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Corona-Hotspots vermeiden: Neues Testverfahren aus Jena soll Infektion schneller aufdecken

  • Ein neues Testverfahren aus Jena könnte zukünftig helfen, Corona-Hotspots schneller zu erkennen.
  • Statt individueller Tests sollen Gruppenproben im Labor geprüft werden.
  • Getestet werden soll zunächst nur in infektiologisch relevanten Bereichen wie Schulen und Pflegeheimen.
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Ein neues Testverfahren, das Hotspots rechtzeitig entdeckt und so weitere Massenausbrüche verhindert: Diese Idee aus Jena könnte künftig helfen, das Sars-CoV-2-Virus schneller zu enttarnen. Statt Einzeltests sollen dabei Gruppenproben untersucht werden. Getestet werden soll zunächst nur in infektiologisch relevanten Bereichen wie Schulen und Pflegeheimen.

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland ist die Stadt Jena in Thüringen in Sachen Pandemiemanagement ein Vorreiter: Als erste Kommune der Bundesrepublik wurde dort der Mundschutz Anfang April Pflicht in Supermärkten und Bussen. Fast zeitgleich stellten Jenaer Forscher einen Antikörper-Schnelltest vor. Zudem blieben die Infektionszahlen mit dem Sars-CoV-2-Virus in der Universitätsstadt, gemessen an der Einwohnerzahl, mit unter 200 Fällen eher gering.

Eine Jenaer Medizinerin hat nun mit ihrem Forschungsteam ein neues Testverfahren für mögliche Covid-19-Erkrankungen entwickelt: Petra Dickmann von der Universität Jena will mit dem “Bewegungsmelder” für Corona-Infektionen die Orte finden, die möglicherweise zu Hotspots werden könnten. Entwicklungen wie aktuell in Garmisch-Partenkirchen, wo eine Superspreaderin für einen rapiden Anstieg an Corona-Fällen sorgte, könnten so rechtzeitig entdeckt und eingedämmt werden.

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Weniger Corona-Tests geplant

Im Gespräch mit focus.de erklärt Dickmann, wie die neue Testmethode funktioniert. Die Strategie: Statt jede Person einzeln zu testen, setzt Dickmann auf den “Public-Health-Ansatz". Dadurch könnten Aussagen über das Ansteckungsgeschehen in bestimmten Regionen und Bevölkerungsgruppen gemacht werden.

Die Tests sollen zunächst in drei Bereichen, die infektiologisch interessant sind oder eine relevante Rolle für die Gesellschaft spielen, durchgeführt werden, so Dickmann. Getestet werden soll primär in Alten- und Pflegeheimen, Kitas sowie Schulen, aber auch bei größeren Events. Allerdings werden die Proben der Getesteten nicht einzeln ausgewertet, sondern in Pools von zehn Personen zusammengelegt.

Labore werden entlastet

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Im Labor kommt also nur noch eine Probe auf den Tisch, die aus den zehn Abstrichen besteht. “Damit können wir einen Bevölkerungsausschnitt testen und bieten zugleich ein ressourcenschonendes Konzept”, so Dickmann. Die Labore müssten mit dem neuen Testverfahren deutlich weniger Proben auf das Sars-CoV-2-Virus untersuchen. Wird dort in einer Gruppenprobe eine Infektion mit dem Coronavirus nachgewiesen, werden die zehn Abstriche individuell getestet und die betroffenen Personen informiert.

Land Thüringen könnte sich beteiligen

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Überprüft werden die Proben mit einem PCR-Test, der sei aktuell “Goldstandard”, so Dickmann im Interview. Ihr Projekt setzt auf die Komponente der Früherkennung, die Ergebnisse sollen noch am gleichen Tag an die Testpersonen übermittelt werden. Die Kosten dafür werden zum Teil von den Krankenkassen getragen. Allerdings, sagt Dickmann, könne auch das Land Thüringen die Kosten in der ersten Phase übernehmen.

Wann das neue Testverfahren starten soll, ist noch nicht ganz klar. Auf RND-Nachfrage beim Universitätsklinikum Jena erklärt die dortige Pressestelle, man warte noch auf die Zusage des Landes, bevor mit dem Projekt begonnen werde.

RND/vag




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