Die Party ist vorbei: Auch in Berlin bleiben wegen des Coronavirus Clubs und Kneipen geschlossen

  • Nach Köln und Schleswig-Holstein hat nun auch die Bundeshauptstadt Regeln und Verbote veranlasst, nach denen Bars, Clubs und Kneipen vorerst geschlossen bleiben.
  • Allein in Berliner Clubs sind 9000 Mitarbeiter betroffen. Über Hilfen wird derzeit verhandelt.
  • In Köln ist die Lage ähnlich. Zum Bedauern der Behörden feierten einige Kölner sogenannte “Corona-Partys”.
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Berlin. Die Corona-Krise zwingt viele Menschen, zuhause zu bleiben - und im eigenen Land. Die Einschränkungen im Alltag wirken sich spürbar aus. Zugleich schränken immer mehr Großstädte das öffentliche Leben ein. Berlin verbot am Samstagabend alle öffentlichen und nicht-öffentlichen Veranstaltungen ab 50 Personen. Die Verordnung gelte ab sofort, teilte ein Sprecher der Senatskanzlei am Samstagabend mit. Kneipen, Bars, Kinos und Clubs sowie öffentliche und private Sportstätten müssen ab sofort schließen. Köln, Schleswig-Holstein und dem Saarland gab es bereits ähnliche Regelungen.

Regeln gelten vorerst bis zum Ende der Osterferien

Die Regeln des Berliner Senats sollen vorerst bis zum Ende der Osterferien am 19. April gelten. Restaurants dürfen ihren Betrieb aufrecht erhalten. Die rechtlichen Grundlagen für diesen Schritt will der Senat am Dienstag beschließen.

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Coronavirus: So schützt man sich davor
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Das neuartige Coronavirus hat Deutschland erreicht, doch Experten sehen keinen Grund zur Panik.  © AFP

Bereits am Freitag waren viele Tanzflächen leer

Nach der vorangegangen Ankündigung des Berliner Senats, wegen des Coronavirus ab der kommenden Woche Kneipen und Clubs schließen zu lassen, hatte bereits am Freitagabend für weitgehenden Stillstand der Tanzszene gesorgt. So gut wie alle Clubs öffneten nicht mehr und wollten auch am heutigen Samstag und dann die nächsten fünf Wochen geschlossen bleiben. Auch viele Kneipen in den Innenstadtbezirken wurden am Freitagabend nicht mehr von so vielen Menschen besucht wie sonst am Wochenende. Barkeeper und Kellner sagten, die Auswirkungen des Virus seien deutlich zu spüren und es kämen weniger Menschen.

Zu den bereits geschlossenen Clubs gehörten das etwas freizügigere Kitkat und der bekannte Tresor in Mitte, das Sisyphos in Lichtenberg, die Clubs Kater Blau, Wilde Renate, Suicide, Astra und About Blank in Friedrichshain, Watergate und Ritter Butzke in Kreuzberg und Insomnia in Tempelhof.

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Kitkat, Sisyphos, Watergate: Clubs informieren auf Internetseiten

Die Clubs bezogen sich in Mitteilungen auf ihren Internetseiten auf den Senat und die Gefahr durch das Virus. „Ihr wisst, wir lieben kranke Partys“, schrieb etwa das Sisyphos. „Aber das gerade geht auch uns zu weit.“ Das About Blank teilte mit: „In der aktuellen Situation wäre es für die gesamte Gesellschaft unverantwortlich, anonyme, dicht gedrängte, tagelange Tanzveranstaltungen mit all ihren von uns so geschätzten Ausschweifungen durchzuführen.“

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Berghain reagierte früh auf Coronavirus

Am geschlossenen Tor des Kitkat-Clubs hing nachts nur ein Zettel mit Informationen. Berlins bekanntester Techno-Club, das Berghain, hatte bereits vor einigen Tagen alle eigenen Veranstaltungen abgesagt.

Auch Köln schließt Kinos, Clubs und Kneipen

Auch Köln verbietet wegen der Coronavirus-Epidemie von Sonntag an alle Veranstaltungen. „Wir werden jegliche Veranstaltungen im Kölner Stadtgebiet bis einschließlich 10.4.2020 untersagen“, sagte Stadtdirektor Stephan Keller am Samstag im Rathaus. „Dieses Verbot gilt auch für Gottesdienste und sonstige Veranstaltungen von Religionsgemeinschaften.“ Geschlossen würden auch alle Kinos und Theater sowie Discos, Clubs und Bars, die Musik und Tanzveranstaltungen anbieten.

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Kölner feiern “Corona-Partys”

Ausgenommen seien etwa Wochenmärkte, die der Nahversorgung dienten und Veranstaltungen, die „aus Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses“ notwendig seien. „Was wir nicht untersagen an dieser Stelle ist der Besuch von Restaurants und Gaststätten, die mit einem Essensangebot auch eine Versorgungsfunktion wahrnehmen“, sagte Keller. Die bisherige Empfehlung, Veranstaltungen nach Möglichkeit zu meiden, sei am Freitagabend in Köln eher nicht angenommen worden, es habe sogar „Corona-Partys“ gegeben.

Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) sagte der Deutschen Presse-Agentur, Köln stehe jetzt vor „einer der größten Herausforderungen in der jüngsten Geschichte“. Unterhaltung stehe jetzt für einige Zeit mal nicht mehr im Mittelpunkt. Das öffentliche Leben werde jetzt beruhigt. „Ich stelle fest, dass die Menschen, die heute mir gesagt haben, sie hätten den Krieg als Kind erlebt, wesentlich besser damit zurechtkommen als alle, die in einer Gesellschaft aufgewachsen sind, wo immer alles möglich war.“

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Für viele Clubs bedeutet die lange Auszeit ein finanzielles Problem. Der Traditionsclub Schwuz erklärte: „Wir verstehen die Gründe dafür, sehen jedoch auch die massiven Probleme, vor denen wir jetzt stehen. Wir wollen es euch nicht verschweigen: Diese Schließung trifft uns hart.“ Man habe nicht genug Rücklagen, um monatelang schließen zu können.

Über mögliche Entschädigungen für die Clubszene soll noch verhandelt werden, wie Kultursenator der Berliner Klaus Lederer (Linke) am Freitagabend sagte. Die Lobbyorganisation der Clubbetreiber, die Clubkommission, hatte entsprechende Forderungen erhoben. Eine Internet-Petition zur Unterstützung freier Künstler unterschrieben bis Freitagabend 97 000 Menschen.

Laut Clubkommission: 9000 Mitarbeiter in Berlin betroffen

Laut der Berliner Clubcommission sind von den Schließungen 9000 Mitarbeiter und circa 20 000 Künstler betroffen. Es seien erste Maßnahmen eingeleitet worden, um die Liquidität aufrechtzuerhalten. So stehe man in Kontakt mit dem Senat, Banken und Crowdfunding-Anbietern, um einen Rettungsfonds einzurichten. Ohne öffentliche Hilfe werde es aber nicht gehen.

Zahlreiche Infizierte steckten sich in Clubs an

Die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus soll gerade in vollen Clubs beim Tanzen, dichtem Stehen und lautem Reden besonders hoch sein. Unter anderem im Club „Trompete“ im Stadtteil Tiergarten steckten sich an einem Abend zahlreiche Menschen an.

RND/dpa









Die Warnungen des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga verheißen dagegen nichts Gutes. "Die Umsatzeinbußen erreichen ein nie gekanntes Ausmaß", sagte Dehoga-Präsident Guido Zöllick. "Inzwischen leidet die gesamte Branche in der gesamten Republik - ob Hotels, Restaurants, Caterer, Kneipen, Bars, Diskotheken und Clubs, ob Betriebs-, Stadion- und Verkehrsgastronomie" - ob in der Stadt oder auf dem Land.

Angesichts der Entwicklung warnte der Präsident des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft, Jens Michow, vor schwerwiegenden Folgen für seine Branche. "Wenn derartige Veranstaltungsabsagen nur über zwei, drei Wochen erfolgen müssen, werden sich zahlreiche Firmen davon nicht wieder erholen können", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Am Freitagabend stufte das RKI weitere Regionen als Risikogebiete ein. Damit gelten auch das Bundesland Tirol in Österreich und die spanische Hauptstadt Madrid als Gebiete, in denen eine fortgesetzte Virus-Übertragung von Mensch zu Mensch vermutet werden kann. Das gilt zudem für Italien, Iran, die französische Region Grand Est (Elsass, Lothringen, Champagne-Ardenne) sowie Provinzen in China und Südkorea.

Gegen eine Ausbreitung des Coronavirus setzen auch Regierungen in Südostasien auf Einreiseverbote für Europäer. Vietnam und Kambodscha schlossen von Samstag an für einen Monat ihre Grenzen für Reisende aus Deutschland und mehreren anderen europäischen Ländern.

Während Staaten wie Dänemark, Polen und Tschechien Einreisestopps für Ausländer verhängten, sprach sich Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) für ein abgestimmtes Vorgehen bei Grenzkontrollen in Europa aus. “Es hilft in unserem gemeinsamen Schengenraum niemandem, wenn die Menschen nach Paris fliegen, weil in München stärker kontrolliert wird”, betonte er. Die Türkei stellt als Vorsichtsmaßnahme gegen die Verbreitung des Coronavirus Flüge nach Deutschland und in acht weitere europäische Länder vorübergehend ein.

Das Bundesgesundheitsministerium warnte vor Falschnachrichten und Panikmache. “Achtung Fake News”, schrieb das Ministerium am Samstag auf Twitter. “Es wird behauptet und rasch verbreitet, das Bundesministerium für Gesundheit/die Bundesregierung würde bald massive weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens ankündigen. Das stimmt NICHT! Bitte helfen Sie mit, ihre Verbreitung zu stoppen.”

RND/dpa

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