Immunität gegen Covid-19: Was weiß die Forschung?

  • Wer eine Corona-Infektion übersteht, scheint nicht lange gegen das Virus geschützt zu sein.
  • Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des britischen Imperial College in London.
  • Mediziner vermuten, dass nicht nur Antikörper, sondern auch T-Zellen bei einer Immunität gegen Covid-19 von Bedeutung sein könnten.
Laura Beigel
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Sind Corona-Patienten nach einmaliger Infektion immun gegen das Virus? Wahrscheinlich nur für einen bestimmten Zeitraum, legen neue Studienergebnisse von Forschern des britischen Imperial College London nahe. Sie untersuchten zwischen Juni und September mehr als 365.000 genesene Corona-Patienten, bei denen nach der Infektion Antikörper gegen Sars-CoV-2 nachweisbar waren.

In dieser REACT-Studie (Real-Time-Assessment-of-Community-Transmission) ging der Anteil der Freiwilligen, die positiv auf Antikörper getestet wurden, mit der Zeit um knapp 27 Prozent zurück. Die Abnahme der Immunität wurde zudem vom Alter der Getesteten und von der Schwere der Erkrankung beeinflusst. So ließ die Antikörperreaktion bei älteren Menschen ab 75 Jahren schneller nach als bei jüngeren.

T-Zell-Antwort bei Immunität entscheidend

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„Ein positiver Test auf Antikörper bedeutet nicht, dass Sie gegen Covid-19 immun sind“, wird Studienleiter Prof. Paul Elliott in einer Mitteilung des Imperial Colleges zitiert. Zudem bleibe weiterhin unklar, wie stark die durch Antikörper erzeugte Immunität ist und wie lange diese anhält.

Bei der Abwehr des Coronavirus spielen nach jüngstem wissenschaftlichen Kenntnisstand auch T-Zellen eine Rolle. Diese weißen Blutkörperchen sind Teil des adaptiven Immunsystems und zerstören entweder die virusbefallenen Zellen im menschlichen Körper direkt (T-Killerzellen), oder sorgen dafür, dass Virus-neutralisierende Antikörper gebildet werden (T-Helferzellen).

Antikörper verschwinden, T-Zellen bleiben

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Prof. Robert Thimme, ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin II am Universitätsklinikum Freiburg, hat die T-Zell-Antwort als Reaktion auf eine Sars-CoV-2-Infektion untersucht. Er und sein Team konnten feststellen, dass Corona-Patienten unmittelbar nach der Infektion – innerhalb von ein bis zwei Wochen – starke T-Zell-Antworten aufweisen.

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„Wir haben Patienten nachverfolgt, da verschwinden die Antikörper, aber die T-Zellen bleiben“, sagt Prof. Thimme im Gespräch mit dem Science Media Center (SMC). Diese Reaktion sei bereits im Zusammenhang mit anderen Coronaviren nachweisbar gewesen. Einen vollständigen Schutz gegen Sars-CoV-2 werde es hingegen nicht geben, vermutet der Mediziner.

Das glaubt auch Prof. Leif-Erik Sander, Leiter der Forschungsgruppe Infektionsimmunologie und Impfstoffforschung und Oberarzt in der Medizinischen Klinik für Infektiologie und Pneumologie an der Berliner Charité. Gegenüber dem SMC äußerte er den Verdacht, dass das neuartige Coronavirus zu einem saisonalen Virus werden könnte – ähnlich wie das Grippevirus.

Überreaktion des Immunsystems sorgt für schwere Verläufe

Umso wichtiger sei ein Impfstoff gegen Covid-19, der nach Einschätzung des Immunologen insbesondere vor schweren Krankheitsverläufen schützen könnte. Nach wie vor ist unklar, warum mit Sars-CoV-2 Infizierte unterschiedlich stark erkranken. Die Virusmenge sei allerdings bei schweren und milden Erkrankungen ungefähr gleich groß, sagt Prof. Sander. Schwere Verläufe seien eher auf eine Überreaktion des Immunsystems im Kampf gegen den Erreger zurückzuführen.

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Immer wieder tauchen zudem Berichte über Reinfektionen auf – also Corona-Patienten, die zum zweiten Mal am Virus erkranken. Forscher aus Hongkong berichteten beispielsweise von einem 33-Jährigen, der sich innerhalb kurzer Zeit erneut mit Sars-CoV-2 infiziert haben soll. Auch andere Länder wie die USA meldeten Fälle von Reinfektionen.

„Wir werden noch eine ganze Weile leider mit Covid-19 leben müssen – und auch mit schweren Fällen.“

Prof. Leif-Erik Sander, Leiter der Forschungsgruppe Infektionsimmunologie und Impfstoffforschung und Oberarzt in der Medizinischen Klinik für Infektiologie und Pneumologie an der Berliner Charité.

„Die paar wenigen berichteten Reinfektionen, von denen man weiß, dass sie gut dokumentiert sind, sind fast immer Fälle, die in der initialen Phase sehr milde erkrankt sind und zum Teil keine Antikörper gebildet haben“, gibt Prof. Sander im Gespräch mit dem SMC zu bedenken. Wie hoch die Konzentration an Antikörpern sein muss, um einen Schutz gegen das Coronavirus zu bieten, ist noch unklar. Genauso wie die Menge, ab der eine Reinfektion möglich ist.

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Fest stehe nach Einschätzung des Immunologen hingegen eines: „Wir werden noch eine ganze Weile leider mit Covid-19 leben müssen – und auch mit schweren Fällen.“ Neben einem Impfstoff müssten deshalb auch geeignete Therapien entwickelt werden.

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