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Coronavirus: Kinder infizieren sich genauso häufig wie Erwachsene – jedoch oft ohne Symptome

Experten halten Schulschließungen für sinnvoll, da nicht gesagt werden kann, wie ansteckend infizierte Kinder sind.

Experten halten Schulschließungen für sinnvoll, da nicht gesagt werden kann, wie ansteckend infizierte Kinder sind.

Hannover. Das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 macht vor Kindern weitestgehend halt. Warum das so ist, könnte eine neue Studie beantworten. Laut Forscherteam stecken sich Kinder genauso häufig mit dem Erreger an wie Erwachsene, sie entwickeln allerdings nur leichte oder gar keine Symptome – bekommen ein wenig Husten, Schnupfen oder Durchfall.

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Für die Analyse hat ein internationales Medizinerteam Patientendaten aus der südostchinesischen Metropole Shenzhen ausgewertet und auf der Plattfrom “medRxiv” veröffentlicht. Einzigartig ist bei der Studie, dass nicht nur die Daten der infizierten Patienten berücksichtigt wurden. Analysiert wurde auch, wie viele der Menschen, die mit den Erkrankten in Kontakt waren, später positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurden. 1286 enge Kontakte konnten untersucht werden.

Symptome der Infizierten

Das Team untersuchte zunächst 391 Patienten aus Shenzhen, bei denen zwischen dem 14. Januar und 12. Februar 2020 Covid-19 diagnostiziert wurde. Covid-19 ist die Lungenkrankheit, die von dem neuartigen Coronavirus ausgelöst wird. 91 Prozent der Betroffenen hatten nur leichte oder mäßige Symptome und waren im Schnitt 45 Jahre alt. Frauen waren unter den Patienten etwas häufiger vertreten als Männer. Mehr als die Hälfte gilt inzwischen als genesen, drei Patienten sind verstorben. Es vergingen durchschnittlich 32 Tage, bis sie sich wieder erholt hatten.

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8 Prozent der Kontaktpersonen infiziert

Das Team untersuchte außerdem, wie viele der 1286 Menschen, die mit den Erkrankten in Kontakt waren, später positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurden. Im Schnitt steckten sich 7 bis 8 Prozent der Kontaktpersonen an – und das unabhängig vom Alter. Bei den Kindern unter zehn Jahren lag die Infektionsrate bei 10,7 Prozent, im allgemeinen Durchschnitt aller Altersgruppen waren es rund 7,9 Prozent. Damit war die Übertragung des Virus auf Kinder genauso wahrscheinlich und sogar leicht höher als in den anderen Altersgruppen.

Enge Kontakte waren laut Studie diejenigen, die in derselben Wohnung mit dem Infizierten lebten, Mahlzeiten teilten, gemeinsam reisten oder in einem Zeitraum von zwei Tagen vor Auftreten der Symptome sozial mit einem Infizierten interagierten. Zufällige Kontakte, beispielsweise mit anderen Klinikpatienten oder Krankenhauspersonal, wurden nicht berücksichtigt.

Menschen, die mit einem Covid-19-Erkrankten in einem Haushalt lebten und engen Kontakt zu der Person hatten, steckten sich etwa sechsmal häufiger an als Menschen, die den Betroffenen außerhalb der eigenen Wohnung begegneten. Auch gemeinsame Reisen erhöhten die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung.

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Immunsystem der Kinder vermutlich effektiver

In einem gemeinsamen Bericht von China und der Weltgesundheitsorganisation WHO zum Coronavirus-Ausbruch heißt es, die Krankheit sei bei Kindern relativ selten und verlaufe mild. Auch die aktuelle Studie bestätigt, dass die unter 9-Jährigen wenig bis kaum Symptome aufwiesen. Bisher war jedoch nicht klar, ob sich Kinder seltener anstecken oder ob sie die Infektion besser abwehren können – die Studie legt nahe, dass Kinder Viren und Infektionen besser abwehren können.

Eine Erklärung ist, dass das noch nicht ausgebildete Immunsystem effektiver arbeitet. Die Andockstellen, über die Viren Körperzellen befallen, sind bei Kindern noch nicht komplett entwickelt. Wenn die Viren nicht in die Zellen eindringen, können sie sich auch nicht vermehren. Die Immunabwehr der Kinder hat kaum Erfahrungen mit gängigen Erregern, dadurch könnten sie noch keine spezifischen Antikörper gegen bestimmte Erreger ausbilden. Vielleicht reagiert dadurch die Abwehr der Kinder auf SARS-CoV-2 stärker.

Unklar, wie ansteckend Kinder sind

Die aktuellen Studienergebnisse werfen die Frage auf, welche Rolle Kinder bei der Ausbreitung des Coronavirus spielen. Möglicherweise könnten sie andere anstecken, obwohl sie selbst keine Symptome haben. Auch Ausbrüche an Schulen könnten unerkannt geblieben sein, weil die Kinder nur milde Symptome entwickeln. Wie ansteckend ein mit dem Coronavirus infiziertes Kind ist, das kaum Krankheitssymptome zeigt, ist bislang ungeklärt.

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Caitlin Rivers, Professorin am Johns Hopkins Center for Health Security, twitterte, dass die Studie wichtige Daten liefere, “die Schulschließungen als wirksame Maßnahme unterstützen kann”.

In Deutschland sind sich Experten uneinig, ob Schulschließungen wirklich vor einem weiteren Ausbruch schützen können. Derzeit fällt in fast 150 deutschen Schulen der Unterricht aus. Virologen wie Ulrike Protzer von der Technischen Universität und vom Helmholtz Zentrum München hält es durchaus für sinnvoll, Kindergärten und Schulen in Ausbruchsgebieten zu schließen – weniger zum Schutz der Kinder, “sondern um die Ausbreitung zu verlangsamen”. Der Deutsche Lehrerverband hält hingegen “wenig” von generellen Schulschließungen.

RND/Alice Mecke


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