• Startseite
  • Gesundheit
  • Coronavirus: Drei Todesfälle in Italien – Städte wurden isoliert, Karneval abgesagt

Coronavirus: Drei Todesfälle in Italien – Städte wurden isoliert, Karneval abgesagt

  • Mit drastischen Maßnahmen wie Sperrzonen will Italien die Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 stoppen.
  • Wie schon in China wurden ganze Städte isoliert. Zudem fällt in Venedig der Karneval aus.
  • Der Grund: Binnen weniger Tage ist die Zahl der Infektionen in Italien rasant gestiegen.
Anzeige
Anzeige

Rom. Mehrere Gemeinden in Norditalien wurden abgeriegelt, damit das Virus nicht auf die Wirtschaftsmetropole Mailand, das Touristenzentrum Venedig und andere Regionen übergreift. Der Karneval in Venedig werde genauso wie alle Sportveranstaltungen abgesagt, Museen und Schulen sollen in der gesamten Region Venetien bis zum 1. März geschlossen bleiben, kündigte Regionalpräsident Luca Zaia am Sonntag an. Der Karneval hätte eigentlich noch bis Dienstag laufen sollen. Mittlerweile starben drei infizierte Menschen in Italien – dem Land mit der höchsten Zahl an bestätigten Erkrankten in Europa.

Covid-19: Schon 157 Infizierte und drei Todesfälle in Italien

Die Zahl der Infizierten war in Italien über das Wochenende überraschend stark angestiegen. Bis zum Sonntagabend waren es bereits mehr als 150 Fälle, wie der Zivilschutz erklärte. Am stärksten war die wirtschaftsstarke Region Lombardei betroffen. Es folgte Venetien. Darunter gab es auch zwei Fälle in der Stadt Venedig. Auch im Piemont, in der Emilia-Romagna und in Rom hatten sich Menschen angesteckt. Mehr als 25 Personen waren laut Zivilschutz auf der Intensivstation. Drei ältere Menschen starben. Als drittes Todesopfer meldete die Region Lombardei am Sonntag eine Frau, die bereits in der Onkologie behandelt worden war.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Ausbreitung des Coronavirus in Italien: Diese Maßnahmen werden jetzt ergriffen

Die Regierung kündigte scharfe Maßnahmen an, um eine Verbreitung in den wirtschaftsstarken Regionen aufzuhalten. Die am stärksten betroffenen Städte wurden abgeriegelt: Niemand darf rein oder raus. Betroffen ist die Provinz Lodi in der Lombardei rund 60 Kilometer südöstlich von Mailand, wo rund 50.000 Menschen leben, sowie die Stadt Vo in der Provinz Padua in Venetien mit rund 3000 Einwohnern.

„Das Ziel ist es, die Gesundheit der italienischen Bevölkerung zu schützen“, sagte Ministerpräsident Giuseppe Conte nach einer Krisensitzung in der Nacht zu Sonntag. Zunächst sollten Sicherheitskräfte die Regionen abriegeln. „Wenn nötig, werden es auch die Streitkräfte sein.“ Wer versuche, die Absperrungen zu umgehen, dem drohe strafrechtliche Verfolgung. In vielen Städten und Gemeinden wurden außerdem Schulen, Universitäten und ein Großteil der Geschäfte geschlossen. Großveranstaltungen wie Gottesdienste, Karnevalsfeste und Sportevents wurden abgesagt. Die Mailänder Scala, eines der bekanntesten und bedeutendsten Opernhäuser der Welt, sagte ihre Aufführungen bis auf Weiteres ab.

In Venedig, das um die Karnevalszeit massenhaft Touristen besuchen, herrschte Alarmstimmung. Die Feste sollten ab Sonntagabend auslaufen. „Es ist die schwerwiegendste Anordnung, die ein Regionalpräsident eigentlich nie machen möchte“, sagte Gouverneur Zaia.

Covid-19 in Italien: Ist Europa nun gefährdet?

Das Ausmaß des Ausbruchs in Italien erschreckt. Zum Vergleich: In Deutschland wurden bisher 16 Fälle gemeldet, in Frankreich zwölf. Italiens Vize-Gesundheitsminister Pierpaolo Sileri sagte dem Sender SkyTG24, er gehe von weiter steigenden Fallzahlen aus. „Es ist klar, dass wir mehr Fälle haben werden.“

In Südtirol bereiteten sich die Behörden auf mögliche eingeschleppte Infektionen vor. Kitas sollten vorerst geschlossen bleiben. Ein Aussetzen der innereuropäischen Reisefreiheit im Rahmen der Schengen-Zone sei vorerst nicht vorgesehen, so Conte. Aus Italien solle „kein Lazarett“ werden. In den Nachbarländern Schweiz und Österreich war erhöhte Wachsamkeit angesagt. Frankreich bereitet sich verstärkt auf eine Ausbreitung von Sars-CoV-2 vor. Die Lage in Italien werde „aufmerksam verfolgt", sagte Gesundheitsminister Olivier Véran.

Die deutsche Bundesregierung beobachtet die Lage in Italien

Auch die Bundesregierung beobachtet die Lage. „Unsere Botschaft und die deutschen Konsulate in Italien stehen mit den italienischen Behörden in Kontakt für den Fall, dass die italienischen Maßnahmen Deutsche betreffen“, hieß es aus dem Auswärtigen Amt in Berlin. Rückkehrern aus den betroffenen Regionen in Norditalien wurde empfohlen, sich an die entsprechenden Hinweise des Robert Koch-Instituts und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf deren Internetseiten zu halten.

Anzeige

Diese Regionen und Länder außerhalb Chinas sind stark betroffen

Italien ist das Land in Europa mit den meisten Infektionen. Auch auf der koreanischen Halbinsel spitzte sich die Lage zu: Die Regierung Südkoreas rief wegen des rasanten Anstiegs der Fallzahlen im Land die höchste Warnstufe für Infektionskrankheiten aus. In einigen Tagen werde ein „kritischer Moment“ im Kampf gegen Covid-19 erreicht sein, sagte Präsident Moon Jae In. Die Zentralregierung wie auch die Lokalregierungen sollten nicht zögern, beispiellose Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Die Zahl nachgewiesener Infektionen im Land lag am Sonntag bei gut 600, mindestens fünf Menschen starben.

Noch weitgehend unklar ist die Situation im Iran. Bis Sonntag waren dort 40 Infektionen erfasst. Acht Menschen starben bisher durch das SARS-CoV-2-Virus, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Die tatsächlichen Fallzahlen könnten aber weitaus höher liegen, wird befürchtet. Nach Angaben des Ministeriums wurden in mehreren Städten die Schulen und Universitäten vorläufig geschlossen. Auch Kinos bleiben bis auf weiteres zu, Theater- und Konzertveranstaltungen wurden abgesagt.

Coronavirus: Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus

Anzeige

In China, dem Ursprungsland von Covid-19, lag die Zahl offiziell erfasster Infektionen am Sonntag bei rund 77.000, mehr als 2400 Menschen starben demnach an der Lungenerkrankung. Experten gehen aber von einer hohen Dunkelziffer nicht erfasster Fälle aus. Die Epidemie sei „der größte öffentliche Gesundheitsnotstand mit der schnellsten Verbreitung, dem breitesten Ausmaß an Infektionen und der schwierigsten Vorbeugung und Kontrolle seit der Gründung des neuen Chinas“, sagte Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping am Sonntag.

„Die gegenwärtige Lage der Epidemie ist düster und kompliziert, und Vorbeugung und Kontrolle stecken in der kritischsten Phase.“ Die Epidemie werde „große Auswirkungen auf die Wirtschaft und Gesellschaft“ haben, so Xi Jinping. Er halte diese aber für „vorübergehend und beherrschbar“, da die Grundlagen für die langfristige wirtschaftliche Entwicklung China unverändert seien.

RND/dpa

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen