bis 18. April

Nordrhein-Westfalen: 16. März bis 18. April – Schließung von Kitas und Schulen (es gibt Ausnahmen bis 17. März)

Rheinland-Pfalz: 16. März bis mindestens 19. April – Schließung von Kitas und Schulen

Saarland: 16. März bis 24. April – Schließung von Kitas und Schulen

Sachsen: 18. März – Schließung von Kitas und Schulen

Sachsen-Anhalt: 16. März bis 13. April – Schließung von Kitas und Schulen

Schleswig-Holstein: 16. März bis 19. April – Schul-Schließung, Kitas schließen ab Freitag

Baden-Württemberg: 17. März bis 19. April – Schließung von Kitas und Schulen

Berlin: ab spätestens 17. März – Schließung von Kitas und Schulen

Thüringen: 17. März bis 17. April – Schließung von Kitas und Schulen

Brandenburg: ab 18. März – Schließung von Kitas und Schulen

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RND/Alice Mecke




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