Angst vor dem Coronavirus: Nachfrage nach Atemschutzmasken steigt

  • Mit der Ausbreitung des Coronavirus steigt auch die Nachfrage nach Atemschutzmasken – auch in Deutschland.
  • Einige Apotheken haben bereits sämtliche Masken verkauft und kämpfen nun mit Lieferengpässen.
  • Experten warnen: Die meisten Atemschutzmasken bieten keinen sicheren Schutz vor den ansteckenden Erregern.
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Die Sorge vor einer Einschleppung des neuartigen Coronavirus lässt in deutschen Apotheken bereits die Nachfrage nach Atemmasken steigen. „In vielen Apotheken bundesweit werden die Masken verstärkt nachgefragt“, sagt Ursula Sellerberg von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Konkrete Zahlen lägen bisher jedoch nicht vor.

Erste Lieferengpässe bei Atemschutzmasken

Wie die Münchner „Abendzeitung“ am Dienstag berichtete, seien Atemschutzmasken in den Apotheken der bayerischen Bundeshauptstadt vielerorts ausverkauft. Großhändler könnten nicht liefern, weil die Hersteller mit der Produktion nicht mehr hinterherkämen. Das bestätigt auch der Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels. Wie lang die Lieferengpässe andauern, hänge davon ab, ob die Hersteller ihre Produktion kurzfristig steigern könnten. In der Dr. Beckers Central Apotheke im Zwischengeschoss am Stachus seien beispielsweise pro Stunde durchschnittlich etwa fünf Masken über den Tisch gegangen.

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Einige Apotheken in Deutschland können bereits keine Atemschutzmasken mehr liefern. © Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Auch im Saarland fragen immer mehr Menschen nach Atemschutzmasken – vor allem asiatische Studenten. Die Masken der Schutzklasse FFP2 und FFP3, die mit einem Luftfilter versehen seien, könnten derzeit nicht mehr über den Großhandel bezogen werden, sagt die Vorsitzende des Saarländischen Apothekervereins, Susanne Koch. „Wir werden von zwei Großhandlungen versorgt, die haben aktuell nichts mehr auf Lager.“ Die Masken seien aber „ohne Probleme“ über einen Laborausstatter „innerhalb von zwei Tagen zu bekommen“. Die besonderen Masken hätten die knapp 300 Saar-Apotheken normalerweise nicht zum Verkauf vorrätig.

Masken schützen nur begrenzt vor dem Virus

Im Nachbarland Frankreich, wo sich derzeit drei Menschen mit dem Coronavirus infiziert haben, ist die Nachfrage nach Atemschutzmasken ebenfalls rasant gestiegen. Der Nachrichtensender France 2 berichtete am Freitag, dass der Verkauf von Masken nach Angaben von 300 Apotheken im Januar gegenüber dem Vorjahr um 43 Prozent gestiegen sei. So verkaufte beispielsweise die Apotheke am Pariser Hauptflughafen Roissy-Charles de Gaulle am Donnerstag in nur einer Viertelstunde 240 Atemschutzmasken.

Auch auf Bildern, die die abgeschotteten Metropolen Chinas zeigen, sieht man häufig Menschen mit einem Mundschutz durch die Stadt laufen. Diese Masken würden allerdings laut ABDA-Sprecherin Sellerberg im Falle des Falles nur „begrenzt“ dabei helfen, sich vor einer Ansteckung mit der neuen Lungenkrankheit zu schützen.

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Können Bürger auf Arbeit der Gesundheitsbehörden vertrauen?

„Persönlicher Schutz ist im Augenblick vollkommen unsinnig“, meint zudem der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, Bernd Salzberger, vom Universitätsklinikum Regensburg. Die Gesundheitsbehörden kümmerten sich „hervorragend“. Darauf könnten sich die Bürger verlassen.

Sogenannte chirurgische Gesichtsmasken sind dem Experten zufolge eigentlich nicht zum Schutz vor Ansteckungen gemacht: Vielmehr sollen sie dafür sorgen, dass möglicherweise infektiösen Tröpfchen aus dem Atemtrakt von Chirurgen nicht in das Operationsgebiet gelangen. Es sei hingegen sinnvoll, wenn Grippekranke eine Maske zum Schutz anderer Menschen trügen. „Aber der Schutz vor einer Infektion von außen ist sehr, sehr schlecht damit“, sagt Salzberger.

Atemschutzmasken seien vielmehr dafür gemacht, dass keine möglicherweise infektiösen Tröpfchen aus dem Atemtrakt von Chirurgen in das Operationsgebiet gelangen. © Quelle: Waltraud Grubitzsch/zb/dpa

WHO fordert zum regelmäßigen Händewaschen auf

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Einen wirksamen Schutz durch Atemmasken bezweifelt auch Virusforscher Christian Drosten von der Charité Berlin. Zwar hätten im Zuge der Sars-Epidemie 2002/2003 Studien für sogenannte FFP3-Masken einen schützenden Effekt nahegelegt, dabei habe es sich aber um Spezialmasken gehandelt. Die Masken, die auf den Straßen Chinas zu sehen sind, wehrten Feinpartikel nicht ab und schützten dementsprechend auch nicht vor einer Tröpfcheninfektion.

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Virologe Christian Drosten zum Coronavirus
1:50 min
Das Coronavirus in China breitet sich weiter aus. Charité-Virologe Christian Drosten erklärt, wie gefährlich das Virus ist.  © dpa

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist es sinnvoll, dass zumindest Menschen, die sich bereits angesteckt haben, FFP3-Masken tragen. Auf diese Weise vermeiden Patienten die Verbreitung des Virus. Um den Erregern vorzubeugen, sollten regelmäßig die Hände gewaschen werden, empfiehlt die WHO. Auch beim Niesen und Husten sollten besondere Verhaltensmaßnahmen beachtet werden: „Wenn man es nicht unterdrücken kann, sollte man in den eigenen Ärmel oder die Armbeuge niesen, um die Umgebung zu schützen“, sagt Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie und des Westdeutschen Zentrums für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen. Eine Atemmaske sei hingegen keine geeignete Schutzmaßnahme für nicht Infizierte. „Da jetzt loszurennen und die zu kaufen wäre eine sinnlose Panikreaktion“, meint er.

RND/dpa/lb

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