Coronavirus: Deutsche Flughäfen sind für den Ernstfall gerüstet

  • Das aus China stammende Coronavirus könnte sich über den Flugverkehr bis nach Deutschland ausbreiten.
  • Die deutschen Flughäfen rüsten sich für den Umgang mit der ansteckenden Lungenkrankheit.
  • Bisher hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) keine Reiseeinschränkungen ausgesprochen.
Michèle Förster
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Mit der aktuellen Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest wächst die Gefahr einer Ausbreitung des Virus. Mindestens 17 Tote haben die Behörden der Provinz Hubei zum jetzigen Zeitpunkt bestätigt. Die Anzahl der Infizierten ist auf mindestens 470 angestiegen. Auch außerhalb Chinas wurden Fälle gemeldet, am Dienstag erstmals sogar in den USA (Stand: 23.01.2020).

Die deutschen Behörden beobachten die Entwicklung mit höchster Aufmerksamkeit und bewerten die Gefahr einer Einschleppung regelmäßig neu. An den deutschen Flughäfen gibt es für den Ernstfall bereits detaillierte Notfallpläne.

Wie schätzt die Weltgesundheitsorganisation die Lage ein?

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Trotz des rasanten Anstiegs der Lungenkrankheit aus China hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bislang keine Reisebeschränkungen ausgesprochen. Auch vom Auswärtigen Amt und dem Robert-Koch-Institut liegen keine Warnungen vor. In einer Krisensitzung hat sich die Weltgesundheitsorganisation am Mittwoch mit dem virulenten Erreger befasst. Am heutigen Donnerstag soll bei einem weiteren Treffen geklärt werden, wie weltweit mit dem Virus umzugehen ist.

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Wie bereiten sich die deutschen Flughäfen vor?

In Wuhan, wo das Virus ausgebrochen ist, sind Flughafen und Bahnhöfe mittlerweile abgeriegelt. Auch der Flughafen Hongkong hat laut „Tagesschau“ bereits Fiebermessstationen für ankommende Reisende eingerichtet, um die Ausbreitung des Virus besonders während der Reisewelle zum Neujahrsfest zu verhindern. Der Flughafenverband ADV hält die deutschen Flughäfen für gut gewappnet. Sie seien für den Umgang mit Verdachtsfällen des Coronavirus vorbereitet und stehen mit den zuständigen Behörden in engem Kontakt, heißt es in einer Mitteilung des Verbands.

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Die Internationalen Gesundheitsvorschriften der WHO besagen, dass an fünf deutschen Flughäfen zum Schutz der allgemeinen Gesundheit weitere Vorkehrungen getroffen werden müssen. Dazu zählen Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt, München und die Berliner Flughäfen. Dort gibt es für den Ernstfall detaillierte Notfallpläne mit klaren Prozessabläufen. Außerdem verfügen die Flughäfen über medizinisches Fachpersonal, um Infizierte schnell zu versorgen.

Für den Fall, dass sich ein Verdachtsfall an Bord eines ankommenden Flugzeugs befinde, würde die Maschine zu einem der fünf Notfallflughäfen umgeleitet werden. Der Verband bekräftigt, dass die Abläufe sich schon in der Vergangenheit bewährt hätten. „Dass die Prozessketten zuverlässig funktionieren, haben die Flughäfen bewiesen – so etwa 2003 bei Sars, 2006 bei einem Fall von Lassafieber oder 2009 im Zuge der Ausbreitung der Schweinegrippe“, so ADV-Geschäftsführer Ralph Beisel.

Für den Fall, dass die zuständigen Gesundheitsämter auch an deutschen Flughäfen routinemäßige Kontrollen anordnen, würde das Fieberscreening von Fachpersonal durchgeführt werden. Dazu kämen das Messen der Temperatur bei Verdachtsfällen sowie eine Befragung zur möglichen Ansteckung.

Welche persönlichen Schutzmaßnahmen können getroffen werden?

Das Auswärtige Amt hat am Donnerstag empfohlen, nicht notwendige Reisen nach Wuhan zu verschieben. Außerdem wird Reisenden, die sich derzeit in China aufhalten, dazu geraten, sich von kranken Tieren und Menschen fernzuhalten, bis mögliche Übertragungswege abschließend geklärt werden können. In den betroffenen Regionen Chinas sollten zudem Menschenansammlungen gemieden werden. Das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) schätzte die Wahrscheinlichkeit einer Infektion für EU-Reisende in Wuhan als moderat ein.

Um das Risiko einer Ansteckung beim Reisen zu minimieren, rät die WHO dazu, Kontakt mit kranken Personen zu vermeiden, keine Schleimhäute in Mund, Nase oder Augen zu berühren und regelmäßig die Hände zu waschen. Das Händewaschen sollte am besten nach jedem Husten, Niesen und Toilettengang erfolgen, außerdem bevor Lebensmittel zubereitet oder verzehrt werden sowie nach dem Kontakt zu Tieren oder kranken Personen.

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Ist eine Verbreitung in Europa wahrscheinlich?

In der vergangenen Woche wurde das Virus erstmals auch außerhalb von China diagnostiziert. Mittlerweile wurden neben China auch Fälle in Thailand, Südkorea, Japan, Taiwan und den USA gemeldet. Experten wie der Berliner Virologe Christian Drosten halten es zwar für realistisch, dass Reisende das Virus auch nach Europa einschleppen könnten, aber Deutschland sei davon vorerst nicht betroffen. Das liege vor allem daran, dass in Deutschland keine Direktflüge aus der betroffenen Region Chinas ankommen. Anders als in Rom, wo am Morgen eine Maschine aus Wuhan mit mehr als 200 Passagieren landete.

Die Reisenden werden nach der Ankunft in einem extra dafür eingerichteten Sanitätsbereich des Terminals mit einem Fieberscanner kontrolliert. Bei keinem der Passagiere seien Symptome des Coronavirus festgestellt worden, sagte eine Sprecherin des Flughafens Fiumicino gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

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