China-Rückkehrer: Ein Verdachtsfall an Bord der Wuhan-Maschine

  • Die Deutschen aus dem schwer von dem Coronavirus betroffenen Gebiet in China sind am Frankfurter Flughafen angekommen.
  • Alle Passagiere sollen nun für 14 Tage in Quarantäne kommen.
  • Ein Verdachtsfall wurde in die Frankfurter Uniklinik gebracht.
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Frankfurt/Wuhan. Die aus dem chinesischen Coronavirus-Gebiet ausgeflogenen Deutschen sind mit einiger Verzögerung in Frankfurt gelandet. Die Bundeswehrmaschine setzte am Samstagnachmittag auf dem Frankfurter Flughafen auf.

Ein Passagier wird in der Frankfurter Uniklinik auf das Coronavirus untersucht. Elf Passagiere seien direkt vom Flieger in die Uniklinik gebracht worden, sagte Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne). Bei einem von ihnen solle abgeklärt werden, ob er mit dem Coronavirus infiziert sei, bei den anderen lägen andere medizinische Gründe vor, erläuterte Klose rund drei Stunden nach der Landung des Fliegers auf dem Frankfurter Flughafen.

Das Ergebnis des Schnelltests werde am Sonntagmittag erwartet, sagte der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, René Gottschalk. Die Person habe Atemnot und leichten Husten gehabt. „Das ist nicht sonderlich gefährlich, selbst wenn es ein Fall wäre“, sagte Gottschalk.

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Die Nationalität und das Geschlecht des sogenannten Abklärungsfalls wurden zunächst nicht bekannt. Insgesamt seien 124 Passagiere in Frankfurt gelandet, darunter 100 Deutsche, 22 Chinesen, ein US-Bürger und ein Rumäne.

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Passagiere wurden getrennt

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Zuvor waren die elf Passagiere im Flieger aus Sicherheitsgründen von den anderen getrennt worden. „Die Passagiere wurden vor dem Start in China untersucht und waren beim Start des Fluges symptomfrei“, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Hanno Kautz, nach der Landung gegen 16.30 Uhr. „Aus Gründen der Vorsicht wurde während des Fluges jeder Passagier mit dem kleinsten Husten wie geplant separat gesetzt.“

Gestartet war der Airbus A 310 der Luftwaffe um 02.22 Uhr MEZ (09.22 Uhr Ortszeit) vom Flughafen des schwer von der Lungenkrankheit heimgesuchten Wuhan in Zentralchina, wie das Einsatzführungskommando berichtete.

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Am Frankfurter Flughafen stiegen zunächst medizinische Fachkräfte mit Schutzmasken und Schutzkleidung in das Flugzeug, um die Passagiere zu begutachten und zu befragen. Eine nähere Untersuchung sollte im sogenannten Medical Assessment Center geschehen - eine umgewidmete Sporthalle. Danach sollte entschieden werden, ob einige Passagiere in die Frankfurter Universitätsklinik in eine Isolierstation gebracht werden. Die gesunden Rückkehrer sollen zu einem Luftwaffenstützpunkt im rheinland-pfälzischen Germersheim gebracht werden, wo sie für zwei Wochen in Quarantäne bleiben müssen.

Moskau verweigerte Landung der Flugwaffe

Der Flieger durfte nicht wie ursprünglich geplant in Moskau zwischenlanden. Stattdessen sei er zur finnischen Hauptstadt Helsinki umgeleitet worden, um zu tanken und die Crew auszutauschen, sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) in Bonn. Warum Russland die Zwischenlandung verweigert hatte, war zunächst offiziell nicht bekannt. Hintergrund könnte sein, dass die Regierung in Moskau zuvor die Sicherheitsregeln verschärft hatte.

"Wir haben die Überfluggenehmigung gehabt, und auch die Landegenehmigung war in Aussicht gestellt. Das hat sich jetzt anders entwickelt", ergänzte AKK. "Was jetzt neben der offiziellen Erklärung von mangelnden Kapazitäten am Flughafen in Moskau die Gründe sind, das werden wir sicherlich in der nächsten Woche gemeinsam dann noch mit dem Auswärtigen Amt besprechen."

Nach vorangegangen Angaben der Behörden waren weder Erkrankte noch Verdachtsfälle an Bord. Nur wer gesund war, durfte mitfliegen. Die Rückreise war freiwillig. Unter den Betroffenen herrschte vor dem Abflug in Wuhan Erleichterung: "Glücklich am Gate zu sein", berichtete eine Frau, die nicht genannt werden wollte, der Deutschen Presse-Agentur kurz vor dem Start. Die Gruppe hatte sich schon am Vorabend am Flughafen versammelt und dort auch die Nacht verbracht. "War bis hier doch alles schon ganz schön anstrengend."

Die Maschine werde nun nach der Landung in Frankfurt nach Köln überführt und die Besatzung medizinisch untersucht, meldete ein Luftwaffen-Vertreter auf dem eigenen Twitter-Account.

Inzwischen fast 11.800 Coronavirus-Erkrankte in China

Die Epidemie mit dem neuartigen Coronavirus in China erlebte am Samstag den bisher höchsten Anstieg der Infektionen und Todesfälle innerhalb eines Tages. Die Gesundheitskommission in Peking meldete einen Zuwachs um fast 2000 auf 11.791 Erkrankte. Die Zahl der Todesfälle kletterte um 46 auf 259. In Deutschland liegt die Zahl bei sieben. Alle deutschen Fälle stehen im Zusammenhang mit dem bayerischen Automobilzulieferer Webasto. Außerhalb Chinas sind in zwei Dutzend Ländern rund 150 Infektionen gezählt (Stand aller Zahlen: 05.02.2020).

RND/ dpa

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