Coronavirus in Deutschland: So sieht die Lage in den Bundesländern aus

  • Das Coronavirus ist in Europa und Deutschland angekommen.
  • Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) spricht von einer dynamischen Lage, die sich jeden Tag neu entwickeln kann.
  • Ein Überblick über die Brennpunkte in den einzelnen Bundesländern.
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Rund 60 Länder auf der ganzen Welt sind inzwischen von dem neuen Coronavirus betroffen. In Deutschland sind mittlerweile, Stand 3. März, in 13 der 16 Bundesländer Covid-19-Fälle nachgewiesen. Über 170 Infektionen sind es nun bundesweit. Die Situation in den betroffenen Gebieten unterscheidet sich. Ein Überblick über das Infektionsgeschehen.

Bundesland Fälle
Baden-Württemberg 19
Bayern 35
Berlin 3
Brandenburg 1
Bremen 1
Hamburg 1
Hessen 10
Niedersachsen 1
Nordrhein-Westfalen 92
Rheinland-Pfalz 2
Sachsen 1
Schleswig Holstein 2
Thüringen 1
Repatriierte 2

Quellen: Robert-Koch-Institut, dpa, Stand: 3. März, 8 Uhr

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Vom Coronavirus am stärksten betroffen: Nordrhein-Westfalen

Nordrhein-Westfalen hat bislang die meisten bestätigten Coronavirusinfektionen. Im bevölkerungsreichsten Bundesland waren insgesamt 92 Fälle bekannt. In NRW sorgt die Ausbreitung des Virus für Einschränkungen. So sagte etwa der Hausärzteverband Westfalen-Lippe seinen dreitägigen Hausärztetag an diesem Wochenende ab.

Die Mitglieder wollten sich eigentlich Anfang März in Münster treffen. Begründet wurde die Absage mit der besonderen Belastung der Hausärzte in ihren Praxen angesichts der aktuellen Coronavirusinfektionen.

Verdachtsfälle: Mehrere Schulen vorsichtshalber geschlossen

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Zudem blieben am Montag mehrere Schulen vorsichtshalber geschlossen, etwa ein Gymnasium und eine Grundschule in Büren im Kreis Paderborn. Anlass war ein Verdachtsfall in einer Familie, der am Sonntagabend aufkam. Geschlossen blieb aus Sicherheitsgründen auch eine Förderschule in Bergheim-Thorr, nachdem ein Mitglied des Lehrerkollegiums Kontakt mit einem bestätigten Infektionsfall aus Lüdenscheid hatte. In Mönchengladbach meldete sich ein Lehrer als mit dem Coronavirus infiziert, eine Schule wurde vorerst geschlossen.

Immer mehr Städte in Nordrhein-Westfalen richten im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus Diagnosezentren ein. So nahmen am Montag spezielle Zentren in Düsseldorf und Köln die Arbeit auf, zuvor waren schon in Gangelt im Kreis Heinsberg sowie in Kleve Stellen eingerichtet worden, an denen sich Patienten auf das neuartige Virus testen lassen können. Durch diesen Schritt sollen Hausarztpraxen entlastet und deren Personal geschützt werden.

Video
188 bestätigte Covid-19-Fälle in Deutschland
2:10 min
Robert Schade vom Robert-Koch-Institut teilte am Dienstagmorgen neue Erkenntnisse zur weltweiten Verbreitung des Coronavirus mit.  © Reuters

Keine Entwarnung für Patienten aus Heinsberg

Für den 47 Jahre alten mutmaßlichen Erstinfizierten aus dem Kreis Heinsberg, der in der Düsseldorfer Universitätsklinik behandelt wird, gebe es nach wie vor keine Entwarnung, sagte die Sprecherin des Kreises Heinsberg. Seiner Frau gehe es aber deutlich besser. Der 47-Jährige und seine ein Jahr jüngere Frau hatten am 15. Februar in Gangelt bei einer Sitzung Karneval gefeiert.

Dabei sollen sie zahlreiche andere Teilnehmer angesteckt haben. Rund 300 Karnevalisten und ihre Familien gingen daraufhin vorsorglich in Quarantäne. Seit Sonntag dürfen sich Betroffene, die keine Krankheitssymptome zeigen, wieder ohne Einschränkungen bewegen.

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Im Düsseldorfer Landtag wurden zu Beginn der Sitzungswoche zusätzliche Desinfektionsmittelspender aufgebaut. Das Reinigungspersonal wurde außerdem angewiesen, Türklinken in öffentlichen Bereichen mit Desinfektionsmittel abzuwischen. Der Landtag hatte die vergangenen zwei Wochen Sitzungspause, an diesem Montag begann der reguläre Betrieb wieder.

Zwei weitere Infektionen mit neuem Coronavirus in Berlin

In Berlin sind zwei weitere Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Es handele sich um zwei neue Fälle, die nach bisherigen Erkenntnissen nicht in Verbindung mit dem ersten nachweislich erkrankten Berliner stehen, teilte die Senatsverwaltung für Gesundheit am Montagabend mit.

Erste öffentliche Schule in Berlin schließt

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In Berlin bleibt am Dienstag die erste öffentliche Schule wegen des neuartigen Coronavirus geschlossen. Es handle sich um die Emanuel-Lasker-Schule in Friedrichshain-Kreuzberg, sagte der Sprecher der Senatsbildungsverwaltung, Martin Klesmann, am Montagabend. Eine Lehrkraft habe sich offenbar auf einer Skireise nach Südtirol infiziert, woraufhin jetzt rund 80 Kontaktpersonen auf den Erreger Sars-CoV-2 getestet werden müssten.

Berlin: Erster Covid-19-Patient durch Zufall entdeckt

Der erste bekannte Berliner Coronaviruspatient ist eher zufällig entdeckt worden. Die Symptome des 22-Jährigen aus dem Bezirk Mitte hätten zunächst nicht auf den Erreger Sars-CoV-2 hingedeutet, sagten Charité-Vorstand Ulrich Frei und Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Montag in Berlin. Demnach war der Mann am Sonntag, noch bevor das Testergebnis vorlag, wieder aus der Klinik entlassen worden. Der zuständige Amtsarzt vom Bezirk Mitte, Lukas Murajda, sagte, es sei nur eine Frage der Zeit, bis weitere Fälle in der Stadt entdeckt werden.

Der Patient sei am frühen Sonntagmorgen vom Rettungsdienst in die Notaufnahme gebracht worden – desorientiert und fiebrig, schilderte Frei. Der Mann sei nicht ganz bei sich gewesen und daher zunächst in Hinblick auf neurologische Erkrankungen wie eine Hirnhautentzündung untersucht worden. Da sich dabei keine Auffälligkeiten gezeigt hätten, habe man keinen Grund für eine stationäre Aufnahme gesehen.

Wegen Gliederschmerzen sei bei dem Mann noch ein Test auf Influenza gemacht worden, bevor er nach Hause entlassen wurde. Erkrankte Angehörige und Mitbewohner habe es nicht gegeben.

Die Charité testet mutmaßliche Grippeproben inzwischen auch auf das neue Coronavirus und stellte dadurch die Erkrankung fest. “Ohne diese interne Regelung, einen Paralleltest durchzuführen, würde der Patient wahrscheinlich immer noch unerkannt zu Hause sein”, sagte Frei. Wie er weiter schilderte, litt der 22-Jährige seit rund zwei Wochen an Erkältungssymptomen und wies Zeichen einer akuten Atemwegsinfektion auf. Im Vordergrund hätten aber neurologische Symptome gestanden.

Inzwischen wird der Mann isoliert im Virchow-Klinikum der Charité behandelt. Sein Zustand habe sich etwas gebessert, er sei stabil, sagte Kalayci. Wie er sich infiziert hat, sei bislang unklar. Es gebe eine “leise Spur” nach Nordrhein-Westfalen, hieß es.

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Baden-Württemberg: Auch ein Altenheim in Quarantäne

Die Zahl der am Coronavirus erkrankten Menschen in Baden-Württemberg ist auf 25 gestiegen, wie das Gesundheitsministerium in Stuttgart mitteilte. Nach der Infektion des Bewohners eines Altenheimes in Bad Rappenau im Landkreis Heilbronn ist eine ganze Wohngruppe des Hauses unter Quarantäne gestellt worden, um weitere Ansteckungen mit dem Coronavirus zu verhindern. Es gehe um etwa 20 Menschen, darunter auch einige Pfleger, sagte der Oberbürgermeister von Bad Rappenau, Sebastian Frei, am Montag.

Der Senior soll sich bei einem 32 Jahre alten Pfleger angesteckt haben, der vor einigen Tagen nach einem Aufenthalt in Mailand erkrankt war. Auch eine Arbeitskollegin des Pflegers wurde nach Angaben von Montag positiv getestet und isoliert.

Ein 68-Jähriger aus Mannheim habe Kontakt zu dem bestätigten Heidelberger Südtirol-Heimkehrer gehabt und befinde sich in häuslicher Isolation. Ein 24-Jähriger, der auch aus Mannheim gemeldet wurde, habe an Fastnachtsumzügen in Heinsberg in Nordrhein-Westfalen teilgenommen – und eine leichte Erkältung gehabt. Auch er befinde sich in häuslicher Isolation. Der dritte Mannheimer Infizierte ist ein 54-jähriger Iran-Heimkehrer. Er habe Atemwegsprobleme und werde in eine Klinik eingewiesen, so das Ministerium.

In Heilbronn ist das Virus bei einem 20-jährigen Reiserückkehrer aus der Lombardei nachgewiesen worden. Er erkrankte am Tag der Rückkehr an einem grippalen Infekt, wie es hieß. Die Symptome seien am Folgetag bereits deutlich rückläufig gewesen. Er befindet sich in häuslicher Isolation.

Das größte Gymnasium in Baden-Württemberg, das Marbacher Friedrich-Schiller-Gymnasium, hat seinen jüngeren Schülern am Montag schulfrei gegeben, um besser gegen das Coronavirus gerüstet zu sein. Lediglich für die Oberstufe fand der Unterricht statt, auch am Dienstag haben mehrere Jahrgänge frei. Die Zeit solle genutzt werden, um die vom Robert-Koch-Institut (RKI) empfohlenen Hygienemaßnahmen umzusetzen, teilte die Schulleitung auf ihrer Internetseite mit. Unter anderem soll es an allen Waschbecken gefüllte Seifenspender und Papierhandtücher geben, Toiletten werden häufiger gereinigt und Türgriffe desinfiziert.

Bayern: Dort gab es die ersten Fälle in Deutschland

In Bayern sind bislang 35 Patienten positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden. Am Montag wurden weitere Infektionen mit Sars-CoV-2 bestätigt: in München, dem mittelfränkischen Schwabach, aus dem Landkreis Freising, aus dem Landkreis Ostallgäu. Zwei Fälle wurden aus dem oberfränkischen Landkreis Bayreuth gemeldet, wie das Gesundheitsministerium in München mitteilte.

Die Behörden ermittelten nun mögliche Kontaktpersonen wie auch Zusammenhänge zu bislang bekannten Fällen. Damit gibt es nun seit dem vergangenen Donnerstag 21 neue bestätigte Infektionen im Freistaat. Die anderen Fälle hängen noch mit dem Infektionsgeschehen im Januar zusammen. Damals infizierte sich ein Mitarbeiter der Firma Webasto, nachdem er bei einer Schulung Kontakt mit einer aus China angereisten Kollegin hatte.

Hamburg: Der erste bestätigte Coronafall in deutscher Großstadt

Der erste bestätigte Covid-19-Fall in einer deutschen Großstadt wurde am Donnerstagabend in Hamburg bestätigt. Das Besondere an dieser Situation: Es handelt sich um einen Arzt für Kinder- und Jugendmedizin vom Universitätsklinikum Eppendorf. Er hatte Urlaub im italienischen Trentino gemacht und sich wahrscheinlich dort angesteckt. Rund 50 Kontaktpersonen wurden ermittelt und befinden sich in Quarantäne. Darunter befinden sich auch viele Säuglinge und Kleinkinder von der Station, auf der der Mediziner gearbeitet hat.

Am Montag, 2. März, gab es bereits drei bestätigte Fälle. Zwei Frauen haben sich infiziert, beide sind aus dem Iran nach Hamburg gereist. Der Iran gilt als Risikogebiet für eine Ansteckung mit Sars-CoV-2. Sie befinden sich in häuslicher Isolation. Zwischen den drei Fällen gebe es keine Verbindung, teilte die Gesundheitsbehörde am Montag mit.

Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein sind mehrere Menschen betroffen. Nach dem Kinderarzt des Hamburger Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) mit Wohnsitz in Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg) wurde das Virus auch bei einer Person aus Lübeck und bei einer Frau aus Nusse (Kreis Herzogtum Lauenburg) nachgewiesen. Beide befinden sich in häuslicher Isolation.

Rheinland-Pfalz

Der mit dem neuartigen Coronavirus infizierte Soldat in Rheinland-Pfalz ist wieder wohlauf, kann die Klinik vorerst aber noch nicht verlassen. “Der ist zwar völlig symptomfrei”, sagte ein Sprecher des Bundeswehrkrankenhauses Koblenz am Montag. Aber ein letzter Test sei positiv ausgefallen. Damit der 41-Jährige niemanden anstecke, bleibe er noch im Krankenhaus. Ursprünglich sollte er am Montag entlassen werden. Bei dem Mann würden täglich Gesundheitstests gemacht. “Wenn die endgültig alle negativ sind, dann darf er auch gehen.” Das sei möglicherweise im Laufe der Woche der Fall.

Bremen: Hotline für Bürgeranfragen gestartet

Nach dem ersten bestätigten Coronavirusfall in Bremen hat der Senat der Hansestadt eine Hotline für Bürgeranfragen eingerichtet. Sie sei am Montag um 8 Uhr geschaltet worden und über die Nummer 115 zu erreichen, sagte Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke). In der Planung sei außerdem eine zentrale ärztliche Anlaufstelle, um die Ambulanzen zu entlasten. “Ich gehe davon aus, dass wir das relativ kurzfristig in den nächsten zwei Tagen einrichten können”, sagte Bernhard.

Es gebe massenhaft Anfragen besorgter Bürger, sagte Martin Götz, Referatsleiter im Gesundheitsressort. Im Gegensatz dazu sei in Bremen aktuell noch kein zweiter bestätigter Coronavirusfall dazugekommen. Sollte sich die Lage ändern, könne nötigenfalls schnell ein Krisenstab zusammengerufen werden. Senatorin Bernhard betonte: “Im Moment sind wir nicht damit beschäftigt, Veranstaltungen abzusagen.” In der Hansestadt wurde das Virus am Wochenende bei einer 1962 geborenen Frau entdeckt, die am Donnerstag aus dem Iran zurückgekehrt war.

Niedersachsen

Auch in Niedersachsen ist das Coronavirus angekommen. Laut dem niedersächsischen Gesundheitsministerium gibt es, Stand Sonntagabend, einen bestätigten Patienten in der Region Hannover. Er wurde isoliert und befinde sich klinisch in einem guten Zustand. Er sei eine Woche zuvor mit einer Busreisegruppe von 47 Personen von Südtirol nach Uetze zurückgekehrt und habe daraufhin leichte Krankheitssymptome entwickelt.

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