Coronavirus-Ausbrüche: Forscher untersuchen Übertragung auf Nerzfarmen

  • In spanischen und niederländischen Nerzfarmen hat sich das Coronavirus ausgebreitet.
  • Auf Anordnung der Gesundheitsbehörden wurden mehr als eine Million Tiere getötet.
  • Wissenschaftler untersuchen jetzt, wie sich das Virus zwischen Tieren und Arbeitern übertragen hat.
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Madrid. Coronavirus-Ausbrüche in Nerzfarmen in den Niederlanden und Spanien haben Behörden und Wissenschaftler in beiden Ländern alarmiert. Auf Anweisung der Behörden wurden mehr als eine Million Nerze in Zuchtbetrieben als Vorsichtsmaßnahme getötet. Forscher gehen der Frage nach, wie das Virus in die Farmen gelangte und fast alle dort gefangen gehaltenen Tiere infizierte.

Die Pandemie begann Ende 2019 in China, als das neue Virus von einem Tier auf Menschen übertragen wurde. Danach verbreitete sich Sars-CoV-2 wie zuvor auch andere Coronaviren von Mensch zu Mensch. Bekannt ist, dass einige Tiere, darunter Katzen, Hunde und Tiger, sich durch Kontakt mit Menschen mit dem Virus infiziert haben.

Nerzfarmen im Fokus der Behörden

Die Coronavirus-Ausbrüche in den Niederlanden und Spanien begannen wahrscheinlich durch Kontakt der Nerze mit infizierten Mitarbeitern der Zuchtbetriebe. Bewiesen ist die Vermutung allerdings noch nicht. Es sei aber plausibel, dass einige Mitarbeiter sich danach bei infizierten Nerzen ansteckten, sagen die niederländische Regierung und ein Wissenschaftler. Die Untersuchungen der Forscher laufen noch, die auch der Frage nachgehen, was für Gefahren für die Bevölkerung von einer solchen Infektionskette ausgehen.

Der Ausbruch auf einer spanischen Nerzfarm bei La Puebla de Valverde, einem 500-Einwohnerdorf in der nordwestlichen Region Aragon, wurde entdeckt, nachdem Ende Mai 14 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Das teilte der Regionalchef für Landwirtschaft und Umwelt, Joaquin Olona, mit. Zwei weitere Mitarbeiter wurden noch infiziert, nachdem die Nerzfarm geschlossen worden war.

Mehr als 92.000 Nerze des Betriebs wurden auf Weisung der Behörden getötet. 90 Prozent waren mit dem Coronavirus infiziert.

Covid-19 ähnelt sich bei Nerzen und Menschen

Die Ausbrüche in den Niederlanden begannen im April, berichtet Professor Wim van der Poel von der Universität Wagingen. Van der Poel ist Veterinär und arbeitet in der Virusforschung. Er stellte fest, dass der bei den Nerzen gefundene Virusstamm dem ähnelt, der unter Menschen zirkuliert.

"Wir vermuteten, dass es möglich ist, dass es wieder (von den Tieren) auf Menschen übertragen wird", sagt er. Bei mindestens zwei Farm-Mitarbeitern sei das auch passiert.

Richard Ostfeld, ein Forscher am Cary-Institut für Ökosystemstudien in Milbrook, New York, sagte, wenn das durch weitere Untersuchungen bestätigt würde, wären das die ersten exakt nachgewiesenen Tier-zu-Mensch-Infektionen. "Mit dem Beweis von der Übertragung von gefangenen Nerzen auf Menschen müssen wir definitiv über das Potenzial bezüglich domestizierter infizierter Tiere besorgt sein, die ihre Infektion auf uns übertragen", schrieb Osterfeld in einer E-Mail.

Übertragung auf den Menschen unwahrscheinlich

Das US-Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention (CDC) sagt, infizierte Tiere könnten Menschen anstecken, von denen das Virus auf weitere Menschen springt. Das sei aber selten. Die Weltgesundheitsorganisation und die Weltorganisation für Tiergesundheit mit Sitz in Paris forschen an dieser Frage. WHO-Expertin Maria Kerkhove sagte auf einer Pressekonferenz, die Infektionen in den Nerzfarmen könnten sowohl vom Mensch auf das Tier und von den Nerzen zurück auf Menschen erfolgt sein. Das sei aber "sehr begrenzt".

Wissenschaftler vermuten, dass das neue Coronavirus in China von Fledermäusen stammt. Es könnte von Fledermäusen zunächst auf andere Tierarten gesprungen sein, bevor Menschen damit angesteckt wurden. Ein WHO-Team geht dem derzeit in China nach.

Mehr als 1,1 Millionen Tiere in den Niederlanden getötet

Allein in den Niederlanden wurden mehr als 1,1 Millionen Nerze in 26 Farmen getötet, in denen sich das Virus ausgebreitet hatte, teilte die niederländische Behörde für Lebensmittel und Sicherheit von Konsumprodukten mit. Die Regierung teilte am Donnerstag mit, dass Nerze in einem 27. Betrieb ebenfalls infiziert seien und gekeult werden.

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In den Niederlanden gibt es rund 160 Nerzfarmen; sie sind der viertgrößte Produzent der Pelze weltweit nach Dänemark, China und Polen, sagte Wim Verhagen, Direktor des niederländischen Verbands der Nerzfarmer. Spanien hat 38 Nerzfarmen, die meisten in Galicien.

RND/AP

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