Experte gibt Entwarnung: Kein Grund zur Corona-Panik - auch auf Reisen

  • Das Coronavirus bestimmt die Schlagzeilen.
  • Doch Angst vor Reisen nach China sollte man deshalb nicht haben, meint ein Experte.
  • Deutschland sei außerdem gut auf das Virus vorbereitet - sollte es zu Verdachtsfällen kommen.
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Essen. Die Zahl der Betroffenen steigt, mehr als 43 Millionen Menschen sind von der Außenwelt abgeschottet: Die Auswirkungen des Coronavirus erscheinen teilweise dramatisch. Aus Angst vor der Verbreitung der neuen Lungenkrankheit hat China außerdem Teile der Großen Mauer gesperrt. Betroffen ist der bei Touristen beliebte Mauerabschnitt Badaling im Norden von Peking, wie chinesische Staatsmedien berichteten. Zuvor hatten die Behörden bereits angekündigt, dass in Peking Großveranstaltungen auf unbestimmte Zeit gestrichen werden, darunter die traditionellen Tempeljahrmärkte, die als zentraler Teil der chinesischen Neujahrsfeiern gelten. Auch die Verbotene Stadt, das bekannte Palastmuseum in der Hauptstadt, gab bekannt, ab Sonnabend für unbestimmte Zeit ihre Pforten zu schließen.

Auf Grund dieser Maßnahmen ist die Unsicherheit bei Touristen groß. Auch die Sorge, dass das Coronavirus nach Europa und Deutschland überschwappt ist vorherrschend. In Deutschland gibt es aber keinen Grund zur Panik - auch nicht für Reisende, das sagt der Infektiologe Prof. Oliver Witzke im Interview. Er ist Direktor der Klinik für Infektiologie und des Westdeutschen Zentrums für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen sowie Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI).

Herr Witzke, es gibt immer neue Meldungen über das Coronavirus, in China und teils auch in anderen Ländern. Müssen Menschen in Deutschland deswegen beunruhigt sein?

Nein. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass es in China sehr gut gelingt, solche Fälle einzudämmen - wenn auch mit relativ wirksamen, uns radikal erscheinenden Maßnahmen. Trotzdem haben wir natürlich weltweit Fälle, das sind aber zurzeit alles Reisende aus dem primär betroffenen Gebiet in China. Es gelingt bisher auch sehr gut, diese Fälle schnell zu erkennen und einzudämmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es in Europa oder Deutschland eine größere Menge an Fällen gibt, halte ich deshalb für sehr gering.


Ganz auszuschließen ist es aber auch nicht?

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Ich gehe schon davon aus, dass wir auch in Deutschland Verdachtsfälle haben werden - von Reisenden zum Beispiel, die jetzt zum Neujahrsfest in China sind und danach zurückkehren. Die entsprechenden Ämter und infektionsmedizinischen Kliniken und Zentren sind darauf aber sehr gut vorbereitet, die entsprechenden Pläne stehen. Unser virologisches Institut wird zum Beispiel ab Anfang nächster Woche in der Lage sein, das Virus sofort zu entdecken und dann entsprechend zu reagieren.

Wie gefährlich ist das Coronavirus überhaupt?

Ein neues Sars ist das offensichtlich nicht. Bei Sars gab es damals eine relativ hohe Todesrate, mit Todesfällen auch bei jungen und gesunden Menschen. Das ist bei dem aktuellen Coronavirus bisher nicht der Fall - die schweren und sehr schweren Verläufe gibt es eher bei Älteren und bei Menschen mit Vorerkrankungen. Und im Vergleich zu Sars scheint das aktuelle Coronavirus auch weit weniger aggressiv. Das muss man sich dabei immer vor Augen führen.

Was müssen Reisende wissen - auf dem Weg nach China oder anderswo hin?

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Wir haben hier an der Universitätsmedizin in Essen eine ganz enge Kooperation mit Wuhan. Da waren auch Austausch- und Delegationsreisen geplant, die wir jetzt erst einmal abgesagt haben. Das halte ich für absolut vernünftig. Es wäre aber falsch, ganz China oder sogar ganz Asien über einen Kamm zu scheren. Gerade außerhalb von China würde ich mir zurzeit gar keine Sorgen machen. Man muss sich natürlich auf dem Laufenden halten, auch als Tourist - aber das gilt ja grundsätzlich.

RND/dpa

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